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Verwirrungsspiel um entführte Bischöfe: Jetzt Hoffnung auf USA

15. Mai 2013 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Mitglieder des US-Repräsentantenhauses starteten Petition für die in Geiselhaft befindlichen syrischen Metropoliten Mar Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi


Washington-Damaskus (kath.net/KAP) Die Nachrichten über die Situation der entführten syrischen Bischöfe (Foto) bleiben verwirrend, wobei sich die stärksten Hoffnungen inzwischen auf eine amerikanische Initiative richten. So haben diese Woche Mitglieder des US-Repräsentantenhauses eine Petition für die in Geiselhaft befindlichen Metropoliten Mar Gregorios Youhanna Ibrahim und Boulos Yazigi gestartet. Sechs Parlamentarier mit Brad Sherman (Los Angeles) an der Spitze wollen bis Freitag möglichst viele ihrer 429 Kolleginnen und Kollegen zur Unterschrift auf einem an Außenminister John Kerry gerichteten Brief bewegen, in dem umgehend Maßnahmen zur Befreiung der beiden Bischöfe gefordert werden.

Mittlerweile gibt es eine neue Version über die Entführung der beiden Metropoliten. Der christliche Oppositionspolitiker Michel Kilo sagte am Dienstag, der Geheimdienst der syrischen Luftwaffe sei in die Verschleppung der beiden Bischöfe verwickelt. Die Bischöfe seien allerdings, nachdem eine Beteiligung der Staatsmacht in den Fall ruchbar geworden sei, von den ursprünglichen Entführern an eine zweite Gruppe übergeben worden.

Ein Angehöriger des oppositionellen Syrischen Nationalrates, der sich in den vergangenen Monaten bereits um die Freilassung von verschleppten Journalisten bemüht hatte, sagte: "Der Fall der Bischöfe wird immer komplizierter, je mehr Gruppen daran beteiligt sind." Von den Bischöfen existiere aber ein Video, das sie in Geiselhaft bei guter Gesundheit zeige.


Die Angaben Kilos stimmen zum Teil mit einer in Kreisen der syrischen christlichen Emigration kursierenden Version überein: Demnach hätten die syrischen Geheimdienste die Entführung eingefädelt, nachdem sich die beiden Bischöfe geweigert hatten, der Aufstellung von christlichen Milizen zuzustimmen, die auf Regierungsseite kämpfen sollten. Die Geheimdienste hätten das Kidnapping aber nicht selbst durchgeführt, sondern sich die Dienste einer Rebellengruppe "eingekauft".

Widersprüchliche Meldungen als Strategie

Im Sinn einer Feststellung des melkitischen Patriarchen Gregorios III. Laham sind viele der Meinung, dass gezielt Verwirrung verbreitet wird. Die widersprüchlichen Nachrichten über die Situation der beiden entführten Metropoliten von Aleppo seien ein Element im "Spiel der Verwirrung", der den Syrien-Konflikt insgesamt kennzeichnet.

So hatte es etwa am 10. Mai in einer Mitteilung des libanesischen TV-Senders "Al Manar" (der der "Hizbollah" nahesteht) geheißen, die beiden Bischöfe befänden sich in den Händen der extrem radikalen islamistischen Gruppe "Soldaten des Kalifats". Diese Gruppe strebe eine Wiedererrichtung des Kalifats in Syrien an und sei weitaus extremistischer als die "Al-Nusra"-Front. Chef der Gruppe soll nach Angaben von "Al Manar" ein Salafist aus Kuwait, Abou Omar, sein. Sprecher der syrischen Opposition erklärten, die "Soldaten des Kalifats" seien gefährlicher als "Al Qaida", man werde alles unternehmen, um die Bischöfe zu befreien.

Der syrisch-orthodoxe Erzbischof von Zahle und der Bekaa im Libanon, Justinos Boulos Safar, forderte am Montag die Regierungen der Region auf, alles zu tun, "um die Gewalt in Syrien zu stoppen" und die Freilassung der entführten Aleppiner Metropoliten zu erreichen. Auch die Spitzenpersönlichkeiten der christlichen Kirchen in Jerusalem äußerten sich am Dienstag in einem gemeinsamen Appell in ähnlichem Sinn. Die Spirale von Gewalt und Blutvergießen müsse beendet werden, heißt es in dem Appell, der u.a. vom lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, dem Franziskaner-Oberen P. Pierbattista Pizzaballa, dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos III., und dem armenisch-apostolischen Patriarchen der Heiligen Stadt, Norhan Manougian, unterzeichnet wurde.

In Indien fand am Dienstag im "Patriarch Ignatius Center" in Puthencruz/Kerala anlässlich der Tagung des Heiligen Synods der dem Patriarchat von Antiochien zugehörigen indisch-orthodoxen Kirche ein großer ökumenischer Fürbittgottesdienst für die Freilassung der Entführten statt. Mit den Mitgliedern des Heiligen Synods nahmen auch Bischöfe, Priester und Laien zweier katholischer Ostkirchen sowie zweier reformatorischer Kirchen an dem ökumenischen Gottesdienst teil.

Schon 80.000 Tote und 400.000 Verletzte

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) berichtet von mittlerweile 80.000 Toten und 400.000 Verletzten, die der Konflikt in Syrien gefordert hat. Den Angaben zufolge braucht ein Drittel der Bevölkerung Syriens humanitäre Hilfe.

Darüber hinaus ist die Zahl der registrierten Flüchtlinge in den Nachbarländern auf mehr als 1,2 Millionen gestiegen. Mehr als 450.000 haben das Land allein seit Beginn dieses Jahres verlassen. Drei Viertel der Flüchtenden sind Kinder und Frauen.

"Den nicht abreißenden Flüchtlingsstrom können besonders die kleinen Nachbarländer wie Jordanien und Libanon kaum noch bewältigen", sagte die Länderbüroleiterin der Johanniter in Jordanien, Vera Voss, am Mittwoch gegenüber der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA. Immer mehr Menschen müssten sich die immer knapper werdenden Ressourcen wie Wohnraum, Wasser und Strom teilen - meist unter schlimmstenhumanitären Bedingungen. Zudem würden oft die geflohenen Familien vergessen, die zu Anfang noch etwas Geld hatten, um sich selbst zu versorgen, nun aber ohne Rückkehrmöglichkeiten auch auf Hilfe angewiesen sind.

Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


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