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Der Vatikan hielt auch in schweren Zeiten zu Andreotti

7. Mai 2013 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Der am Montag mit 94 Jahren verstorbene italienische Christdemokrat galt als "katholischster" Politiker des Stiefelstaates - Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko


Rom (kath.net/KAP) Über 50 Jahre war er Symbol und Leitfigur der italienischen Politik: Insbesondere war Giulio Andreotti das Gesicht der italienischen Christdemokratie, der "katholischste" Politiker des Landes. Am Montag ist Andreotti, der dem Parlament zwischen 1947 und 1993 ununterbrochen angehörte, der sieben Mal Ministerpräsident und 22 Mal Minister in fast allen Kabinetten vor der Ära Berlusconi war, im Alter von 94 Jahren in Rom gestorben.

Der Name des erfolgreichen Politikers und Juristen ist freilich auch mit etlichen Strafprozessen verbunden, in denen ihm die Anklage mafiöse Verbindungen und sogar die Anstiftung zum Mord anlasten wollte. Sie endeten alle mit Freisprüchen: die Mordanklage mit einem "Freispruch erster Klasse"; die Anklagen wegen Mafia-Verstrickung wurden aus "Mangel an Beweisen" sowie "Verjährung" niedergeschlagen.

Der politische Stern Andreottis sank mit den Korruptionsermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft unter Antonio di Pietro. Die Säuberungsaktion "Mani pulite" (saubere Hände) katapultierte ab 1992 zahlreiche Wirtschaftsvertreter, Parlamentarier, Parteivorsitzende und auch Minister aus ihren Ämtern. Mit Andreotti erreichte sie die Spitze des italienischen Nachkriegssystems - und führte schließlich zum Einbruch der 50 Jahre lang vorherrschenden Parteien, vor allem der christdemokratischen "Democrazia Cristiana" (DC).


Als "Senator auf Lebenszeit" blieb Andreotti danach bis zu seinem Tod in der Politik - wenn auch mit geringem Einfluss. Die bittere Wahrheit seines zynischen Bonmots aus Regierungszeiten ("Die Macht zehrt an dem, der sie nicht hat!") konnte er nun 20 lange Jahre lang schmecken.

Immer wieder hat sich Andreotti gegen Anfeindungen und in Untersuchungsausschüssen verteidigen müssen. Stets konnte der am 14. Jänner 1919 geborene Römer, der in Karikaturen - auch wegen seiner abstehenden Ohren - als "Fuchs" dargestellt wurde, die Attacken von Feinden und Parteifreunden parieren, konnte stets den Kopf aus der Schlinge ziehen. Auch bei den Vorwürfen der Mafia-Verstrickung und der Anstiftung zum Mord am Enthüllungsjournalisten Mino Pecorelli im Jahr 1979 sprach man zunächst von Verleumdung und von "Rache der Mafia". Die Verfahren in Palermo und Perugia zogen sich hin, drohten ihn politisch und menschlich zu zerstören. Auf jeden Fall war es seither aus mit seinem Traum vom Amt des Staatspräsidenten.

"Osservatore" sprach von "Infamie"

Der Vatikan hat in den schweren Jahren bis zu den Freisprüchen unverdrossen zu Andreotti gehalten, der täglich die Messe besuchte und Freundschaften bis in höchste Kurienkreise pflegte. Noch bevor ihn im September 1999 ein erster Freispruch entlastete, begrüßte ihn Papst Johannes Paul II. Anfang Mai vor laufenden Kameras auf dem Petersplatz mit einem langen, herzlichen Händedruck. Die Geste löste Spekulationen aus, der Papst sei von Andreottis Unschuld überzeugt. Und als ein Berufungsgericht in Perugia ihn im November 2002 im Mordfall Pecorelli zu 24 Jahren Haft verurteilte, bezeichnete die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" diese Entscheidung als absurd, als "paradox und infam". Ein Jahr später gab der letztinstanzliche Freispruch dieser Deutung Recht.

Zum 85. Geburtstag erhielt Andreotti einen Ehrendoktor der Lateran-Universität. Nach der Serie von Strafprozessen war dies eine weitere Rehabilitierung. Gesellschaftlich hatte er schon vorher sein Comeback erlebt. Er war am italienischen "Katholikentag" in Rimini aufgetreten und gefeiert worden. Zudem amtierte er als Chefredakteur der - inzwischen eingestellten - katholischen Monatszeitschrift "Trenta giorni" (30 Tage).

Zuvor hatte er Bücher über historische und religiöse Themen geschrieben; 1982 eines über jene sieben Päpste, die er bis dahin persönlich gekannt hatte. An seiner Kirchlichkeit ließ Andreotti nie einen Zweifel; dass er die Kirche mehr geliebt habe als Gott, wie es das Bonmot will, lässt sich nicht belegen.

Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.


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