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Cölestin V. vor 700 Jahren heilig gesprochen

28. April 2013 in Chronik, 1 Lesermeinung
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"Vorbild" von Benedikt XVI. in Sachen Amtsverzicht sonst kaum mit dem deutschen Papst vergleichbar


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Vor dem 11. Februar 2013 war er nur Insidern bekannt. Danach gehörte er für zwei Wochen zu den meistgenannten Päpsten überhaupt: Cölestin V. (1209/1210-1296). Der 1294 nach nur fünf Monaten zurückgetretene Nachfolger Petri gilt als einer der wenigen Päpste, die vor Benedikt XVI. aus freien Stücken ihr Amt niedergelegt haben. Vor siebenhundert Jahren, am 5. Mai 1313, wurde der wegen seines asketischen und frommen Lebens auch als "Engelspapst" bezeichnete Eremit von Clemens V. (1305-14) heiliggesprochen - allerdings unter seinem bürgerlichen Namen Peter von Morrone.

Ein Vergleich von Cölestin V. und Benedikt XVI. zeigt, wie unterschiedlich beide Päpste sind: Der eine ein einfacher Mann, der vor seiner Wahl als Einsiedler in den Bergen nahe dem italienischen Sulmona gelebt hat, eine Mönchsgemeinschaft gründete und die römische Kurie zuvor nur flüchtig kannte. Der andere ein Theologe von Weltrang, der vor seiner Wahl mehr als 20 Jahre an der Spitze der vatikanischen Glaubenskongregation stand.


Unterschiedlich auch die Gründe für den jeweiligen Rücktritt: So begründete Benedikt XVI. seine Entscheidung mit seinen nachlassenden Kräften. Cölestin trat nach einhelligem Urteil der Historiker zurück, weil er schlichtweg überfordert war und dies erkannte. Auffallend ist indes, dass Benedikt Cölestin V. verehrt hat: So besuchte er etwa 2010 zum 800. Geburtsjahr Cölestins dessen Reliquien im mittelitalienischen Sulmona.

Eine Rückkehr in das Einsiedlerleben blieb Cölestin indes auch nach seiner Abdankung verwehrt. So nahm ihn sein Nachfolger Bonifaz VIII. (1294-1303) gefangen und sperrte ihn im Turm von Castello Fumone ein. Er wollte so verhindern, dass der zurückgetretene Papst zur Galionsfigur von Schismatikern werde. Anderthalb Jahre nach seiner Abdankung, am 19. Mai 1296, starb er in Gefangenschaft. Heiliggesprochen wurde Cölestin schließlich 1313 vor allem auf Drängen des französischen Königs Philipp IV.

Im übrigen hat der Salzburger Kirchenhistoriker Prof. Dietmar Winkler gegenüber "Kathpress" bereits unmittelbar nach dem Rücktritt Benedikts XVI. das Gerücht entkräftet, der Rücktritt Benedikts sei der erste seit Cölestin gewesen. So erinnerte Winkler etwa an eine heikle Situation Anfang des 15. Jahrhunderts, als gleich drei Päpste - Johannes XXIII. (Pisa), Gregor XII. (Rom) und Benedikt XIII. (Avignon) - aufgrund der kirchlichen Spaltung allesamt auf die Anerkennung als einziger Papst hofften.

Klarheit sollte das Konzil von Konstanz (1414-1418) bringen: So verzichtete Gregor XII. auf sein Amt, Johannes XXIII. wurde abgesetzt, der bereits 90-jährige Benedikt XIII. wurde zur Abdankung bewogen. So wurde der Weg frei für Papst Martin V. - "die Kircheneinheit war wieder hergestellt", so Winkler.

kath.net-Fotos: Papst Benedikt am Sarkophag von Coelestin V.




Copyright 2013 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
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