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Kontroverse um Verband Evangelischer Bekenntnisschulen

12. April 2013 in Deutschland, 3 Lesermeinungen
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Hansjörg Hemminger, Weltanschauungsbeauftragter der Evangelischen Landeskirche Württemberg, kritisitiert den Verband scharf: Er habe sich auf Kreationismus festgelegt - Der Zusammenschluss widerspricht


Stuttgart/Frankfurt am Main (kath.net/idea) Scharfe Kritik am Verband Evangelischer Bekenntnisschulen (VEBS) hat der Weltanschauungsbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Hansjörg Hemminger (Stuttgart), geübt. Er wirft dem Verband vor, sich auf den Kreationismus festgelegt zu haben. Der VEBS habe im November 2012 eine dreiseitige Empfehlung an seine Mitgliedsschulen veröffentlicht, sich im Religions- und Naturwissenschaftsunterricht an der Position der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ zu orientieren, schreibt Hemminger im Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (Berlin). Seine Folgerung: „Damit legt sich der VEBS, anders als die evangelikale Bewegung mit ihrer inneren Vielfalt, auf die Theologie und Wissenschaftskritik des US-Fundamentalismus fest.“

Hemminger zufolge werden Kreationisten „mit Recht als wissenschaftsfeindlich betrachtet“. Die Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ erwecke zwar den Eindruck, sie habe berechtigte Zweifel an der Evolutionstheorie, aber sonst kein Problem mit der Naturwissenschaft: „In Wirklichkeit ist der ‚wissenschaftliche Kreationismus‘ nicht nur mit der Biologie unvereinbar, sondern ebenso mit Geologie, Astrophysik und Kernphysik, von Paläontologie, Archäologie usw. ganz zu schweigen. Vom imposanten Gebäude der modernen Naturwissenschaft lässt der Kreationismus nur eine Ruine übrig.“ Außerdem liege er mit der wissenschaftlichen Theologie und der Wissenschaftstheorie im Streit.


Hemminger: VEBS schadet dem gesamten evangelischen Schulwesen

Laut Hemminger ist es von großer kirchenpolitischer Bedeutung, dass sich der Verband „auf den Kreationismus als Inhalt und Lernziel festlegt“. Da in der Öffentlichkeit nicht zwischen dem VEBS und den zahlreichen evangelischen Schulen in kirchlicher und diakonischer Trägerschaft unterschieden werde, entstehe dem gesamten evangelischen Schulwesen ein Schaden. Es werde dem Arbeitskreis Evangelischer Schulen kaum etwas anderes übrigbleiben, als sich mi dem Kurs des VEBS zu befassen – dies um so mehr, weil sich der Verband auf die gesamte Geschichte des evangelischen Schulwesens seit August Hermann Francke (1663-1727) berufe.

Laut Hemminger ist auch pädagogisch zu fragen, was es für intelligente Schülerinnen und Schüler bedeute, wenn ihnen die Position von „Wort und Wissen“ vermittelt werde.

Hemmingers Antwort: „Sie werden entweder darauf verzichten müssen, einen sinnvollen Zugang zur Wissenschaft zu finden bzw. selbst Naturwisschaftler zu werden; oder sie werden später den Schluss ziehen müssen, dass der christliche Glaube obskurantistisch (verdunkelt/d.Red.) ist und nicht ernst genommen werden kann.“ Damit manövriere „man intelligente und junge Menschen in einen einen ebenso unnötigen wie belastenden Zwiespalt“.

VEBS: Es gibt keine Festlegung auf den Kreationismus

Der VEBS (Frankfurt am Main) weist die Vorwürfe zurück. Die Feststellung Hemmingers, dass sich der Verband auf den Kreationismus festgelegt habe, sei „nicht richtig“. In der vom Verband veröffentlichten Papier von „Wort und Wissen“ werde in der Einleitung ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um eine Empfehlung „zur Orientierung und Auseinandersetzung“ handele. „Dies hat Herr Hemminger unterschlagen und kommt daher auch zu einem fehlerhaften Aufsatz“, erklärte der Generalsekretär des VEBS, Berthold Meier (Frankfurt am Main), gegenüber idea.

Der Verband habe sich zu keiner Zeit auf „den Kreationismus“ festgelegt, zumal der Begriff nicht ausreichend definiert und sehr unterschiedlich verstanden werde: „Offizielle Festlegungen von Schulen diesbezüglich sind uns nicht bekannt. Die einzelnen Mitarbeiter werden vermutlich sehr unterschiedliche Positionen einnehmen.“

Viele Mitglieder von Schulträgern bekennten sich trotz naturwissenschaftlicher Anfragen zum biblischen Schöpfungsbericht. Viele teilten auch das Modell der theistischen Evolution (danach hat Gott die Entwicklung des Lebens gesteuert/d.Red.). Meier: „Mit Sicherheit kann aber gesagt werden, dass die Schöpfung der Welt durch Gott als ein tragender, wesentlicher Bestandteil des Bekenntnisses geglaubt wird.“

Vorwurf des Fundamentalismus zurückgewiesen

Wie und wo im Unterricht – in Religion oder Biologie – die Auseinandersetzung um Evolutionstheorie und Schöpfung behandelt werde, hänge oft von den Lehrkräften ab und ob sie sich damit auseinandergesetzt hätten. Darüber gebe es keine Erhebungen. Meier: „Insgesamt gilt für unsere Schulen, dass die allgemeinen Bildungsgüter vermittelt und die Schüler zum eigenständigen Denken ermutigt werden.“ Der Verband distanziert sich ferner „entschieden“ vom Vorwurf des Fundamentalismus: „Wir wenden uns aktiv gegen Militanz und Intoleranz.“ Der VEBS vertritt 33 Schulträger, die an 52 Standorten 95 Ausbildungsstätten mit etwa 19.000 Schülern betreiben. Insgesamt werden in Deutschland durch 67 Schulträger an 95 Standorten 170 evangelikal orientierte Bekenntnisschulen geführt, die von rund 33.000 Kindern und Jugendlichen besucht werden.


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