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Wenn ein Papst Ja sagt

15. März 2013 in Kommentar, keine Lesermeinung
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Gedanken zur Papstwahl. Ein Gastkommentar von Andreas Kuhlmann


Köln (kath.net) Die ganze Welt war Zeuge dieser großartigen Geste des neuen Papstes Franziskus, als er sich auf der Loggia stehend an das Gottesvolk wandte und sich das Gebet erbat und es daraufhin in verbeugter und betender Haltung entgegennahm (Foto).

Zuvor hatte er die Wahl angenommen und dieses große Ja gesprochen. Auch ohne dabei gewesen zu sein in der Sixtinischen Kapelle kann man sich gut vorstellen, welche Kraft und welchen Mut dem neuen Papst dieses gewichtige Ja gekostet haben mag. Denn im Leben des Menschen gibt es Momente, wo Entscheidungen zu treffen sind, die von großer Tragweite sind. Dies war so ein Moment für diesen Mann aus Argentinien.

Das Leben lehrt uns: nicht jede Zustimmung ist gleichwichtig. Gemeint sind hier natürlich nicht Entscheidungen wie diese, ob ich nun Himbeer- oder Erdbeergeschmack in der Eisdiele wähle. Das „Ja, ich nehme Erdbeergeschmack“ bleibt letztlich bedeutungslos und in die individuelle Dimension eingeschlossen.

Aber es gibt eben auch diese bedeutsamen Ja-Worte. Das Ja des Papstes zur Erwählung durch das Kardinalskollegium unter Mitwirkung des Heiligen Geistes hat sicherlich eine herausragende Bedeutung und tritt ganz klar aus dieser individuellen Dimension heraus hinein in eine gemeinschaftliche Dimension.


So ein Ja spricht man nicht leichtfertig und nicht allein für sich. So ein Ja – wir haben es schon bei seinen Vorgängern erfahren – spricht man für andere. Die Verantwortung für andere ist in ein solches Ja in besonderer Weise eingeschlossen.

Ein Papst spricht es ja vor und für Gott – Ja, ich werde Deine Schafe weiden, mein Gott! – und für das Gottesvolk – Ja, ich bin bereit, mein Leben für euch hinzugeben!

Aber gibt es nicht auch ähnlich gewichtige Ja-Worte, die der einfache Christ zu sprechen hat und dennoch von großer Tragweite sind?

Dieses Jawort des Papstes kann und sollte uns Anlass sein, über unsere Zusagen nachzudenken. Denn – anders als das Ja-Wort der Eisdiele – schaffen viele Ja-Worte Bindungen, von denen das Wohl und Gedeihen anderer Menschen abhängt.

Da ist das Ja-Wort der Ehegatten vor dem Altar. Da ist das Adsum – Ja, hier hast du mich, Gott! –des Priesters unmittelbar vor seiner Weihe. Da ist das Ja der Ordensfrau oder des Ordensmanns, wenn er die Gelübde ablegt. Da ist das Ja-Wort der Eltern zu ihren Kindern, für sie für immer da zu sein.

Da ist das Ja-Wort des Religionslehrers zu seiner Kirche, ein glaubwürdiger und loyaler Verkünder und Erklärer des Glaubens der Kirche zu sein. Da ist das Ja-Wort des Ministers, im Sinne der Verfassung zu agieren.

Alle diese Ja-Worte und viele andere mehr haben eine gesellschaftliche Dimension. Keines dieser Ja-Worte ist so einfach aufkündbar ohne schwerwiegende Folgen für das Gemeinwohl. Einige sind definitiv und unaufkündbar.

Ja-Worte, die es „in sich haben“, sind keine leichtfertig gesprochenen Worte. Sie haben ein Gewicht und sind dadurch wertvoll für viele andere Menschen.

Leider werden sie allzu oft ohne große Bedenken und ohne Beachtung der Konsequenzen für die Gemeinschaft zurückgenommen. Das ist eine schmerzliche und tragische Tatsache.

Johannes Paul II. hat oft daran erinnert, dass der Mensch fähig ist, ein definitives Ja-Wort zu sprechen, das Verbindlichkeit hat bis hinein die letzten Konsequenzen. Viele der von ihm heiliggesprochenen Männer und Frauen und sogar Jugendliche und Kinder haben es mit ihrem Leben bewiesen.

Benedikt XVI. hat sein Ja-Wort mit seinem Rücktritt nicht aufgekündigt, sondern es zum Wohl der Kirche bekräftigt. Er steht weiter zu seinem Ja-Wort, indem er weiter in der Kirche seinen Dienst tut. Er hat keine Wunde der Untreue hinterlassen und keinen Menschen in Stich gelassen. Er steht zu seinem Ja-Wort als Christ und Bischof. Er hat die ihm damals anvertrauten Schafe nicht feige verlassen, sondern durfte sie einem anderen guten Hirten überlassen, der jetzt Franziskus heißt.

Jetzt beten wir für den neuen Papst, dass sein Ja viel Frucht bringe für alle Menschen.

Dr. Andreas Kuhlmann ist Priester der Personalprälatur Opus Dei und in Köln tätig

Papst FRANZISKUS - Die ersten Ereignisse des neuen Pontifikats: Habemus Papam, Gruß an die Menschen auf dem Petersplatz, Gebet und Segen (deutsch)


Foto: Rome Reports/Screenshot


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