05 März 2013, 19:00
Unterteufel Wormwood erhält das schwefelgelbe Rauchfass am Band
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Theologie'
Außerordentlich Erhellendes über den Amtsverzicht des Papstes. Nach Jahrzehnten wurde wieder eine Dienstanweisung für einen Unterteufel in der Oberwelt abgefangen. Eine KATH.NET-Glosse der besonderen Art von Dr. Helmut Müller

Koblenz (kath.net)
Bereits zum zweiten Mal ist es jetzt gelungen, eine Dienstanweisung aus der Unterwelt in der Oberwelt abzufangen. Auch dieses Mal möchte ich meine Quellen nicht preisgeben, wie mir eine protokollierte Fassung der Festrede anlässlich dieser Auszeichnung in die Hände gespielt wurde.


Sehr verehrte höllische Majestät, meine sehr geehrten Unter- und Oberteufel, mein lieber Wormwood,

ein historischer Erfolg hat uns hier zusammen kommen lassen. Unserer Sonderkommission Zermürbung unter Leitung von Unterteufel Wormwood ist es gelungen, dass der Stellvertreter unseres größten Feindes erschöpft abgedankt hat. Ohne Rückhalt in seinem Heimatland und Intrigen bis in die päpstliche Hausfamilie hinein hat die fortschreitende Gebrechlichkeit ihr Übriges getan. Da ich mich wegen der strengen Geheimhaltung der Intrigen im Vatican nicht äußern kann – unsere Taktik gilt auch für den Nachfolger - möchte ich nur auf die Zermürbungstaktik in seinem Heimatland eingehen. Wie Cäsar bei Asterix und Obelix fast ganz Gallien gehört, so gehört uns ganz Deutschland, mit einer Ausnahme, im Stift Heiligenkreuz, im deutschsprachigen Ausland, wird weiter in seinem Geiste ein spiritueller Zaubertrank gebraut, gegen den wir nicht ankommen.

Werbung
syrien2


Wie dem auch sei, der Erfolg in Deutschland ist so grandios, dass wir dieses Land für die nächsten Jahrzehnte, ich hoffe Jahrhunderte, abschreiben können. Die werden nie wieder Papst werden, was sie sowieso nur durch einen Coup unseres größten Widersachers widerwillig geworden waren.

Der Erfolg war deshalb so gewaltig, weil nichts von den großen Reden vor zwei Jahren nennenswert angekommen ist. Das ist unserem lieben Wormwood zu verdanken. Seine Strategie ist auf eine Art und Weise aufgegangen, wie wir es nicht in den kühnsten Träumen zu hoffen wagten.

Sie lautete: Private Bedürfnisse, individuelle Emanzipationsbestrebungen, spezielle Wünsche, die sich auch privatrechtlich regeln ließen, zu öffentlicher Rechtlichkeit erheben.

Die Vorlieben von wenigen, manchmal im Promillebereich, sind nun auf dem besten Wege als Rechte eingeklagt werden zu können. Erst kürzlich ist es uns gelungen, selbst das Bundesverfassungsgericht kreißen zu lassen, um eine Maus zu gebären. Medien, Talkshows und Parteiengezänk in der CDU sind die Folgen. Es ist uns gelungen das Schöpfungswerk Gottes zu korrigieren: Wenn gleichgeschlechtlicher Verkehr bisher keine Kinder hervorbringen konnte, so gibt es jetzt einen rechtlichen Anspruch, sie adoptieren zu können.

Wenn die Natur sich verwehrt, erfüllen wir Gleichgeschlechtlichen den Kinderwunsch per Gesetz. Und das Beste: Niemanden regt das, etwa wie in Frankreich, auf, wo Hunderttausende leider immer noch schreien, ein Kind benötige Mama und Papa. Dem Staat kann es egal sein, wer mit wem im Bett liegt. Aber jetzt kann man das anmelden – und bald wird man es als Ehe anmelden können und wird noch steuerlich entlastet. Freie Liebe auf Staatskosten. Das hätten wir nicht für möglich gehalten. Es läuft unter der Floskel ‚Verantwortung füreinander übernehmen‘.

Leider hat kürzlich jemand, den wir sehr schätzen, zu viel ausgeplaudert und gesagt, es gelte natürlich nur bis zum Widerruf und soziale und sexuelle Treue seien sowieso voneinander zu trennen. So sehr er uns Freude macht, er redet zuviel. Eine arbeitslose Programmiererin wurde letztlich an einen Berliner Amüsierbetrieb mit diversen Diensten vermittelt. Als sie ablehnte wurde ihr das Arbeitslosengeld gestrichen. Wie kann man nur so prüde und dumm sein.

Für die grässliche Ehe von Zweigeschlechtlichen wird es dann irgendwann noch weniger Geld geben. Ehe für alle und jeden, das ist fortschrittlich. Damals im Paradies konnten wir das Schöpfungswerk nur ein bisschen stören. Jetzt reparieren wir die ganze Welt, nach und nach, und zwar so wie wir das möchten. Auch das ist letztlich von Judith Butler ausgeplaudert worden. Auch die kann den Mund nicht halten. Zweigeschlechtlichkeit – diese gräuliche Vorrichtung, Leben in die Welt zu setzen, wird, dem Vater der Tiefe sei Dank, immer unfruchtbarer und in Berlin in LSGBTTI Gemeinschaften gar nicht mehr genannt. Wer dort bisher das private Problem hatte, nicht zu wissen, auf welche Toilette er gehen soll, dem baut man jetzt öffentlich in Kreuzberg eine dritte. Das nenne ich Fortschritt: Jedes noch so marginale private Problem wird öffentlich und möglichst durch ein Gesetz gelöst. Gelder sollten da keine Rolle spielen.

Auch in der Kirche wird immer mehr von Rechten geredet, dem Herrn der Tiefe sei Dank, weniger von Charismen. Genial ist, dass man die erschreckende religiöse Potenz von Frauen, die uns jahrtausendelang Sorgen machte und in unzähligen Charismen immer wieder zu schmerzlichen Niederlagen führte, jetzt auch verrechtlichen, veramtlichen will.

Besonders erfreulich ist es, dass Wormwood viele Frauengemeinschaften davon überzeugt hat, Zugang zum Weiheamt zu fordern. Selbstverständlich geht das bei diesen Gemeinschaften immer mit geistlicher Unfruchtbarkeit einher.

Wenn es dann endlich gelingt, es einzuführen, werden Frauen es hoffentlich genauso missbrauchen wie Männer es bisher taten. Etwas in ein Amt zu pressen, ist der beste Weg das Charisma auszutrocknen. Ganz wenige Ämter werden charismatisch geführt. Das wichtigste hat gerade eben der Träger mir nichts dir nichts abgegeben. In Deutschland haben nur wenige bemerkt, wie charismatisch dieses Amt in seinen wesentlichen Zügen ausgeübt wurde. Die Agnostiker Sloterdjik und Finkielkraut hatten vor Jahren einmal dumm daher geschwätzt und Qualitätskriterien beim letzten Träger kommentiert: „Der Papst muss seelisch 2000 Jahre alt sein, immun gegen die Ströme der Zeit sein, man muss ihm das Mysterium ansehen und abnehmen können.“

Die Skandale nicht charismatischer Amtsträger, das anschließende Medientremolo und intrigante Kurienmitglieder haben das vergessen lassen. So schön es ist, dass er abgedankt hat, vom Amt entledigt und entlastet ist, viel zu viel ist jetzt von seinem Charisma sichtbar geworden.

Es haben mir viel zu viele Leute Tränen in die Augen bekommen, als er sich jetzt leider authentisch als Pilger unter Pilgern schilderte. Er hat sich auf eine Art und Weise entweltlicht, die uns nicht recht sein kann. Diesen Wermutstropfen müssen wir schlucken.

Hoffentlich gieren im Konklave recht viele Kardinäle nach dem Amt. Es wäre toll, wenn der mit der größten Gier gewählt würde. Einen einfachen Arbeiter im Weinberg, wie den Letzten, können wir nicht gebrauchen. Es ist nicht überall so leicht ein Charisma niederzuhalten, wie in Deutschland.

In seinen furchtbaren Reden vor dem Bundestag in Berlin und dem Kongresshaus in Freiburg hatte der Papst emeritus (Protokollnotiz: höllisches Lachen) all das Ärgerliche angesprochen, „der Mensch ist nicht sich selbstmachende Freiheit“, „nicht nur Geist und Wille“. Sein blödes Reden von Natur steht jedem freien Handeln im Wege, bis dahin, dass manche Leute merken, dass es das säkulare Wort für Schöpfung ist, die wir vernichten möchten.

Ja, und in Freiburg hatte er so dramatisch Klartext geredet, dass Wormwood sich nur zu helfen wusste, diese Klarheit wieder zu vernebeln. Immer wieder musste er einflüstern: Entweltlichen? Was ist das? Das kann alles und nichts bedeuten. Soll er sich doch unmissverständlicher ausdrücken, dann tun wir auch, was er sagt. Aus dem Gefasel kann man keine klaren Schlüsse ziehen. Aber Wormwood ist diese Vernebelungstaktik hervorragend gelungen. Die kirchlichen und politischen Bestrebungen zeigen, dass nichts von den Reden angekommen ist.

Und dann noch einmal ein ganz spektakulärer Erfolg. Wormwood trichterte allen, die er erreichen konnte ein: Jetzt bekunde ihm Deinen Respekt für den Rücktritt. Ganz egal ob Du ihn zu Amtszeiten respektiert hast oder nicht.

Und mit einer Schlagzeile aus der TAZ, die uns große Freude bereitet, „Schluss mit Heilig“ möchte ich schließen und unserem verdienstvollen Unterteufel das schwefelgelbe Rauchfass am Band überreichen und gleichzeitig zum Oberteufel befördern. Heute gehört uns Deutschland - morgen die ganze Welt.

Screwtape, Oberteufel

Dr. Helmut Müller ist Akademischer Oberrat am Institut für Katholische Theologie der Universität Koblenz

Diese Glosse beruht auf dem Buch Buch von C.S. Lewis: Dienstanweisungen an einen Unterteufel.

kath.net-Lesetipp:
Dienstanweisungen an einen Unterteufel
C.S. Lewis
Taschenbuch: € 9.20
eBook: € 13,10
Erhältlich bei: kathShop

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram

meist kommentierte Artikel

"Terroristen sind Tiere, sie müssen erbarmungslos bestraft werden" (85)

Der Bischof von Basel braucht keine Sexualmoral der Kirche (53)

Wir Christen glauben das (33)

"Katholische Kirche hat mir 120.000 Euro Schweigegeld geboten" (27)

Sri Lanka: 290 Tote bei Explosionen in drei Kirchen (26)

Tobin verunglimpft Katechismus als "sehr unglückliche Sprache" (19)

„Wie wäre es, wenn wir Muslime für einen Tag #Kreuze tragen?“ (19)

Päpstlicher Prediger im Petersdom: Ostern wandelt Leid der Welt (19)

„Ich stehe völlig allein in der brennenden Kathedrale Notre Dame“ (17)

Hillary Clinton: Attacken auf „Osterbetende“ (16)

Nur 15.000 Teilnehmer beim Kreuzweg am Kolosseum (15)

Ratzinger-Preisträger Heim: Kritik an Benedikt XVI. unangemessen (13)

Panik bei Osternachtsmesse in München (12)

Kniende Mundkommunion? In Chile offenbar nicht mehr erwünscht (11)

Papst wäscht Häftlingen Füße: ‘Jeder soll dem Nächsten dienen’ (11)