25 Februar 2013, 08:45
Christusreliquien im christlichen Europa
 
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Auf den Spuren der Sandalen und des Grabtuchs Jesu - Internationale Experten treffen sich im März zu einem Symposium in Prüm/Eifel

Prüm (kath.net) Auf den ersten Blick ist Prüm heute ein kleines, wenig bekanntes Städtchen im Westen der Eifel, nahe der belgischen Grenze. Nur wenige wissen, dass sich hier einst ein geistiges Zentrum des christlichen Europas befand, das wichtigste Pilgerziel nördlich der Alpen, lange bevor die Wallfahrten nach Trier, zum Heiligen Rock, und nach Aachen, zu den Gewand- und Tuchreliquien Mariens und Jesu, eingeführt wurden. Schließlich war die Abtei Prüm, 721 von der Urgroßmutter Karls des Großen gegründet, die „Hausabtei“ der Karolinger; hier wurde ein Großteil des karolingischen Adels erzogen, hier wurde die bedeutende Reliquie ihres Reiches verehrt: Die Sandalen Christi (Foto).

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Als Papst Zacharias im Jahre 751 dem Hausmeier Pippin d.J., den Sohn Karl Martells, als König der Franken bestätigte, war dies der Beginn einer neuen Ära; die Herrschaft der zerstrittenen und glanzlos gewordenen Merowinger endete, an ihre Stelle trat eine neue Dynastie mit Visionen. Schließlich sollte Karl der Große die römische Reichsidee erneuern und zum ersten Kaiser des Abendlandes seit über drei Jahrhunderten werden. Seine Krönung war die zweite Geburtsstunde des christlichen Europas nach der Kreuzesvision Konstantins im Oktober 312.

Das Papsttum setzte von Anfang an auf die neue Dynastie, um den Kirchenstaat vor den Langobarden zu schützen. Um den neuen Verbündeten nicht nur zu ehren, sondern auch aufzuwerten, vertraute Papst Zacharias dem Frankenkönig 752 eine der wertvollsten Reliquien Roms an: Partikel der Sandalen Christi, die wohl schon der Apostel Petrus in die Ewige Stadt gebracht hat. Pippin ließ sie in die Abtei Prüm bringen, die dadurch zu einem der bedeutendsten und reichsten Klöster seines Reiches aufstieg. Ihre Besitztümer reichten bald bis in das heutige Frankreich, Belgien und die Niederlande.

Noch heute befinden sich die kostbaren Reliquien in einem Schrein der ehemaligen Abteikirche, die seit der Säkularisierung zur Pfarrkirche geworden ist. Doch erst 2007 wurden sie von einem französischen Forschungsteam und zwei Expertinnen des Ledermuseums in Frankfurt untersucht.

Überreste uralten Leders

Dabei stellte sich heraus, dass die „Sandalen Christi“ nur auf den ersten Blick reich verzierte karolingische Krönungsschuhe waren. Unter ihren Goldauflagen nämlich fanden die Wissenschaftler Überreste uralten Leders, vermischt mit Silikatmineralen, wie sie in Wüstengegenden vorkommen, sowie Spuren von Eisen und Titan. Sie sind typisch für die sogenannte „terra rossa“, eine Erdenzusammensetzung, die es in dieser Form nur im Gebiet um Jerusalem gibt. Offensichtlich hatten die karolingischen Kleriker diese Fragmente in die Krönungsschuhe eingearbeitet, um sie in einer würdigeren Form verehren zu können.

Doch diese faszinierende Entdeckung ist nur eines der Themen, die auf dem deutsch-französischen Kolloquium „Christusreliquien im christlichen Europa“ diskutiert werden, das vom 16.-17. März 2013 in der Karolingerhalle von Prüm abgehalten werden soll. Veranstalter ist die „Union der Nationen Europäischer Christen“ (UNEC), eine katholische Laieninitiative aus Paris, die sich seit Jahrzehnten der Erforschung einer anderen Passionsreliquie, der Tunika Christi, widmet, die in Argenteuil bei Paris verehrt wird.

Programm

Auf dem zweitägigen Wochenend-Symposium spricht Monika Rolef über „Historische Aspekte der Sandalenreliquie von Prüm“, während der französische Genetiker Prof. Gerard Lucotte die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung ihrer Lederpartikel und der Straßenstaub-Spuren präsentiert.

Winfried Würmeling, Veranstalter der Konferenz, referiert über die Geschichte und Erforschung der Tunika von Argenteuil, deren Blutspuren mit den Abdrücken auf dem Grabtuch von Turin korrespondieren.

Die bekannte Textilarchäologin Prof. Mechthild Flury-Lemberg stellt ihre Erkenntnisse über den „Heiligen Rock“ von Trier, der Tradition nach das Obergewand Jesu (im Gegensatz zur Tunika, die ein Untergewand war), vor.

Das „Volto Santo“, das faszinierende Muschelseidentuch von Manoppello, das als „Schweißtuch der Veronika“ einst die wichtigste Reliquie des päpstlichen Roms war, ist Thema des Vortrags von Pfarrer Joseph Läufer.

Michael Hesemann, Autor des Bestsellers „Das Bluttuch Christi“, berichtet über den jüngsten Stand der Erforschung des Turiner Grabtuchs und des Sudariums von Oviedo, das seit dem 8. Jahrhundert im nordspanischen Oviedo verehrt wird.

Ein Fazit zieht wiederum Winfried Würmeling, der die Passionsreliquien als „Grundsteine des christlichen Europas“ bezeichnet und ihre Rolle in der abendländischen Geschichte untersucht.

Am Sonntag folgt eine Wallfahrtsmesse mit anschließender Wallfahrt zu der Sandalenreliquie Jesu in der Basilika von Prüm und einer Kreuzwegandacht.

kathTube-Foto:




Christusreliquie in der ehemaligen fränkischen Königsabtei Prüm ("Sandalen Christi", Photo J. Legros)

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