
Vatikanstadt (kath.net/KAP) Im weiteren Verlauf des Samstages hat auch das vatikanische Staatssekretariat den öffentlichen Druck und falsche Informationen im Vorfeld des Konklaves kritisiert. Es sei beklagenswert, dass vor diesem geistlichen Ereignis plötzlich viele Nachrichten auftauchten, "die nicht überprüft, nicht überprüfbar oder schlicht falsch sind und Personen und Institutionen schweren Schaden zufügen", hieß es. Für die Papstwahl sei wichtig, dass das Kardinalskollegium frei beraten und entscheiden könne.
Im Laufe der Jahrhunderte seien im Zusammenhang mit Papstwahlen unterschiedliche Formen von Druck auf einzelne Wähler oder das Kollegium insgesamt ausgeübt worden, führt die Erklärung aus. Damit habe man Entscheidungen beeinflussen und der politischen oder weltläufigen Logik anpassen wollen. Waren es in der Vergangenheit politische Mächte, also Staaten, die ihren Einfluss auf die Papstwahl wahrnehmen wollen, so versuche man heute "das Gewicht der öffentlichen Meinung ins Spiel zu bringen". Dabei stünden meist Einschätzungen im Vordergrund, die nicht den geistlichen Aspekte dieses Kirchenereignisses Rechnung trügen, so das Staatssekretariat.
Das Komuniqué des Staatssekretariats im Wortlaut (Osservatore Romano):
Die Freiheit des Kardinalskollegiums, dem den Bestimmungen des Kirchenrechts zufolge die Aufgabe zufällt, den Römischen Papst zu wählen, ist vom Heiligen Stuhl stets entschieden verteidigt worden, um zu garantieren, daß eine Wahl getroffen werden kann, die auf Einschätzungen beruhen soll, die sich einzig und allein am Wohle der Kirche ausrichten.
Im Verlauf der Jahrhunderte haben sich die Kardinäle gegen vielerlei Arten von Druck zur Wehr setzen müssen, der sowohl auf einzelne Wähler als auch auf das Kardinalskollegium als ganzes ausgeübt wurde und dessen Ziel es war, die Entscheidungen zu beeinflussen und sie der Logik politischer oder weltlicher Interessen zu unterwerfen.
Waren es in der Vergangenheit die sogenannten Mächte, d. h. die Staaten, die versuchten, die Papstwahl ihrer Konditionierung zu unterwerfen, so wird heute versucht, das Gewicht der öffentlichen Meinung ins Spiel zu bringen, die oft auf Einschätzungen beruht, die den typisch spirituellen Aspekt des Augenblicks, den die Kirche gerade durchlebt, nicht erfassen.
Es ist sehr bedauerlich, daß sich, je mehr sich der Augenblick nähert, in dem das Konklave beginnen wird und die wählenden Kardinäle vor ihrem Gewissen und vor Gott dazu verpflichtet sind, ihre jeweilige Wahl in voller Freiheit zu treffen, die Verbreitung oft nicht überprüfter oder schlichtweg falscher Nachrichten vervielfacht, die unter Umständen auch einzelnen Menschen oder Institutionen Schaden zufügen.
In derartigen Augenblicken konzentrieren sich die Katholiken auf das, was essentiell wichtig ist: Sie beten für Papst Benedikt, sie beten dafür, daß der Heilige Geist das Kardinalskollegium erleuchten möge, sie beten für den künftigen Papst. Im Vertrauen darauf, daß das Geschick des Schiffes Petri in den Händen Gottes ruht.
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