24 Februar 2013, 08:30
Voderholzer: Benedikt XVI. wird kein Wort mehr veröffentlichen
 
Hildegard13
 
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Regensburger Bischof äußerte zugleich die Hoffnung, dass Benedikt XVI. die geistige Frische behalte, um «begonnene Projekte» noch abschließen zu können, auch wenn sie dann bis zu seinem Tod in der Schublade blieben.

Regensburg (kath.net/KNA/pbr) Papst Benedikt XVI. wird nach Einschätzung des Verantwortlichen für die Herausgabe seines theologischen Gesamtwerks nie wieder publizieren. Er gehe davon aus, dass der Papst nach seinem Rücktritt «nicht ein Wort wird veröffentlichen können», sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (Foto) am Freitag im dortigen Papst-Benedikt-Institut, wo unter seiner Leitung die Gesamtausgabe der Werke Joseph Ratzingers erstellt wird. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass Benedikt XVI. die geistige Frische behalte, um «begonnene Projekte» noch abschließen zu können, auch wenn sie dann bis zu seinem Tod in der Schublade blieben.

Benedikt XVI. werde als «Theologenpapst und einer der größten Prediger auf dem Stuhl Petri» in die Geschichte eingehen, zeigte sich der Bischof überzeugt. Dies beweise allein schon die ungebrochen hohe Nachfrage nach seinen Büchern, Vorträgen und Gebeten auf der ganzen Welt. Sein Denken berge nach wie vor «ungeheures Innovationspotenzial».

Voderholzer würdigte den Führungsstil des scheidenden Papstes. Benedikt XVI. habe ganz auf die Kraft und Überzeugung seines Wortes vertraut, sagte der Bischof. Der Papst habe «eine ganz große Freiheit, Macht loszulassen und Unwesentliches auch unwesentlich sein zu lassen». Insofern sei sein Rücktritt ganz konsequent und innovativ zugleich gewesen.

Mit Blick auf den künftigen Papst sprach sich Voderholzer für eine geistliche Führung nach dem Vorbild von Benedikt XVI. aus. Die Ausübung institutioneller Macht entmündige Mitarbeiter. Der Papst habe auf Drohungen und Sanktionen verzichtet im Vertrauen darauf, «dass sich die Wahrheit durchsetzt». Damit habe er sich auch verletzlich gemacht. Aber ein Papst könne nicht dieselben Machtmittel einsetzen «wie eine Bundeskanzlerin oder der US-Präsident». Genauso wenig könne die Kirche eine Institution sein, «in der man nur auf der Basis von Befehl und Gehorsam wirken kann».

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Als eines der größten theologischen Verdienste bezeichnete Voderholzer das Beharren von Joseph Ratzinger auf der Gottesfrage. Er habe erkannt, «dass es die Schicksalsfrage der Gegenwart ist, ob der Glaube an Gott lebendig bleibt». Noch zehre die Gesellschaft von dieser vorpolitischen Grundlage der freiheitlichen Zivilisation. «Aber dieser Vorrat könnte einmal aufgebraucht sein.»

Eine große Bedeutung für das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe auch Ratzingers Offenbarungsverständnis gehabt, so der Bischof. Der damals von manchen als «Teenager-Theologe» bespöttelte 35-jährige Berater des Kölner Kardinals Joseph Frings habe herausgearbeitet, dass die Offenbarung nicht als «Überlassung eines Buches oder einer Formelsammlung» zu verstehen sei. Vielmehr handle es sich um ein geschichtliches Ereignis, das deshalb auch mit historischen Methoden erforscht werden könne. Außerdem gehöre zur Offenbarung die gläubige Annahme «der Liebeserklärung Gottes an die Menschen».

Von den 16 Bänden der Gesammelten Werke Joseph Ratzingers sind bisher sieben erschienen. Voderholzer sagte, es werde noch drei bis vier Jahre dauern, bis die Arbeit abgeschlossen sei. Außerdem baue das Institut ein Brief- und Tonarchiv auf. Beim im vergangenen Herbst eröffneten Papsthaus in Pentling nehme die Nachfrage nach Führungen stetig zu. Die Besucher seien «beeindruckt von der Einfachheit und Bescheidenheit, aber auch von dem feinen Stil», mit dem Ratzinger sein Wohnhaus in seiner Regensburger Professorenzeit eingerichtet habe.

kath.net dokumentiert das Statement von Bischof Rudolf Voderholzer zu Beginn der Pressekonferenz am 22. Februar 2013 in voller Länge:

„Gott ist die Liebe“ – Deus caritas est.

Unter dieses Wort stellte Papst Benedikt seine erste programmatische Enzyklika am Weihnachtsfest 2005.

Das war eine Überraschung für manche, die sich ein bestimmtes Bild von Kardinal Ratzinger gemacht hatten. Gott ist die Liebe.

Wer freilich mit dem Werk des Theologen, Bischofs, Kardinals, vor allem mit seinem Predigtwerk und seiner Glaubensverkündigung vertraut war, wusste: Papst Benedikt bleibt sich treu, gerade auch darin. Er versteht sich als der Verkünder und Zeuge des Glaubens an den lebendigen Gott, der uns in Jesus Christus [sein menschliches Antlitz zugewandt hat].

Meine Damen und Herren, wir befinden uns in den Räumen des Institut Papst Benedikt XVI., in dem seit 2008 alles von und über Joseph Ratzinger gesammelt wird, um das Material und das Rüstzeug zu haben, um die Herausgabe der Gesammelten Schriften des Theologen Joseph Ratzinger bis zur Papstwahl zu organisieren und wissenschaftlich zu begleiten. Als der Gründungsdirektor und nunmehr als Bischof auch Träger dieses Instituts begrüße auch ich Sie alle sehr herzlich.

Die auf 16 Bände konzipierte Gesamtausgabe der Theologischen Schriften Joseph Ratzingers ist die Grundlage auch der Lehrverkündigung von Papst Benedikt XVI., dessen Pontifikat in der nächsten Woche zu Ende geht. Von den geplanten 16 Bänden sind bereits sieben erschienen, darunter zwei, die jeweils in zwei Teilbände aufgeteilt werden mussten, weil durch die Öffnung von Archiven und das Auftauchen neuer Quellen so viel Material zusammengekommen war, dass es einfach zwischen zwei Buchdeckeln nicht mehr Platz hatte.

Der Rückzug Papst Benedikts vom Petrusamt ändert am Auftrag und an der Zielsetzung des Instituts nichts. Wir werden in Regensburg das Erbe des Papstes aus Deutschland aufbereiten und unseren Beitrag dazu leisten, dass es für die künftigen Generationen fruchtbar wird. Ich habe mich um eine baldige Audienz bei Benedikt XVI. bemüht, um unsere volle Unterstützung anzubieten und den Fortgang zu gewährleisten; aber eine solche Begegnung war vor dem 28.2. nicht mehr möglich. Ich werde auch als Bischof von Regensburg meine Kraft für das wissenschaftliche Werk und das Andenken von Papst Benedikt voll einsetzen und die Herausgabe der Schriften organisieren. Ich bin sehr froh, dass ich mich dabei auf meine bewährten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Herrn Dr. Schaller, Frau Irmgard Lercher-Seidl und Herrn Franz-Xaver Heibl sowie eine ganze Reihe von Teilzeitkräften und hilfswissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlassen kann. Eine wertvolle Hilfe ist der Rat des Kuratoriums: Wir treffen uns ja heute und morgen, um die Konzeptionen der als nächstes erscheinenden Bände zu beraten, bevor sie dem Autor vorgelegt werden.

Deus caritas est.

Wie ein großes Vorzeichen steht das Thema Gott vor dem Werk Joseph Ratzingers.

Am 23. September 2011 sagte er in Erfurt beim Ökumenischen Gottesdienst, zugleich das gemeinsame Anliegen der christlichen Konfessionen betonend:

„Braucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenhält, so scheint es, daß es auch ohne Gott ganz gut geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, daß der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert. Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da. Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn.“

Die abendländische Zivilisation und Kultur ist auf der Basis der Gottesverehrung entstanden und aufgeblüht. Papst Benedikt hat erkannt: Es ist die Schicksalsfrage der Gegenwart, ob der Glaube an Gott weiterhin lebendig bleibt, nicht zuletzt als vor-politische Grundlage unserer freiheitlichen Zivilisationen, die – um mit Habermas zu sprechen – von diesen Grundlagen zehrt.

Der Glaube an Gott ist für Papst Benedikt nicht ein Besitz, etwas fertiges, das man in die Tasche stecken kann. Um Gott ringt der Mensch ein Leben lang, und Gott selbst fordert den Menschen immer wieder neu heraus, sich zu bekehren und neu in den Dienst nehmen zu lassen. Der Mensch ist von seinem Wesen her ein Gottsucher. Den Gott, den er begriffen hätte, wäre nicht Gott.

Aufgabe, ja Wesen der Kirche ist es, den Glauben an Gott zu bezeugen und zu feiern. Eine Kirche, die nur sich selbst bespiegelt oder um sich selber kreist, verfehlt ihr Wesen. Deshalb ist Papst Benedikt das Thema der Liturgie wichtig und immer wichtiger geworden. In der Liturgie der Eucharistie richtet sich der Mensch in der gemeinsamen Versammlung der Gläubigen auf Gott hin aus, hört er auf Gottes Wort und empfängt er anbetend das Brot des Lebens als Wegzehrung und Kraft für seinen Weg. Das Wort aus der Benedikts-Regel: dem Gebet sei nichts vorzuziehen, gilt nach Benedikt XVI. nicht nur für die Mönche, sondern in gewisser Weise für die ganze Kirche.

„Im Umgang mit der Liturgie entscheidet sich das Geschick von Glaube und Kirche.“ Es war der ausdrückliche Wunsch des Papstes, dass die Gesamtausgabe mit dem Band eröffnet werden sollte, der die Texte zur Theologie der Liturgie versammelt.

Papst Benedikt XVI. war schon als junger Theologe ein hochangesehener Mann, man könnte fast sagen ein „Star“ -Theologe.

Mit seiner Doktorarbeit über das Kirchenverständnis des Augustinus und seiner Habilitationsschrift über das Geschichts- und Offenbarungsverständnis Bonaventuras hatte er sich umfassend genau in die Themenbereiche eingearbeitet, die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil im Zentrum standen.

Obwohl erst 35 Jahre alt, wählte ihn Kardinal Frings zu seinem Konzilsberater. Von manchen älteren Neidern etwas spöttisch als „Teenager-Theologe“ bezeichnet, hatte er sich durch seine Artikel und Vorträge schon im Vorfeld des Konzils und dann durch die Entwürfe für Redebeiträge für Kardinal Frings höchstes Ansehen erworben.

Ich greife nur den Zusammenhang von Offenbarung und Kirche heraus.

Ein Schlüsselsatz: „Zur Offenbarung gehört vom Begriff her ein Subjekt, das seiner inne wird.“ Zur Offenbarung Gottes, zur Selbstmitteilung Gottes gehört, damit überhaupt jemandem etwas offenbar wird, die gläubige Annahme.

Um es mit einem Beispiel zu verdeutlichen: Offenbarung, das ist wie eine Liebeserklärung, die Liebeserklärung Gottes. Eine Liebeserklärung bedarf der Erwiderung, der Annahme. Was ist ein Blumenstrauß, mit dem der Liebende stehen gelassen wird. Deus caritas est…

Und da kommt die Kirche ins Spiel. Kirche ist die Gemeinschaft, in der die Offenbarung angenommen, geglaubt wird. Die Gemeinschaft, in der Gottes Liebeserklärung widerhallt. Und in der Gott deshalb auch gegenwärtig ist. Kirche ist nicht in erster Linie eine Organisation oder Institution, sondern die Glaubensgemeinschaft, die Gottes Wort hört und glaubt und bezeugt.

Und die aus diesem Glauben heraus die Heilige Schrift hervorbringt. Offenbarung, und das ist das zweite, ist ein geschichtliches Ereignis, das geschichtlich bezeugt wird, nicht die Überlassung eines Buches oder einer Formelsammlung. Deshalb ist es nicht nur erlaubt, sondern notwendig, dieses Zeugnis auch mit den Methoden der geschichtlichen Wissenschaft zu erforschen und seinen Sinn zu erheben.

Wenn dem Konzil der Brückenschlag zwischen Evangelium und moderner Welt, zwischen kirchlicher Lehre und modern-geschichtlichem Denken gelang, so ist dies zu einem großen Teil Joseph Ratzinger zu verdanken. Die Anwendung der Methoden der historisch-kritischen Exegese in der Bibelwissenschaft setzt dieses erneuerte Offenbarungsverständnis voraus.

Der junge Professor Ratzinger bereits war ein Pionier der Ökumene. Bereits noch in Freising bot er ein Seminar an zum Thema: Confessio Augustana. Möglichkeiten der katholischen Rezeption dieses lutherischen Bekenntnistextes aus dem Jahr 1530. Die CA bis heute der verbindliche Grundlagentext der Lutheraner.

Einer seiner bedeutendsten Schüler, Vinzenz Pfnür, hat in diesem Seminar die Anregung für seine spätere Dissertation empfangen und wurde seinerseits einer der wichtigsten Wegbreiter des Dialogs zwischen Katholiken und Lutheranern im Hinblick auf die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigung 1999.

Aus der Fülle der zu besprechenden Themen wähle ich zum Schluss noch das Jesus-Buch.

Lange sei er zu diesem Buch unterwegs gewesen, schreibt er in der Einleitung zum 1. Band. Wer ist dieser Jesus von Nazareth, den seine Jünger als den Christus bekennen und mit dem sie so verbunden sind, dass sie sich sogar nach ihm benennen lassen.

Dass Papst Benedikt noch im Herbst letzten Jahres den dritten Band, den Prolog, fertiggeschrieben und veröffentlicht hat, zeigt, wie er das Petrus-Amt versteht: Leitung durch das Wort und vom reflektierten Bekenntnis her. Als Nachfolger des Apostels Petrus hat er dessen Bekenntnis, das für alle Zeit die Grundlage der Kirche ist, in die Gegenwart hineingesprochen; das Bekenntnis des Petrus, der auf die Frage des Herrn, für wen ihn die Apostel denn halten, antwortete: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt 16,16). Papst Benedikt XVI. hat dieses Bekenntnis furchtlos bekräftigt und mit all den wunderbaren Gaben seines Geistes, seiner Frömmigkeit und Predigtkunst für die Gegenwart und Zukunft ausgelegt.

Was könnte es für einen Papst, Nachfolger des Simon Petrus, Wichtigeres geben als dies, das Bekenntnis des Petrus hineinzuübersetzen in die Gegenwart. Das Zeugnis der Schrift nicht toten Buchstaben sein zu lassen, sondern Geist werden zu lassen für die Gegenwart.

Heute feiert die Kirche „Cathedra Petri“. Im Mittelpunkt das Wort aus dem Lukas-Evangelium des Herrn an Simon Petrus: „Wenn Du dich bekehrt haben wirst, dann stärke Deine Brüder“.

Papst Benedikt hat seine Brüder gestärkt durch die Gabe des Wortes, und wie vielen dieses Wort Kraft und Stärkung war und ist, zeigt die unerhört große Nachfrage seiner Bücher auf der ganzen Welt.
Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. wird in die Geschichte eingehen als der Theologenpapst und einer der größten Prediger auf der Cathedra Petri. Vielen Dank

kathTube-Video: Rudolf Voderholzer erläuterte (noch vor seiner Bischofsweihe) das ´Papst Benedikt Wohnhaus als Begegnungsstätte´




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Foto von Bischof Voderholzer während der Pressekonferenz: (c) Bistum Regensburg






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