23 Februar 2013, 09:00
Wer die Wahl hat, hat keine Wahl
 
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Ein evangelischer Kommentar zu evangelischen Wahlen in Leitungspositionen kritisiert: Bei Bischofswahlen ist die Auswahl oft beschränkt. Doch ist Demokratie nicht das Entscheidende in der Kirche. Von Wolfgang Polzer.

Wetzlar (kath.net/idea) Die evangelische Kirche hält sich zugute, demokratischer aufgestellt zu sein als die römisch-katholische. Aber ist das wirklich so? Jedenfalls hatten die Synodalen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) bei der Wahl ihres ersten Landesbischofs am 21. Februar in Lübeck gar keine Wahl. Denn es stand nur ein Kandidat zur Verfügung: Gerhard Ulrich (Schleswig), bisher Bischof im Sprengel Schleswig und Holstein. Er erhielt – kaum überraschend – 144 von 153 abgegebenen Stimmen. Für die Nachfolge des badischen Landesbischofs Ulrich Fischer, der nächstes Jahr in den Ruhestand geht, treten immerhin drei Personen an: Jochen Cornelius-Bundschuh, Ausbildungsreferent der Landeskirche, Heinz-Martin Döpp, Direktor der kirchlichen Elisabeth-von-Thadden-Schule in Heidelberg, und Kerstin Gäfgen-Track, für Bildung und Jugend zuständige Oberlandeskirchenrätin der hannoverschen Landeskirche.

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Aber worin unterscheiden sie sich außer im Geschlecht? Alle sind „Funktionäre“ und zählen zur „kirchlichen Mitte“, wie der stellvertretende Vorsitzende der kirchlichen Wahlkommission ausdrücklich betonte. Eine echte Wahl? – Fehlanzeige. Im Vergleich dazu ist das Konklave der 117 Kardinäle, die den Nachfolger von Papst Benedikt XVI. bestimmen werden, geradezu ein Ausbund an Vielfalt, Auseinandersetzung und Wahlmöglichkeiten.

Hier wie da hat das „Kirchenvolk“ so gut wie nichts zu bestimmen. In Deutschland wird nur eine Landessynode – die württembergische – per „Urwahl“ bestimmt. Alle anderen „Kirchenparlamente“ setzen sich aus Delegierten zusammen, die von unten nach oben und von einem Gremium zum anderen gereicht werden. Mit der Folge, dass sich die meist linksliberal-grüne Mehrheit fortpflanzt.

Demokratie sieht anders aus. Freilich: Sie ist nicht das Entscheidende in der Kirche. Dann sollte man aber auch nicht so tun, als wäre es so.

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