19 Februar 2013, 17:25
Erzbischof Gänswein und die Kölner Erklärung zur 'Pille danach'
 
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Prof. Manfred Spieker nimmt Stellung zu fehlerhaften spanischen Medienberichten

Osnabrück (kath.net) „Richtig ist, dass Erzbischof Gänswein mir am 14. Februar geschrieben hat, dass es nicht wahr ist, dass Kardinal Meisner mit ihm über seine Stellungnahme zur Pille danach gesprochen habe und dass dies zu dementieren sei.“ Dies sagte Manfred Spieker (Foto), emeritierter Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück und Berater des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden.

Auf Anfrage von kath.net nahm Spieker Stellung zu fehlerhaften spanischen Mediendarstellungen und erklärte, welche Kontakte bisher zwischen dem Papstsekretär und Kurienerzbischof Georg Gänswein und dem Kölner Kardinal Meisner sowie der Glaubenskongregation bzw. der Päpstlichen Akademie für das Leben und Kardinal Meisner in der Frage nach der Verantwortbarkeit der Verabreichung der „Pille danach“ an Vergewaltigungsopfer erfolgt sind.

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Die Stellungnahme von Prof. Manfred Spieker für kath.net:

Die spanischsprachige Meldung von Aci Prensa und EWTN Noticias, über welche kath.net berichtet hat, enthält mehrere Fehler bzw. Ungenauigkeiten.

Richtig ist, dass Erzbischof Gänswein mir am 14. Februar geschrieben hat, dass es nicht wahr ist, dass Kardinal Meisner mit ihm über seine Stellungnahme zur Pille danach gesprochen habe und dass dies zu dementieren sei. Ich hatte ihm zuvor die entsprechende Passage aus dem Interview des Kardinals mit dem Kölner Stadtanzeiger vom 12.2. geschickt.

Falsch ist, dass ich gesagt hätte, die Päpstliche Akademie für das Leben oder die Glaubenskongregation hätten die Erklärung von Kardinal Meisner nicht gebilligt. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass weder die Glaubenskongregation noch die Päpstliche Akademie für das Leben „amtlich“ mit der Erklärung von Kardinal Meisner befasst waren, dass nur telefonisch bzw. elektronisch ein schnelles o.k. für die Erklärung des Kardinals eingeholt wurde, die, wie ich schon in meiner Kolumne in der Tagespost am 9.2. schrieb, moraltheologisch nicht falsch ist, im Verein mit der Erklärung der Pressestelle des Erzbistums, die der Glaubenskongregation vermutlich nicht vorgelegt wurde, aber eine fatale Wirkung hat. Die beiden Erklärungen suggerieren zum einen, es gäbe eine Pille danach, die nur ovulationshemmend, nicht aber nidationshemmend wirkt.

Zum anderen wollen sie es dem Gewissen und der wissenschaftlichen Einschätzung des Arztes überlassen, inwieweit bei einem Präparat eine nidationshemmende Wirkung besteht. Dem ist die am 13.2. veröffentlichte Untersuchung des IMABE-Instituts entgegenzuhalten, die zeigt, dass alle gegenwärtig auf dem Markt befindlichen Präparate der Pille danach sowohl eine ovulationshemmende als auch eine nidationshemmende Wirkung haben und dass die jeweilige Wirkung der Pille vom Zeitpunkt im Zyklus der Frau abhängt, an dem sie zum Einsatz kommen soll.

Es wäre den deutschen Bischöfen zu empfehlen, sich an der Erklärung der amerikanischen Bischöfe „Ethical and Religious Directives for Catholic Health Care Services“ vom 17.11. 2009 zu orientieren, in der es im Hinblick auf Vergewaltigungsopfer heißt:

"Compassionate and understanding care should be given to a person who is the victim of sexual assault. Health care providers should cooperate with law enforcement officials and offer the person psychological and spiritual support as well as accurate medical information. A female who has been raped should be able to defend herself against a potential conception from the sexual assault. If, after appropriate testing, there is no evidence that conception has occurred already, she may be treated with medications that would prevent ovulation, sperm capacitation, or fertilization. It is not permissible, however, to initiate or to recommend treatments that have as their purpose or direct effect the removal, destruction, or interference with the implantation of a fertilized ovum" (Ziffer 36).

Osnabrück, 19.2.2013
Prof. Dr. Manfred Spieker

Siehe auch kathpedia: Manfred Spieker

Foto Manfred Spieker: © www.kath-theologie.uni-osnabrueck.de

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