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'Aktuell sind die Jungen die Bildungsverlierer'

20. Februar 2013 in Interview, 10 Lesermeinungen
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Das Land Brandenburg hatte durch drei Instanzen erfolglos gegen die Gründung eines Jungengymnasiums in Potsdam geklagt. KATH.NET interviewte Horst Hennert, Sprecher des zukünftigen Schulträgers. Von Petra Lorleberg


Potsdam (kath.net) „Die publizistische Aufmerksamkeit, die unser Schulprojekt erzeugt hat, hat uns sehr verwundert.“ Dies sagte Horst Hennert (Foto), der Sprecher der „Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft“. Die Fördergemeinschaft möchte seit acht Jahren ein Jungengymnasium in Potsdam gründen. Durch drei Instanzen hindurch hatte das Land Brandenburg versucht, diese Schule zu verhindern, doch jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht endgültig grünes Licht gegeben, kath.net hat berichtet. KATH.NET fragte den Träger der zukünftigen Schule nach den Gründen und Vorteilen monoedukativen Schule und nach der Nähe der Schule zur Personalprälatur Opus Dei.


kath.net: Herr Hennert, Ihr neues Angebot einer Privatschule ist in aller Munde. Vor allem das Stichwort: „monoedukative Unterrichtsgestaltung“, eine Schule also diesmal nur für Jungen. Welche pädagogischen Erkenntnisse liegen diesem Angebot zugrunde?

Horst Hennert: Die publizistische Aufmerksamkeit, die unser Schulprojekt erzeugt hat, hat uns sehr verwundert. Wir planen seit acht Jahren ein Jungengymnasium als frei wählbare Alternative mit Eltern, die diese Möglichkeit für ihre Kinder wollen. In den meisten der alten Bundesländer gibt oder gab es Jungengymnasien. In den neuen Bundesländern besteht diese Tradition nicht.

Es ist allgemein bekannt, dass die Jungen zu den Bildungsverlierern geworden sind. Nur ein paar Daten, die dies belegen: Fast 60 % der Abiturienten sind weiblich, an den Sonderschulen sind in der Mehrheit Jungen, die auch den Hauptanteil an den Sitzenbleibern und Schulverweigern stellen. ADHS ( das sog. Zappelphilipp-Syndrom) kommt überwiegend bei Jungen vor und wird dann oft mit Ritalin behandelt. Die Jungen finden in den Kitas fast keine, in den Grundschulen nur wenige männliche Lehrer als Identifikationspersonen. Die Fakten sind bekannt, Lösungsansätze gibt es wenige. Das Angebot einer Jungenschule kann für einige eine Hilfe sein, weil man sich dort gezielt auf die Bedürfnisse der Jungen einstellen kann.


kath.net: Die Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft e.V. betreibt in Jülich bereits seit 40 Jahren erfolgreich ein Mädchengymnasium. Sind Schulen nur für Mädchen hierzulande eigentlich ebenso selten und umstritten?

Hennert: Es gibt durchaus viele Mädchenschulen in den alten Bundesländern, wie unsere Jülicher Schule, die gerade bei einer staatlichen Qualitätsprüfung sehr gut abgeschnitten hat. Viele von ihnen sind entstanden, als die Mädchen noch im Bildungssystem benachteiligt waren. Ihr erfolgreiches Wirken ist ein Hinweis darauf, dass Mädchen und Jungen nicht nur unterschiedlich sind, sondern auch unterschiedlich lernen. Die Stärken der Mädchen liegen eher in den sprachlichen Fächern, in denen sie den Jungen überlegen sind. Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer fallen den Jungen meist leichter. An einer Mädchenschule wählen aber Mädchen häufiger Chemie oder Physik als Leistungskurse, wenn sie nicht in Konkurrenz zu den Jungen stehen. Viele der heutigen Physikerinnen oder Chemikerinnen besuchten einmal ein Mädchengymnasium.

kath.net: Nun steht die geplante Schule ja noch für mehr als nur für diesen einen Aspekt pädagogischen Engagements. Möchten Sie uns noch andere Schwerpunkte nennen?

Hennert: Ich will nur auf einen wichtigen Aspekt hinweisen: Die geplante Schule orientiert sich in ihren Wertvorstellungen am christlichen Menschenbild, was sich schon im Verhalten der Lehrer gegenüber den Schülern zum Tragen kommt. Denn einen größeren Respekt vor dem anderen kann man nicht haben, als wenn man in ihm ein Ebenbild Gottes sieht. Da es keine wertneutrale Erziehung gibt, muss nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in den anderen Fächern diese Sicht vom Menschen und die Suche nach der Wahrheit Leitmotiv des Unterrichtens sein, um Jugendlichen zu helfen, selbständig denkende Persönlichkeiten zu werden, die sich nicht von Ideologien oder dem Zeitgeist einfangen lassen.

kath.net: Wie passt der pädagogische Ansatz in die gegenwärtige Bildungswelt unserer Republik. Sehen Sie hier einen Beitrag zur Ergänzung, oder eher einen Gegenentwurf?

Hennert: Nicht nur das Angebot einer Jungenschule sondern auch jede auf den christlichen Werten basierende Erziehung kann nicht mit dem Zeitgeist konform gehen und wird Angriffsflächen bieten. Deswegen muss die Schule die Jugendlichen zu starken Persönlichkeiten bilden, die zu eigenen Überzeugungen gelangt sind, die sie in ihrem Leben auch gegen Widerstände vertreten können. Das ist aber nur möglich, wenn die Schule zum Partner der Eltern wird, die die Erstverantwortlichen in der Erziehung ihrer Kinder sind.

kath.net: Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes wird deutlich, wie ein solchermaßen profiliertes Schulangebot den Nerv der Zeit manchmal auch empfindlich trifft. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Hennert: Schon die Betonung, dass Jungen und Mädchen unterschiedlich sind und lernen, ist mit der sich immer mehr ausbreitenden Gender-Ideologie unvereinbar. Mit einer am christlichen Menschenbild ausgerichteten Erziehung stehen sie auch gegen die veröffentlichte Meinung. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass es viele Eltern gibt, denen die Vermittlung christlicher Werte in der Schule für ihre Kinder auch heute am Herzen liegt.

Das öffentliche Interesse ist besonders erstaunlich, weil mit der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts für die freie Schulwahl der Eltern die Schule noch nicht vor der unmittelbaren Realisierung steht. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit für uns, nachdem die juristischen Hürden nach 8jährigem Bemühen aus dem Weg geräumt sind. Wann die zweizügig geplante Schule beginnen kann, hängt davon ab, wie schnell alle nötigen Voraussetzungen geschaffen werden können.

kath.net: Das Berliner Schulprojekt soll betrieben werden von der Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft e.V. Es hat aber überregionale Aufmerksamkeit gefunden, weil einige seiner Mitglieder gleichzeitig Mitglieder der katholischen Prälatur Opus Dei sind. Welche Rolle wird das Opus Dei in dieser Schule spielen?

Hennert: Die Verbindung zum Opus Dei wird darin bestehen, dass die Fördergemeinschaft als Schulträger die seelsorgliche Betreuung in die Hände von Priestern der Personalprälatur Opus Dei legen möchte. Die mediale Aufmerksamkeit hat sich darauf gerichtet, weil ein verzerrtes Bild dieser Einrichtung der katholischen Kirche in der Öffentlichkeit aufgebaut worden ist. Die Mitglieder der Fördergemeinschaft handeln in persönlicher Verantwortung, ebenso wie die Lehrer, egal ob sie nun dem Opus Dei angehören oder nicht. Sie müssen fachlich gut sein, sich für die Schüler einsetzen und die katholische Glaubens- und Sittenlehre akzeptieren. Die Schule schließt keine Schüler aus, gleich welcher Konfession und Religion, die offen sind für die Suche nach tragfähigen Werten für ein gelingendes Leben.

Foto © Horst Hennert


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