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Vom Leib und vom Geist

4. Februar 2013 in Chronik, keine Lesermeinung
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»Heute nacht habe ich erfahren, daß es dich gibt: ein Tropfen Leben aus dem Nichts entflohen.« Von Giulia Galeotti / Osservatore Romano


Vatikan (kath.net/Osservatore Romano) »Heute nacht habe ich erfahren, daß es dich gibt: ein Tropfen Leben aus dem Nichts entflohen.« Das ist einer der schönsten Anfänge eines Hymnus auf die Mutterschaft, die in den letzten Jahrhunderten geschrieben worden sind. Das Buch beginnt mit einer Ablehnung (»Du hast dich in mich eingeschlichen wie ein Dieb, mir den Leib, das Blut, den Atem genommen. Jetzt würdest du mir gerne meine ganze Existenz rauben.«) und mit dem Wunsch, diese ganz kleine und alles sprengende Anwesenheit von sich wegzuschieben, da sie die Frau in ein Loch fallen läßt, wo alles »unsicher und erschreckend« ist. Und doch hat die Ablehnung der Autorin, einer nicht konfessionsgebundenen Journalistin aus Florenz, die Kraft und den Mut, sich zu verwandeln. Und so wird aus der Klage ein Liebeslied.


Mutter ist nicht nur diejenige, die ein Kind gebiert. Mutter ist jede Frau, die ein Kind nährt, annimmt, wiegt, beruhigt, unterstützt, ihm hilft. Und jede Frau, die sich um den Nächsten sorgt, in einer bedingungslosen Offenheit, die keine Gegenleistung erwartet. Tränen trocknen, Erfolge ermutigen, Schmerzen lindern, die Schönheit feiern, hinter Beinchen herlaufen, die stolpern könnten: Schwangerschaft und Großziehen sind auch – und vielleicht vor allem – Merkmale des Geistes. Es ist die Fähigkeit, die überwältigende, alles verklärende Kraft wahrzunehmen und ihr Raum zu geben.

Zu Füßen der von Isabella Ducrot dargestellten Gottesmutter legen wir neben Oriana Fallaci und ihren wundervollen Brief an ein ungeborenes Kind auch die Worte einer jungen holländischen Jüdin nieder, die am 30. November 1943 in Auschwitz gestorben ist.

In den Texten, die uns Etty Hillesum hinterlassen hat, erzählt sie von einem inneren, stillen und erstaunlichen Weg. Am Anfang steht ein verwirrtes und mit sich selbst beschäftigtes Mädchen. Zehn Monate später schreibt sie am 12. Oktober 1942 aus dem Lager Westerbork: » Ich habe meinen Körper wie Brot gebrochen und ausgeteilt. […] sie waren ja so hungrig und hatten schon so lange darben müssen.« Was ist diese radikale Umwandlung – geschehen in wenigen Monaten und einzig und allein geleitet von dem tiefen Wunsch, mit Gott und dem Nächsten Gemeinschaft zu haben – anderes als eine Mutterschaft?


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