30 Januar 2013, 10:00
Homo-Ehe: Bischöfe in Paris und London verweisen auf Folgen
 
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Kardinal Barbarin: Psychoanalytiker, Psychologen, Erzieher und Juristen hätten einbezogen werden müssen

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Auf die zahlreichen ungeklärten Folgeprobleme bei einer Öffnung der Ehe für Homosexuelle, wie dies sowohl in Paris als auch in London von den Regierungen forciert wird, haben prominente Vertreter der Bischofskonferenzen Frankreichs und Englands in "Radio Vatikan" hingewiesen. In England und Frankreich rücken die Entscheidungen über eine Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe näher. Die Bischöfe der beiden Länder argumentieren dagegen und hoffen, die Gesetzesvorhaben noch abwenden zu können.

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Der Erzbischof von Lyon, Philippe Kardinal Barbarin, wies im Interview darauf hin, dass die katholische Kirche mit ihrem Engagement gegen Präsident Francois Hollandes "Homoehe"-Wahlversprechen keineswegs allein dastehe. "Natürlich inspirieren wir uns an dem, was uns das Evangelium und die Heilige Schrift sagen. Aber wir denken doch ähnlich wie viele andere in dieser Angelegenheit - wie die Muslime, die Juden und wie viele, die sich zu keiner Religion bekennen", so Barbarin.

Wie bei jedem anderen regulären Gesetzesvorhaben hätten erst einmal die Stimmen von Experten angehört werden sollen, kritisierte der Kardinal. Einbezogen hätten u.a. Psychoanalytiker, Psychologen, Erzieher und Juristen werden müssen - "und dann erst kommt das Handeln", so Barbarin: "Ich selbst bin Mitte Oktober angehört worden und Kardinal André Vingt-Trois Ende November. Wir hatten aber das Gefühl, man wollte unsere Stimme nicht hören, also gingen wir auf die Straße. Die Demonstration war ein großes Ereignis, mit dem wir gewissermaßen gesagt haben: Bitte, hört uns an." Bei den Straßenprotesten gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe hätten sehr verschiedene Menschen und Gruppen demonstriert.

Der Kardinal verwies darauf, dass es innerhalb der Befürworter des geplanten Gesetzes große Meinungsunterschiede gebe. Die einen seien "für die gleichgeschlechtliche Ehe, aber gegen ein Adoptionsrecht, andere wiederum für beides, und wieder andere fordern auch das Recht auf künstliche Befruchtung". Doch trotz aller Demos geht am Dientag in der französischen Nationalversammlung das Votum zum geplanten Gesetz über die Bühne.

In England soll voraussichtlich am 5. Februar im Parlament die erste Lesung und Abstimmung zu dem Gesetz zur "Same sex marriage". Erzbischof Peter David Smith, der Vorsitzende der Bischofskommission für christliche Verantwortung und soziale Einrichtungen der Bischofskonferenz von England und Wales, sagte dazu im Gespräch mit "Radio Vatikan": "Es gibt sehr große Lücken in diesem Gesetzesentwurf. Ich habe ihn jetzt noch nicht im Detail gelesen, denn er wurde ja erst am Freitag öffentlich, aber wir haben einige Rechtsexperten, die sich das ganz genau ansehen. Es ergibt sich zum Beispiel die Frage, wie das mit Lehrern an katholischen Schulen ist. Wird es uns verboten werden, zu unterrichten? Erst kürzlich verlor ein Mann in England seinen Job, weil er sich auf seinem privaten Blog gegen die gleichgeschlechtliche Ehe geäußert hatte."

Dies sei ein Angriff auf die freie Rede- und Meinungsäußerung, so Smith: "Was wird passieren, wenn katholische Lehrer an katholischen Schulen sagen: 'Die Ehe ist die Einheit von Mann und Frau', ohne den Gesetzesentwurf zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu erwähnen?" Ehe bedeute Einheit von Mann und Frau, und aus ihr sollten Kinder hervorgehen. "Es ist absolut absurd, wenn eine Regierung das einfach ignorieren will", so der Bischof.

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