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Man darf die Geschichte nicht mißhandeln

30. Jänner 2013 in Chronik, 2 Lesermeinungen
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Vatikan, Finanzen und Faschismus, und alles das natürlich abgeschmeckt mit viel Geheimnis. Von Giovanni Maria Vian / Osservatore Romano


Vatikan (kath.net/Osservatore Romano) Vatikan, Finanzen und Faschismus, und alles das natürlich abgeschmeckt mit viel Geheimnis: das sind die appetitlichen Zutaten eines vermeintlichen »scoops« in »The Guardian«, der renommierten Londoner Tageszeitung, in der ein Artikel veröffentlicht wurde, der in den Medien zwar unterschiedlich aufgenommen wurde, aber wahrlich keinerlei Aufmerksamkeit verdiente. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen Komplex ungenauer oder unbegründeter Nachrichten, die ungeschickt und voreingenommen arrangiert wurden, um die These zu stützen, daß der Vatikan mit Hilfe von »Mussolinis Millionen« ein internationales Immobilienimperium errichtet habe, ein Vermögen, das der Vatikan im Jahr 1929 im Austausch gegen die Anerkennung des Regimes durch den Heiligen Stuhl erhalten habe und das von einem dichten Schleier der Geheimhaltung umgeben sei. Um das Bild zu vervollständigen, das der Artikel zeichnet, wird behauptet, daß nicht genau spezifizierte britische Dokumente aus Zeiten des Krieges belegen würden, daß ein vom Vatikan kontrolliertes Unternehmen Aktivitäten nachgegangen sei, die den Interessen der Alliierten zuwidergelaufen wären. Bereits ein oberflächliches Überfliegen des Artikels reicht aus, um ihn als haltlos abzutun, aber bedauerlicherweise hat dessen Nachhall nicht nur unzählige Leser, sondern auch die elementarste historische Wahrheit geschädigt.


Tatsächlich wäre es ein äußerst geringer Aufwand gewesen, daran zu erinnern, daß Teil der Lateranverträge, die, wie gesagt, die »Römische Frage« im Jahr 1929 zum Abschluß brachten, auch ein Finanzabkommen war. Und daß diesem Abkommen gemäß Italien den Heiligen Stuhl endgültig in Höhe von 750 Millionen Lire in Barzahlung und von einer Milliarde in Wertpapieren (die umgerechnet einem Gegenwert von ca. einer Milliarde und 200 Millionen Euro entsprechen) abfand: eine Summe, die, wie der von beiden Seiten unterzeichnete Text ausführte, »um ein Erhebliches niedriger lag als die Summe, die der Staat bis heute dem Heiligen Stuhl hätte bezahlen müssen«, wenn man das italienische Gesetz der Garantien in Anwendung gebracht hätte, das 1871 unilateral verabschiedet, aber von der Gegenseite stets zurückgewiesen worden war.

Folglich waren die Lateranverträge kein schändlicher Pakt zwischen der katholischen Kirche und dem Faschismus, sondern im Gegenteil eine notwendige und ausgewogene Lösung. Mit ihnen wurde nach über sechzig Jahren eine schmerzliche Wunde des Landes geschlossen. Sie waren so wichtig, daß diese Verträge mit äußerst großer Mehrheit auch 1947 in die Verfassung der Republik Italien aufgenommen wurden. Sie wurden insgesamt von Historikern der verschiedensten Richtungen und zu unterschiedlichen Zeiten auch von zahlreichen Stimmen wie denen von führenden Politikern wie Alcide de Gasperi und Palmiro Togliatti positiv bewertet.

Was schließlich die vorgeblichen Aktivitäten des Heiligen Stuhles zuungunsten der Alliierten anbelangt, so hat just in der Dezembernummer der dreimal jährlich erscheinenden Fachzeitschrift »The Historical Journal«, die von der Universität Cambridge herausgegeben wird, die Historikerin Patricia McGoldrick von der Middlesex University in London eine lange und ausführliche Untersuchung über die finanziellen Aktivitäten des Vatikans im 2. Weltkrieg veröffentlicht [vgl. dazu den Artikel von Luca M. Posati in O. R. ital. v. 30. Januar, S. 1.]. Der Artikel, der auf einer Reihe von Dokumenten des Britischen Nationalarchivs beruht, die vor kurzem zugänglich gemacht wurden, beweist genau das Gegenteil dessen, was mit oberflächlicher Leichtfertigkeit in dem Artikel in »The Guardian« behauptet wurde und bestätigt die Ergebnisse der historischen Forschung. Und zwar, daß der Heilige Stuhl auch durch legitime Investitionen in Kriegszeiten, die vor allem in den Vereinigten Staaten angelegt wurden, die Alliierten gegen den Nationalsozialismus unterstützte.


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