22 Januar 2013, 08:30
Konfessionslose prägen künftige Politik Niedersachsens
 
Hildegard13
 
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SPD-Spitzenkandidat und Frontfrau der Grünen gehören keiner Kirche an

Hannover (kath.net/idea) Über Niedersachsens neue Regierung und ihre Politik bestimmen maßgeblich zwei konfessionslose Politiker. Sowohl der voraussichtliche Ministerpräsident, Stephan Weil (SPD), wie auch die Grünen-Spitzenpolitikerin Anja Piel gehören keiner Kirche an. Hingegen ist der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Stefan Wenzel, Protestant. Er bildet mit Piel das Spitzenduo seiner Partei. Nach dem vorläufigen Endergebnis der Landtagswahl vom 20. Januar erhalten SPD und Grüne die denkbar knappste Mehrheit im Parlament und können mit einem Vorsprung von einem Mandat die künftige Regierung bilden. Zusammen haben sie 69 Sitze, die bisherige Regierungskoalition von CDU und FDP 68. Ministerpräsident David McAllister (CDU) ist engagierter Protestant; sein Stellvertreter, Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), gehört keiner Kirche an.

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Weil war Katholik – Wenzel ist stellvertretender EKD-Synodaler

Der 54 Jahre alte Weil ist seit 2006 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover. Der werte-orientierte Politiker war ursprünglich katholisch, trat aber aus seiner Kirche aus. Das Patronat der Stadt Hannover an der evangelischen Marktkirche wird deshalb weiter von Weils Vorgänger als Stadtoberhaupt, Herbert Schmalstieg (SPD), wahrgenommen. Piel ist konfessionslos. Wenzel ist stellvertretendes Mitglied der EKD-Synode. Unter anderem wirkte der 50-jährige Politiker mit Landessuperintendentin Ingrid Spiekermann (Hannover) am vergangenen Buß- und Bettag bei einem Dialoggottesdienst über die Glaubwürdigkeit von Politik und Kirche in der Marktkirche mit.

Konföderation wünscht gute Zusammenarbeit

Der Vorsitzende des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, gratulierte den Wahlgewinnern Weil und Wenzel. Er wünscht ihnen für die Koalitionsverhandlungen, die Wahl durch den Landtag und die Regierungsbildung „viel Erfolg und kluge Entscheidungen, die den Menschen in unserem Land dienen“. Der Konföderation gehören die fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen mit annähernd vier Millionen Mitgliedern an. Sie wünschen sich, so Meister, eine gute Zusammenarbeit und ein gemeinsames Nachdenken über die gesellschaftlichen Herausforderungen: „Dazu gehören die Rolle des konfessionellen Religionsunterrichts, der evangelischen Kindertagesstätten und der evangelischen Schulen ebenso wie die Menschen, die sich illegal bei uns aufhalten bzw. in einem Asylverfahren befinden.“ Im Blick auf die Diakonie denke er besonders an die Bekämpfung der Armut oder die angemessene Bezahlung in den Pflegeberufen.

Katholiken kehren der CDU den Rücken

Bei der Landtagswahl hatte die CDU 36 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigt. Sie blieb trotz Verlusten von 6,5 Prozent gegenüber dem Ergebnis von 2008 stärkste politische Kraft. Die SPD gewann 2,3 Prozent hinzu und erreichte 32,6 Prozent. Mit einem Plus von 5,7 Prozent steigerten sich die Grünen auf 13,7 Prozent. Die Linkspartei (3,1 Prozent) und die Piraten (2,1 Prozent) verfehlten die 5-Prozent-Hürde und ziehen nicht in den Landtag ein. Zu den Verlusten der CDU trugen vor allem die Katholiken bei. 51 Prozent votierten für die Christdemokraten; das waren 13 Prozent weniger als 2008. Ein geringeres Minus von 6 Prozent verbuchten die Christdemokraten bei den Protestanten: 36 Prozent stimmten für die CDU. Bei den Konfessionslosen waren es 25 Prozent, 1 Prozent weniger als 2008. Das geht aus einer Analyse des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap (Berlin) hervor.

SPD gewinnt bei Katholiken und Protestanten

Demzufolge gewann die SPD vor allem bei den Katholiken; ihr Anteil stieg um 6 Prozent auf 22 Prozent. Bei den Protestanten kamen die Sozialdemokraten auf 35 Prozent (plus 2 Prozent) und bei den Konfessionslosen unverändert auf 33 Prozent. Die Grünen bezogen ihren Stimmenzuwachs vor allem von den Konfessionslosen. Mit einem Plus von 9 Prozent stiegen sie auf 21 Prozent an. Von den Protestanten erhielten die Grünen 12 Prozent (+5) und von den Katholiken 10 Prozent (+4).

Linke nur bei Konfessionslosen über 5 Prozent

Die FDP erreichte bei den Katholiken 11 Prozent (+2), bei den Evangelischen 10 Prozent (+2) und bei den Konfessionslosen 9 Prozent (-1). Die Linke kam nur bei den Konfessionslosen über 5 Prozent (6), aber auch hier musste die Partei ein Minus von 9 Prozent hinnehmen. Jeweils 2 Prozent der Evangelischen (-4) und der Katholiken (unverändert) gaben der Linkspartei ihre Stimme. Auch die Piraten erhielten von den Mitgliedern der beiden großen Kirchen jeweils 2 Prozent, von den Konfessionslosen 4 Prozent. Von den 8 Millionen Einwohnern Niedersachsen sind etwa die Hälfte evangelisch und knapp 18 Prozent katholisch.






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