19 Januar 2013, 16:01
Das große Ja der Kirche zur Menschenwürde
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'BenediktXVI'
Benedikt XVI. an den Päpstlichen Rat „Cor Unum“: die Gefahr des hedonistischen Materialismus. Das Nein zur Gender-Theorie. Die Pflicht der Hirten. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Die Kirche betont ihr großes „Ja“ zur Menschenwürde und zur treuen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. Sie lehnt die „Gender-Philosophie“ ab, da die Gegenseitigkeit von Mann und Frau Ausdruck der vom Schöpfer gewollten Natur ist.

Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. am heutigen Samstag an die Vollversammlung des Päpstlichen Rates „Cor Unum“. Das Zeugnis der christlichen Liebe sei dabei imstande, vielen Menschen die Tür des Glaubens zu öffnen. Der Mensch sei nicht auf sich selbst gestellt und gehe auch nicht anonym in der Masse auf, sondern er sei einmalige und unwiederholbare Person, die auf Beziehung und Gesellschaftlichkeit ausgerichtet sei.

Werbung
romwallf


In jedem Zeitalter sei es vorgekommen, so Benedikt XVI., dass der Mensch nicht dem „Gesichtspunkt Gottes“ und dem neuen Blick auf den Menschen und die Schöpfung zugestimmt habe. Wenn der Mensch den Plan Gottes nicht gesucht habe, sei er zum „Opfer von kulturellen Versuchungen geworden, die ihn letztlich zum Sklaven gemacht haben“. In den letzten Jahrhunderten „haben sich die Ideologien, die den Kult der Nation, der Rasse oder der sozialen Klasse pflegten, als wahre Götzendienste erwiesen; und dasselbe lässt sich vom schrankenlosen Kapitalismus mit seinem Kult des Profits sagen, aus dem sich Krisen, Ungleichheit und Elend ergeben haben“.

Heute teile man immer mehr ein gemeinsames Empfinden hinsichtlich der unveräußerlichen Würde jedes Menschen sowie der gegenseitigen und unabhängigen Verantwortung ihr gegenüber, „zugunsten der wahren Zivilisation, der Zivilisation der Liebe“.

Andererseits kenne leider auch unsere Zeit „Schatten, die den Plan Gottes verfinstern“. Zu diesen Schatten zähle vor allem die tragische Verkürzung des Menschenbildes, die den alten, hedonistischen Materialismus wiederbelebe. Dazu komme ein technologischer „Prometheismus“.

Aus dem Zusammenspiel zwischen einem materialistischen Menschenbild und einem großen technologischen Fortschritt erwachse eine im Kern atheistische Anthropologie: „Sie reduziert den Menschen auf autonome Funktionen, den Geist aufs Gehirn, die menschliche Geschichte auf ein Schicksal der Selbstverwirklichung“ – dies alles ohne Gott, ohne die spirituelle Dimension und ohne einen Horizont, der über das Irdische hinausgehe.

Für einen Menschen, der seiner Seele beraubt, also ohne persönliche Beziehung zum Schöpfer sei, werde alles, was technisch möglich ist, auch moralisch erlaubt: „Jedes Experiment scheint akzeptabel, jede Bevölkerungspolitik statthaft, jede Manipulation legitimiert.“

Die am meisten zu fürchtende Bedrohung, die von dieser Denkströmung ausgehe, bestehe darin, dass sich der Mensch absolut setze. Der Mensch wolle „ab-solutus“ sein, gelöst von jeglicher Bindung und natürlichem Sein. Er beanspruche, unabhängig zu sein „und denkt, dass sein Glück nur in der Selbstbehauptung besteht“: „Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt“ (vgl. Ansprach an die Römische Kurie, 21.12.2012). Dabei handle es sich um eine radikale Verneinung der Geschöpflichkeit und Sohnschaft des Menschen, was nur in „dramatischer Einsamkeit“ enden könne.

„Dass wir bei Entwicklung und Förderung des Menschen gerechterweise mit internationalen Instanzen zusammenarbeiten, darf nicht dazu führen, dass wir vor diesen schwerwiegenden Ideologien die Augen verschließen“, so der Papst. Die Hirten der Kirche stünden in der Pflicht, nicht nur die Katholiken, sondern alle Menschen guten Willens und rechter Vernunft vor diesen Verirrungen zu warnen. Es handle sich nämlich um ein negatives Abdriften des Menschen, selbst wenn sich dies mit guten Gefühlen im Zeichen des angeblichen Fortschritts, angeblicher Rechte oder eines vorgeblichen Humanismus tarne.

Angesichts dieses anthropologischen Reduktionismus sei es für die Christen notwendig, eine kritische Kontrolle walten zu lassen „und manchmal Geldmittel und Zusammenarbeit auch zu verweigern, wenn sie – direkt oder indirekt – Taten oder Projekte fördern, die der christlichen Anthropologie widersprechen“.

Positiv gesehen dagegen stehe die Kirche immer im Einsatz für die Förderung des Menschen nach dem Plan Gottes, „in seiner ganzheitlichen Würde, in Achtung seiner zweifachen vertikalen und horizontalen Dimension“.






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Freiburg: Romkritische Priestergruppe will Reformen vorantreiben (46)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Schönborn: Papstwahl war 'eine enorme Erfahrung des Heiligen Geistes' (41)

Der Exorzismus des Papstes (34)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (30)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (28)

Cohn-Bendit wird von Missbrauchsbeauftragten scharf kritisiert (25)

Missbrauchsvorwürfe gegenüber Gründer der Johannesgemeinschaft (19)

‚Auch der Tango gefällt mir‘ (18)

Klerikalismus: Die Versuchung des Geldes und der Eitelkeit (18)