
Beirut (kath.net/KAP) Weil in Syrien das Regime, aber auch auf der Gegenseite die Rebellen von vornherein eine Versöhnung ausschließen würden, seien "die Christen die einzigen, die durch ihr Leben und ihre Werte für Versöhnung einstehen": Dies betonte der im Libanon residierende syrisch-katholische Patriarch von Antiochien, Ignatios Yousef III. (Younan), in einem Interview mit der katholischen Nachrichtenagentur "AsiaNews". In Syrien müsse es Veränderungen geben, unterstrich Ignatios Yousef III. Auch seine Kirche habe in den letzten Jahren immer wieder an das Regime appelliert, das autoritäre Regierungssystem zu ändern und die Demokratie zu fördern.
Die Veränderung sei notwendig, "aber nicht durch Gewalt", die eine Frucht des Konfessionshasses sei, der Jahrzehnte weiterwirken könne, selbst wenn die bewaffneten Auseinandersetzungen aufhören sollten. Der einzige Weg sei eine "wahrhaftige Versöhnung, unter Einschluss der Leute des Regimes". Sonst bestehe die Gefahr, dass entweder die Minderheiten oder aber die Angehörigen der sunnitischen Mehrheit die Zeche zu bezahlen haben.
Für die Christen im Orient bedeute die Entwicklung der letzten Jahrzehnte - vom libanesischen Krieg über die Ereignisse im Irak bis zur Situation in Syrien - "die größte Herausforderung ihrer Geschichte", betonte der Patriarch: "Wir müssen in unseren Städten und Gemeinden bleiben und unsere jungen Leute überzeugen, dass sie nicht flüchten sollen". Denn die Rolle der Christen sei von fundamentaler Bedeutung für die Versöhnung der vom Hass getrennten Bevölkerungsgruppen. So wie es Papst Benedikt XVI. bei seinem Libanon-Besuch im vergangenen September hervorgehoben habe, sei es Aufgabe der Christen, "für den Frieden, den Dialog, die Versöhnung und die Verteidigung der Menschenrechte aller Bevölkerungsgruppen in Syrien zu beten und zu arbeiten".
In dem Interview übte Ignatios Yousef III. scharfe Kritik an Politikern "der USA, der Europäischen Union und der Golfstaaten". Wörtlich sagte der Patriarch: "Indem sie die zerstrittene Rebellion unterstützen, nähren sie den Hass unter den Leuten. Wir Christen sind sehr enttäuscht vom Verhalten dieser Länder, die mit ihrem Geld das Gewissen der Welt kaufen und die Gewalt rechtfertigen".
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