
Leipzig (kath.net/idea) Religiöse Inhalte werden in den säkularen Medien oft verkürzt und damit verfälscht dargestellt. Ursache dafür sei keine böse Absicht, sondern eher Unkenntnis der Redakteure an der Materie oder strukturelle Vorgaben, weil man in wenigen Zeilen und in einer knapp bemessenen Zeit kaum erklärende Hintergrundinformationen unterbringen könne, sagte der ARD-Fernsehjournalist Markus Spieker (Berlin) am 18. Januar in einem Fachplenum „Gott und die neuen Medien“ auf dem Kongress christlicher Führungskräfte in Leipzig.
Medien seien gerade an kontroversen Themen interessiert. Dies sei etwa bei dem aus den USA stammenden Schmähfilm über den Propheten Mohammed der Fall gewesen. Er hatte auch für Schlagzeilen in Deutschland gesorgt, als die rechtsextreme „Bürgerbewegung Pro Deutschland“ ankündigte, ihn hierzulande zeigen zu wollen. In dem Streifen „Die Unschuld der Muslime“ wird Mohammed als Homosexueller, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt. Ausschnitte wurden auf der Videoplattform YouTube veröffentlicht und sorgten weltweit für antiwestliche Proteste in der islamischen Welt. Wie Spieker dazu sagte, habe sich später herausgestellt, dass es den besagten Spielfilm nie gegeben habe: „Das war eine irre Aktion eines fehlgeleiteten Kriminellen.“
Ein „Irrer“ löste Flächenbrand aus
Wie der im ARD-Hauptstadtstudio tätige Journalist einräumte, habe auch er selbst nie der Frage nachgehen können, „warum ein einzelner Irrer so einen Flächenbrand auslösen konnte“. Der Mann hat nach Spiekers Worten ursprünglich eine Mischung aus einem Sciene-Fiction-Film und einem Wüstendrama gedreht. Daraus habe er dann zehn Minuten herausgenommen, sie neu vertont und so den anti-islamischen Hassstreifen geschaffen. Doch diese Hintergrundinformationen habe in Deutschland kaum ein Medium aufgegriffen.
Innerchristliche Medienstruktur zu kleinteilig
Kritik übte Spieker auch an der christlichen Medienszene. Ihre Struktur sei zu „kleinteilig“. Sie spalte sich in viele verschiedene Interessengruppen auf. Wer etwa ein Buch geschrieben habe, für den sei es sehr mühselig, es erfolgreich am Markt zu platzieren. Man erhalte in der Regel weder Geld noch Anerkennung. Autoren könnten froh sein, wenn die Recherchekosten wieder hereinkämen, so Spieker. Er hoffe, dass es mit Hilfe des Internets gelinge, künftig christliche Themen besser auf einem breiteren Markt zu platzieren.
Kritik an Piraten: „Nackter Diebstahl“
In einer Podiumsdiskussion bemängelte der stellvertretende Chefredakteur der Tageszeitung „Handelsblatt“, Michael Inacker (Berlin), die Entscheidung, Informationen und Nachrichten kostenlos ins Internet zu stellen. Diese Entwicklung könne man nun nicht mehr zurückdrehen: „Das ist wie bei jemandem, den man auf Drogen gesetzt hat.“ Durch die kostenlose geistige Nahrung seien die Menschen verdorben worden. Kritik übte Inacker in dem Zusammenhang an der Piratenpartei, die sich dafür einsetzt, dass weiterhin alle Informationen kostenlos für alle erhältlich seien: „Das ist nackter Diebstahl.“
„evangelisch.de“ hat Erwartungen nicht erfüllt
Der Projektleiter der Internetplattform „geistreich“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Christoph Römhild (Hannover), räumte ein, dass sich die Erwartungen der EKD an das Online-Angebot evangelisch.de nicht erfüllt hätten. Statt dass Protestanten sich in großer Schar dort vernetzt hätten, seien sie bei Facebook gelandet. „Nachrichten durch die evangelische Brille zu lesen, hat die Leute nicht so angesprochen“, sagte Römhild.
Gegen Trennung in säkular und kirchlich
Der stellvertretende Programmgeschäftsführer des öffentlich-rechtlichen Senders Phoenix, Alexander Kähler (Bonn), wies die Auffassung als falsch zurück, dass in den Medien zu wenig Christliches vorkomme. Vom Betreuungsgeld über die Beschneidung bis zur Eurokrise gebe es kaum ein politisches Thema, das nicht auch einen christlichen Bezug aufweise oder mit christlichen Werten zu tun habe. Die Trennung in säkulare und kirchliche Themen in den Medien hält er für nicht zeitgemäß. Allerdings gebe es einige gesellschaftliche Gruppen, die von einer Kirchenphobie geprägt seien.
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