18 Januar 2013, 10:00
Die Bibel ist voller Tweets
 
Hildegard13
 
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Ein Interview mit dem Bamberger Erzbischof auf Facebook. Von Christian Wölfel (KNA)

Bamberg (kath.net/KNA) Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick (Foto) schreibt seit sechs Wochen Kurznachrichten bei Twitter und unterhält eine eigene Facebook-Seite. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hat ihn am Donnerstag auf Facebook zum Thema moderne Kommunikation und Kirche interviewt und das digitale Gespräch geringfügig bearbeitet.

Erzbischof Schick: Die KNA will mich interviewen. Grüß Gott Herr Wölfel!

KNA: Grüße Sie, Erzbischof Schick! Herr Erzbischof, seit Dezember gibt es Sie bei Twitter. Lassen Sie schreiben oder greifen Sie selbst zu Smartphone oder Tablet?

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Schick:
Ich schreibe alle meine Tweets selber, sowohl am Computer, Smartphone oder iPad.

KNA: Sie haben gesagt, Jesus wäre heute auch bei Facebook und würde zwitschern. Woher wissen Sie das?

Schick:
Ich habe keine Beweise dafür. Das wäre historisch auch unmöglich. Jesus hat vor 2000 Jahren gelebt. Damals gab es die heutigen Medien nicht. Ich kann nur aus seiner damaligen Einstellung auf heute schließen. Es hat damals alle Möglichkeiten genutzt, um sein Frohe Botschaft den Menschen zu verkünden. Das würde er auch heute tun. Heute stünden ihm Twitter und Facebook zur Verfügung. Er würde sie nutzen.

KNA: Er hätte dann aber auch mehr Follower als die 12 Apostel.

Schick:
Er hatte 12 Apostel, 72 andere Jünger, Frauen, die ihm folgten. Heute würde er vielleicht noch mehr Menschen mit den neuen Kommunikationsmitteln erreichen.

KNA: Erreichen Sie durch Ihre Präsenz auch Menschen, die sich sonst nicht mit der Kirche beschäftigen würden? Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen?

Schick:
Ich bekomme Rückmeldungen von Menschen, die ich nicht kenne.
Ich nehme an, dass es welche sind, die nicht zu den Insidern der Kirche gehören.

KNA: Gab es auch schon kritische Reaktionen - wie gehen Sie damit um?

Schick:
Bisher habe ich keine kritischen Reaktionen bekommen. Auf inhaltliche Kritik gehe ich - so sachlich wie möglich - ein.

KNA: Um welche Inhalte ging es denn?

Schick:
Der Begriff Hölle, der in einem von mir verwendeten Sprichwort vorkam, wurde hinterfragt. Ich habe das Sprichwort und den Begriff Hölle erklärt.

KNA: Die neuen Kommunikationswege leben von der kurzen Form. Eine Predigt in 140 Zeichen - geht das?

Schick:
Ein Tweet ist keine Predigt, sondern eine Kurzbotschaft. In der Bibel gibt es auch viele davon, zum Beispiel die Seligpreisungen oder die 10 Gebote, die Goldene Regel und so weiter. Im Alten Testament ist zum Beispiel das Buch der Sprichwörter wie eine Sammlung von Tweets.

KNA: Social Media, das heißt auch Diskussion und Dialog. Kirche will verkündigen. Wie passt das zusammen?

Schick:
Auch über Twitter und Facebook kann es einen begrenzten Dialog geben, der aber in einen persönlichen übergehen sollte. Das persönliche Gespräch kann der Computer nicht ersetzen.

KNA: Aber Dialog heißt ja auch, sich mit unbequemen Anfragen und Zweifeln auseinanderzusetzen. Ist da die Kirche schon weit genug?

Schick:
Kirche besteht aus Menschen. Die einen können das besser als die anderen. Verbesserung ist immer nötig und auch möglich.

KNA: Der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nutzt das Netz offensiv zur Meinungsbildung, die dann in kirchliche Stellungnahmen einfließt, Stichwort: Stille Tage. Ist das auch ein Weg für die katholische Kirche?

Schick:
Der Papst nutzt das Netz, um zur Meinungsbildung beizutragen, ich auch, Pater Paulus Terwitte und etliche andere ebenso. Wir mischen mit!

KNA: Kann Kommunikation über das Netz dann auch Anregung für die eigene Positionsbestimmung sein?

Schick:
Mit inhaltlichen Positionen sollte man ins Netz gehen, die man sich vorher durch Nachdenken, Dialog und Gebet erwerben muss. Aber auch durch den Dialog im Netz kann man seine Auffassungen positionieren und auch korrigieren.

KNA: Eine letzte Frage: Dürfen wir bald auch Twitter-Nachrichten aus Sitzungen der Bischofskonferenz lesen?

Schick:
Von mir nicht. Vertraulichkeit ist eine wichtige Tugend.

KNA: Als Journalist sage ich: Schade. ;) Vielen Dank für das Interview.

(C) 2013 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Foto Erzbischof Schick: (c) Erzbistum Bamberg






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