
Leipzig (kath.net/idea) Deutschland ist von Selbstzweifeln und Jammern geplagt, während das Ausland fasziniert auf das Land schaut. Das erklärte der Informationswissenschaftler Prof. Klaus Henning (Aachen) am 17. Januar vor Journalisten in Leipzig beim Kongress christlicher Führungskräfte. Sein Rat: Die Deutschen sollten sich mehr am Fremdbild ausrichten als am Selbstbild. Henning war unter anderem „Kernexperte“ des Zukunftsdialogs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den Jahren 2011 und 2012.
Die Stärke Deutschlands beruht nach seinen Worten nicht nur auf der Wirtschaftsleistung, sondern etwa auch auf einem „werteorientierten Gemeinsinn“, der freilich in vielen unterschiedlichen Formen auftrete.
Als einen Pfeiler der wirtschaftlichen Stärke bezeichnete Henning die Familienunternehmen, die einen „anständigen Kapitalismus“ praktizierten.
Ein Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit Deutschland sei die „Potenzialentfaltung“, etwa in der Bildung. Damit meine er nicht nur Schulen und Hochschulen, sondern etwa auch Familien und Vereine. Es sei bedauerlich, dass Deutschland beispielsweise nicht in der Lage sei, die Nachfrage aus Indien nach dem Aufbau von 10.000 Schulen nach deutschem Muster zu befriedigen.
Europa-Krise: Ist das Hemd näher als der Rock?
Der Hochschullehrer und Chefvolkswirt der tschechischen Handelsbank AG, Tomáš Sedlá?ek (Prag), begrüßte es, dass Deutschland eine Führungsrolle in Europa einnehme. Die Regierung verfolge als eine der wenigen einen „paneuropäischen Ansatz“ in der Schuldenkrise. Andere orientierten sich nur an innenpolitischen Interessen. Es helfe jedoch nicht weiter, nach der Devise „Das Hemd ist uns näher als der Rock“ zu agieren. Europa lebe angesichts der Krise im „Winter“. Da brauche man den Rock, um sich warm zu halten; das Hemd reiche nicht aus. Sedlá?ek plädierte dafür, am Euro festzuhalten. Die Rückkehr zu 27 nationalen Währungen sei keine Lösung. Wenn man den jetzigen Härtetest bestehe, könne man auch andere Krisen überleben.
Der Ruck steht noch aus
Der Vorsitzende des Kongresses, Pastor Horst Marquardt (Wetzlar), äußerte sich zu den Außenwirkungen des seit 1999 alle zwei Jahre stattfindenden Treffens. Das Motto lautet „Mit Werten in Führung gehen“. Wie Marquardt sagte, könne man durch die Rückmeldungen auf sporadische Veränderungen schließen. Eine Aufbruchstimmung habe sich aber bisher nicht eingestellt. „Der Ruck steht noch aus“, so Marquardt.
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