17 Januar 2013, 09:00
In Nostra aetate steckt ein Reichtum, der noch entdeckt werden muß
 
Hildegard13
 
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Über die religiösen Beziehungen zum Judentum, aus Anlaß des Gedenktags vom 17. Januar. Von Norbert Hofmann / Osservatore Romano

Vatikan (kath.net/Osservatore Romano) Der 17. Januar, an dem in den Ortskirchen von Italien, Polen, Österreich und in den Niederlanden der »Tag des Judentums« begangen wird, bietet einen hervorragenden Anlaß, auf Aktivitäten der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum des vergangenen Jahres 2012 zurückzublicken. Die Aufgabe dieser Kommission ist seit 1965, die Konzilserklärung Nostra aetate (Nr. 4) in die Wirklichkeit umzusetzen, sie gleichsam im konkreten Miteinander von Juden und Christen immer neu zu verlebendigen und durch neue Impulse die gegenseitige Freundschaft zu vertiefen.

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In diesem Basistext des Konzils für den jüdisch-katholischen Dialog wird als ein Grundanliegen folgendes ausgeführt: »Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.«

Dieser brüderliche Dialog hat letztendlich das Ziel, Juden und Katholiken zur Zusammenarbeit für Gerechtigkeit und Frieden, sowie zur Bewahrung der Schöpfung zu motivieren, auf der Grundlage einer immer tiefer werdenden Freundschaft soll man sich gegenseitig besser kennen und schätzen lernen, damit man gemeinsam Zeugnis für die Gegenwart und das Heilshandeln Gottes in dieser Welt ablegen kann.

Wenn es wahr ist, daß die größte Krise unserer gegenwärtigen Zeit die Gotteskrise ist, man also immer mehr lebt, als ob es Gott nicht gäbe, dann sind Juden und Christen gerade heute dazu aufgerufen, gemeinsam diesen Gott unter allen Umständen präsent zu halten, von ihm zu erzählen und seine Weisungen für ein geglücktes menschliches Miteinander zu verkünden. {…}

Der Dialog mit dem Judentum ist von Land zu Land sehr verschieden, da er natürlich auch von der konkreten Situation der jüdischen Gemeinden vor Ort abhängt. Die überwiegende Mehrheit von den ca. 14 Millionen Juden weltweit leben in den USA und in Israel (zusammen etwa elf Millionen). In beiden Ländern gibt es viele Dialoginitiativen, wobei die jeweiligen Situationen des Dialogs grundverschieden sind: während in den Vereinigten Staaten die jüdische Gemeinschaft eine kleine Minderheit ausmacht, die mit einer Vielzahl christlicher Konfessionen zusammenlebt, ist es in Israel gerade umgekehrt – die christlichen Gemeinschaften stehen einer jüdischen Mehrheit gegenüber. Zudem belastet dort der politische Konflikt das Gespräch zwischen Juden und Christen, während man in den USA aufgrund der von den Ursprüngen her gelebten Religionsfreiheit geradezu von einem Modellfall des jüdisch-christlichen Gesprächs reden könnte.

In Europa wiederum ist der Dialog oft noch von der »Last der Geschichte« geprägt, weil eben auf europäischem Boden in der Shoah zwei Drittel des Judentums vernichtet worden sind. {…}

Am 10. Mai 2012 begrüßte Papst Benedikt XVI. eine Gruppe von ca. 25 führenden Persönlichkeiten des Judentums aus Südamerika, die vorwiegend aus Argentinien und Brasilien kamen. In seiner Rede betonte er eingangs die Geschichtlichkeit dieser Begegnung und stellte fest, daß auch in Lateinamerika die Beziehungen zwischen Juden und Katholiken durch verschiedene Initiativen gefestigt wurden, so daß die gegenseitige Freundschaft vertieft werden konnte. Er nimmt im Rahmen der Einberufung des Zweiten Vatikanischen Konzils vor fünfzig Jahren auf Nostra aetate (Nr. 4) Bezug, hebt dort die Frontstellung gegen jede Form von Antisemitismus und den theologischen Charakter dieser Erklärung hervor.

Mit Blick auf die aktuellen guten Beziehungen zwischen Juden und Katholiken führt er näherhin aus: »In Anbetracht der in den letzten 50 Jahren der jüdisch-katholischen Beziehungen in der ganzen Welt gemachten Fortschritte können wir nur dem Allmächtigen für dieses klare Zeichen seiner Güte und Vorsehung danken. Mit wachsendem Vertrauen, Respekt und gutem Willen wurden Gruppen, deren Beziehung anfänglich von einem gewissen Mißtrauen geprägt war, nach und nach zu vertrauensvollen Gesprächspartnern und Freunden, sogar zu guten Freunden, die in der Lage sind, die Krisen gemeinsam anzugehen und Konflikte positiv zu lösen« (Grußwort an eine Delegation des Lateinamerikanischen Jüdischen Kongresses, 10. Mai 2012 in: O.R. dt., Nr. 22 vom 1. Juni 2012, S. 9).

Er ermutigt, auf dem Weg des Dialogs, der Versöhnung und der Zusammenarbeit zu bleiben, und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, daß sich noch stärkere Bande der Freundschaft zwischen Juden und Katholiken ergeben werden, so daß man gemeinsam Zeugnis für die Macht der Wahrheit Gottes, für Gerechtigkeit und versöhnende Liebe zum Nutzen der ganzen Menschheit ablegen kann.

Aufgabe der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum ist es aber nicht nur, einen ständigen Kontakt zu den großen jüdischen Organisationen und Gemeinschaften auf Weltebene zu halten, also den Dialog »ad extra« in jeder Hinsicht zu fördern, es geht auch um einen Dialog »ad intra«, das heißt die eigenen Leute im jüdisch-katholischen Dialog zu unterstützen und ihnen Anregungen für die Zukunft dieses Dialogs zu geben.

Papst Benedikt besucht die Klagemauer in Jerusalem- 12.5.2009




Jüdisches Musikvideo: Juden beten an der Klagemauer in Jesusalem (Lied: Sch´ma Jisrael -שמע ישראל)









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