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Eine normale englische Messe

21. Jänner 2013 in Kommentar, 11 Lesermeinungen
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Es war mir einfach jahrelang nicht aufgefallen, welche Abkürzungen und Sonderformulierungen die englischsprachige Messe bisher gehabt hatte - Ein Gastkommentar von Eduard Habsburg


St. Pölten (kath.net/Habichtsburg) Gestern hatte ich wieder einmal ein Erlebnis. Ich besuchte eine englischsprachige Messe in Österreich. Nach einer Weile fiel mir auf, dass meine Antworten immer falsch waren. Das erstaunte mich deshalb, weil ich von früher her eigentlich gut in der englischsprachigen Messe zu Hause bin. War das eine Gemeinde mit eigenen Formulierungen? Oder machte man die Dinge in den USA anders als etwa in Großbritannien?

Ich horchte genauer hin. Der Priester sagte: "The Lord be with you". Die normale Antwort wäre "and also with you". Stattdessen war ich der einzige, der das (etwas zu laut) sagte, alle um mich antworteten "and with your spirit." Ich hatte diese Antwort noch nie irgendwo gehört, aber natürlich wirkte sie seltsam vertraut, wenn man an "und mit deinem Geiste" denkt.

Dann fiel der Groschen.

Ich wohnte zum ersten Mal einer Messe nach dem neuen englischen Messbuch teil! Jetzt achtete ich genauer auf die Worte - und begriff plötzlich, was Kardinal Pell damals bei der Vorstellung der neuen Texte etwas pointiert gesagt hatte: "Die Sprache eines Barbecues ist nicht angemessen für die Heilige Messe." Das Ziel der Neuübersetzung war eindeutig, sich dem auf der ganzen Welt gültigen Originaltext anzunähern, kath.net hat berichtet. Tatsächlich hatte die Formulierung "The Lord be with you - and also with you" immer etwas kumpelhaftes für mich,á la "Servus! - auch schön, dich zu sehen" zwischen Priester und Gemeinde. Die neue Formulierung "and with your spirit" klingt geistiger - und vor allem, sie ist plötzlich einem deutsch denkenden Ohr ganz vertraut. Das ist der Text der Messe, den ich seit meiner Kindheit kenne.


Mir waren auch immer schon die Wandlungsworte auf englisch aufgestoßen - "when supper was ended he took the cup", das hatte immer einen Hauch von legerer Küchenatmosphäre ("Tass Kaff") und riss mich regelmäßig aus der Betrachtung. Nun heißt es "when supper was ended, he took the chalice". Schöner. Würdiger.

Ich überspringe viele kleine Änderungen und komme zu einer Stelle kurz vor der Kommunion. Da kommt das "Herr, ich bin nicht würdig". Früher sagte man: "Lord, I am not worthy to receive you, but only say the word and I shall be healed." Der neue Text ist schöner, reicher und vor allem näher am Evangelientext: "Lord, I am not worthy that you should enter under my roof, but only say the word and my soul shall be healed."

Dass die Wandlungsworte beim Kelch lauteten "which will be poured out for you and for many" brauche ich nicht extra zu erwähnen.

Fazit? Es war mir einfach jahrelang nicht aufgefallen, welche Abkürzungen und Sonderformulierungen die englischsprachige Messe gehabt hat. Der neue Text ist ein Schritt auf größere Beheimatung der Texte in der Weltkirche hin - und man geht in die Tiefe. Natürlich gab es einen furchtbaren Aufschrei in der englischen Welt, natürlich weigerten sich viele Priester, die Änderungen mitzutragen. So wie das auch hierzulande beim Wunsch des Papstes geschah, die Wandlungsworte in den ursprünglichen Wortlaut zurückzuführen. Ich finde, die Aufregung ist hier wie dort künstlich. Das englische Experiment ist für mich gelungen, und man darf in diesem Sinne gespannt sein auf das neue deutsche Messbuch und auf die Änderungen dort.

Dr. Eduard Habsburg-Lothringen ist der Medienreferent des St. Pöltener Bischofs Klaus Küng

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Foto: (c) Eduard Habsburg


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