
Vatikan (kath.net/Osservatore Romano) Die Geschichte der jüdisch/christlichen Beziehungen ist komplex und schwierig. Neben positiven Augenblicken, in denen einige Bischöfe die Juden gegen Pogrome und Massenvernichtung in Schutz nahmen, gab es auch dunkle Zeiten, die sich dem kollektiven Gedächtnis der Juden unauslöschlich tief eingeprägt haben. Von katholischer Seite aus hat die Erklärung Nostra aetate des II. Vatikanischen Konzils den entscheidenden Wendepunkt dargestellt. Dieser ist unwiderruflich, wie Benedikt XVI. ganz klar auch bei seinem Besuch in der Synagoge von Rom am 17. Januar 2010 bekräftigt hat. Er ist unwiderruflich aufgrund der einfachen Tatsache, daß die theologischen Beweisführungen, die im Zentrum der Erklärung Nostra aetate stehen, in zwei Konzilskonstitutionen des höchsten Niveaus ganz entschieden festgeschrieben sind: in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche (Nr. 6, 9, 16) und in der Dogmatischen Konstitution über die göttliche Offenbarung (Nr. 3 und 14).
Vielleicht ist für die Beschreibung der Beziehung zwischen Judentum und Christentum das Bild, das der hl. Paulus im Römerbrief gebraucht, hilfreicher als eine begriffliche Klärung. Er spricht von der Wurzel Israels, in die die wilden Zweige der Heiden eingepfropft wurden (Röm 11,16-20). Dieses Bild, das auf den Propheten Jesaja anspielt (11,1), drückt auf zweierlei Art den Sinn der Unterscheidung innerhalb der Einheit aus. Einerseits sagt man, daß die eingepfropften wilden Zweige nicht von der Wurzel hervorgebracht wurden und nicht von dieser abstammen können. Andererseits muß die Kirche ihre Kraft und Stärke aus jener Wurzel erhalten, die Israel ist. Wenn die eingepfropften Zweige von der Wurzel abgetrennt werden, dann vertrocknen sie, sie werden schwach, und schließlich sterben sie.
Jüdisches Musikvideo: Juden beten an der Klagemauer in Jesusalem (Lied: Sch´ma Jisrael - שמע ישראל)
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