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Die Frage, die ich den drei Weisen gerne stellen würde

5. Jänner 2013 in Spirituelles, 4 Lesermeinungen
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Auf Reisen mit den weisen Astronomen Von José G. Funes / Osservatore Romano


Vatikan (kath.net/ Osservatore Romano) Etwas zu unterschreiben heißt, einen Akt fest und dauerhaft zu machen. Das Epiphaniefest bietet uns eine treffliche Gelegenheit, über die »Unterschrift« zu reflektieren, die Gott in der Schöpfung hinterlassen hat, um einen Ausdruck zu verwenden, den Benedikt XVI. in der Homilie zum Hochfest vom 6. Januar 2011 gebraucht hat. Gott macht den Kosmos stabil und erhält ihn in seiner Existenz. Aber das Unterschreiben bedeutet auch die Übernahme einer Verpflichtung. Und daher kommt Gott seiner Verpflichtung nach, indem er seinen eingeborenen Sohn gibt.

Die Weisen, die daran gewöhnt sind, den Himmel zu erforschen – und folglich auch daran, die Spuren jener Unterschrift aufzuspüren –, machen sich auf den Weg. Sie nehmen ein großes Risiko auf sich, um das Kind, den Autor jener Unterschrift zu entdecken, die sie nicht nur auf dem Kometen, sondern auch in ihren Herzen entdecken. Heutzutage, wo man gern auf die Jagd nach Autogrammen berühmter Menschen geht oder dazu bereit ist, sehr viel für »Designerartikel« zu bezahlen, vergessen wir, daß die kostbarste Unterschrift diejenige ist, die auf dem Sternenhimmel und tief im Innersten unseres Herzens geschrieben steht.


Die Kirche setzt immer noch den gemeinsamen Weg mit den »Weisen« unserer Zeit fort. Als vatikanische Astronomen besteht unser Auftrag darin, gemeinsam mit den Weisen aller Zeiten zu gehen. Gemeinsam mit unseren Astronomenkollegen haben wir Teil an den Mühen der Forschung wie auch am Enthusiasmus und der Freude der wissenschaftlichen Entdeckung.

Diese rigorose Vorgehensweise schließt die Möglichkeit nicht aus, die Horizonte der Wissenschaft zu überschreiten; vielmehr ermutigt sie sie. Folglich könnte sich der Astronom, der die Sterne erforscht, legitimerweise fragen, wieso das Universum mit seinen Milliarden von Galaxien existiert, und nicht etwa das Nichts. Und genau diese Art von Frage bewegte die Weisen dazu, den richtigen Weg einzuschlagen.

Das Problem des letzten Ursprungs des Kosmos und des Menschen ist eine Frage, der man nicht aus dem Weg gehen kann. Gibt es im Universum einen Sinn, ein Ziel? Leben wir in einem dem Leben und dem Menschen feindlich oder freundlich gesonnenen Universum? Die Wissenschaft stellt sich diese Fragen, die sie auf sich allein gestellt nicht lösen kann, da sie über ihre Fähigkeiten, die Welt zu interpretieren, hinausgehen. Diese offenen Fragen stellen einen hervorragenden Ausgangspunkt für eine Verkündigung des Glaubens und eine erneuerte Katechese der Schöpfung dar.

Die aktuelle Erfahrung der Unsicherheit und Fragilität, die die jungen Generationen machen – aber auch die nicht mehr ganz jungen –, kann der Ausgangspunkt sein, um unser Geschöpf-Sein zu verstehen und zu vertiefen. Angesichts einer ungewissen Zukunft, des Mangels an Motivationen und eines Gefühls des Verlustes schenkt Gott Sinn und Hoffnung: die Welt, die Geschichte, die Menschheit sind im Grunde gut. Die Schöpfung ist Geschenk, ist Leben. Und Gott ist der Urquell jenes Lebens, das in unseren Herzen wurzelt. Das ist die »Unterschrift« des Schöpfers.

Bei der Verkündigung des Glaubens gibt es zwei Dimensionen, die es wert sind, hervorgehoben zu werden. Da gibt es den prophetischen, kerygmatischen Aspekt, der uns tröstet, in Augenblicken der Krise ermutigt und zur Umkehr aufruft, wenn man vom rechten Weg abweicht. Und dann gibt es den weisheitlichen Aspekt, der die Bedeutung der Wirklichkeit entdeckt, indem er eine Synthese zwischen Glaube und Vernunft herstellt. Die Kirche bietet ihre jahrhundertealte Weisheit an wie »ein Hausherr, der aus seinem reichen Vorrat Neues und Altes hervorholt« (Mt 13,52). Die erneute Lektüre der Weisheitsbücher der Bibel kann dazu dienen, den Sinn des Unsinns zahlreicher Aspekte der heutigen Kultur zu finden und eine Synthese zwischen religiösem und wissenschaftlichem Wissen herzustellen.

In einer kulturellen Umgebung, in der es mühselig ist, den Sinn der eigenen Existenz zu finden und mit kritischem Auge die Wirklichkeit des Alltags zu betrachten, sind wir dazu aufgefordert, gemeinsam mit den Menschen unserer Zeit zu gehen, die sich von »Jerusalem« immer mehr entfernen, weil sie den Sinn der Geschichte und ihrer eigenen Geschichten nicht mehr finden. In Gesellschaft des Herrn muß man geduldig gehen, während man sich ihre Enttäuschungen und Frustrationen anhört. Denn erst nachdem man sie angehört hat, ist es möglich, den Sinn der Heiligen Schrift zu enthüllen.

Die Weisen haben ihre Heimat verlassen, ihre Sicherheit, um dem Licht des Sterns zu folgen, der am Firmament, vor allem aber in ihren Herzen erstrahlt. Wenn ich die Möglichkeit hätte, einem dieser Sternkundigen eine Frage zu stellen, dann würde ich sie fragen: »Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?« (Lk 24,17).


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