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23 Dezember 2012, 10:00
Konzil: Schönborn weist extremistische Interpretationen zurück

Wiener Erzbischof: Zweites Vatikanum brachte eine organische Weiterentwicklung der Lehre in Kontinuität mit der Tradition, keinen Bruch mit dieser

Wien (kath.net/KAP) Gegen extremistische Positionen in der Einschätzung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) hat sich Kardinal Christoph Schönborn gewandt. Im Interview mit "Kathpress" und Medien der Erzdiözese Wien wies der Kardinal all jene Interpretationen zurück, wonach das Konzil radikal mit der kirchlichen Tradition gebrochen habe.

Diese Festlegung führe bei den einen dazu, nur mehr auf Neuerungen zu setzen und die Tradition abzulehnen, während die anderen eine Rückbesinnung auf die Tradition fordern und die Reformen des Konzils zurückweisen.

Papst Benedikt XVI. habe sich gegen beide Versionen verwehrt und diesen eine "Hermeneutik der Kontinuität" entgegengestellt. Es gehe um eine organische Entwicklung, so Schönborn. Das Konzil sei kein Bruch gewesen, wohl aber gab es in der katholischen Kirche eine "echte Lehrentwicklung", etwa im Bezug auf die Religionsfreiheit, das Bischofsamt oder das Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen.

Dass es im Anschluss an ein Konzil zu Spannungen und Diskussionen über die rechte Interpretation kommt, sei jedenfalls nichts Neues, so Schönborn. So habe es beispielsweise rund 300 Jahre gedauert, bis sich die Lehre des Konzils von Nicäa (325) endgültig in der Kirche durchsetzen konnte. Von den frühesten Konzilien bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil habe es im Anschluss an die Bischofsversammlungen immer wieder auch Spaltungen oder Tendenzen dazu gegeben.

Er halte es für eine ganz dringliche Aufgabe, so der Kardinal, dass zumindest die Kerntexte des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder gelesen würden, wobei es für viele wohl die erste Lektüre wäre.

Freilich gebe es aber eine noch dringlichere Aufgabe, die auch Papst Benedikt XVI. mit den drei Bänden seines Jesusbuches vorgibt. "Es geht ganz entscheidend um die Frage der Nachfolge Christi," betonte der Kardinal auch mit Blick auf das "Jahr des Glaubens".

Ein Christentum, "in dem ein vager lieber Gott irgendwo am fernen Horizont des Lebens ist und nicht die konkrete anschaulich lebendige Gestalt Jesu Christi mit seiner Einladung zur Nachfolge" werde früher oder später seine Anziehungskraft verlieren. Eine vage generelle Religiosität ist nicht imstande, "Menschen zu sammeln und eine Gesellschaft zu prägen".

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