
Rom (kath.net/as) Was ist nur wieder geschehen am vergangenen Wochenende? Am Freitag, den 15. Dezember, veröffentlichte der Vatikan die traditionelle Botschaft des Heiligen Vaters zum Weltfriedenstag, der seit 46 Jahren an jedem 1. Januar begangen wird. „Selig, die Frieden stiften“ ist das Thema, unter dem Papst Benedikt XVI. der Welt zurief: „Der Friede ist kein Traum, keine Utopie: er ist möglich“. Man möchte meinen, dass ein Text, bei dem es um Menschenrechte, um die Hoffnung auf den Frieden und um das Wesen des Menschseins geht, interessiert, vielleicht sogar (warum nicht?) freudig aufgenommen wird. Erneut erklärt der Papst, was zum Wesen der katholischen Lehre gehört:
„Jede dem Leben zugefügte Verletzung, besonders an dessen Beginn, verursacht unweigerlich irreparable Schäden für die Entwicklung, den Frieden und die Umwelt. Es ist auch nicht recht, auf raffinierte Weise Scheinrechte oder willkürliche Freiheiten zu kodifizieren, die auf einer beschränkten und relativistischen Sicht des Menschen sowie auf dem geschickten Gebrauch von doppeldeutigen, auf die Begünstigung eines angeblichen Rechts auf Abtreibung und Euthanasie abzielenden Begriffen beruhen, letztlich aber das Grundrecht auf Leben bedrohen“.
Nicht zum ersten Mal betonte Benedikt XVI., dass wahrer Friede, der nicht allein in der Abwesenheit von Konflikten besteht, nur auf dem Grund der Anerkennung des natürlichen Sittengesetzes möglich ist, das in das Sein des Menschen eingeschrieben ist. Das Naturrecht ist, wie der Papst einmal betonte, „die Quelle, aus der zusammen mit Grundrechten auch sittliche Gebote entspringen, deren Einhaltung verpflichtend ist“. Wird das natürliche Sittengesetz verletzt, etwa durch jene dem relativen Mainstream entspringende Tendenzen in einer Gesellschaft, so hat dies negative Folgen für den Frieden in dieser Gesellschaft und unter den Gesellschaften. Der Papst stellt fest, dass dies bei der willkürlichen Kodifizierung von angeblichen Rechten und Freiheiten wie einem behaupteten und geschickt umformulierten Recht auf Abtreibung und Euthanasie der Fall ist. Benedikt XVI. verteidigt auf dem Boden des Naturrechts das menschliche Leben gegen Abtreibung und den Betrug der „Eu-thanasie“, die nichts mit einem „guten Tod“ zu tun hat – wessen sich gerade das kollektive Geschichtsbewusstsein des deutschen Volkes immer entsinnen sollte.
Ähnlich destabilisieren Versuche, die natürliche Struktur der Ehe rechtlich mit anderen Formen von Verbindungen gleichzustellen, diese de facto und schädigen deren unersetzliche gesellschaftliche Rolle, denn:
„Auch die natürliche Struktur der Ehe als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau muss anerkannt und gefördert werden gegenüber den Versuchen, sie rechtlich gleichzustellen mit radikal anderen Formen der Verbindung, die in Wirklichkeit die Ehe beschädigen und zu ihrer Destabilisierung beitragen, indem sie ihren besonderen Charakter und ihre unersetzliche gesellschaftliche Rolle verdunkeln“.
Dabei betont Benedikt XVI. – erneut ausgehend vom Begriff des natürlichen Sittengesetzes: „Diese Grundsätze sind keine Glaubenswahrheiten, noch sind sie nur eine Ableitung aus dem Recht auf Religionsfreiheit. Sie sind in die menschliche Natur selbst eingeschrieben, mit der Vernunft erkennbar und so der gesamten Menschheit gemeinsam“.
Somit hat für den Papst der Einsatz der Kirche zu ihrer Förderung „keinen konfessionellen Charakter, sondern ist an alle Menschen gerichtet, unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit. Solch ein Einsatz ist um so nötiger, je mehr diese Grundsätze geleugnet oder falsch verstanden werden, denn das stellt eine Beleidigung der Wahrheit des Menschen dar, eine schwere Verletzung der Gerechtigkeit und des Friedens“.
Der Rest der Botschaft handelt von der Seligpreisung des Friedens, von der Notwendigkeit, das Gut des Friedens durch ein neues Entwicklungs- und Wirtschaftsmodell zu schaffen, von den Menschenrechten und von der Aufgabe der echten Friedensstifter:
„Um authentische Friedensstifter zu werden, ist zweierlei grundlegend: die Beachtung der transzendenten Dimension und das ständige Gespräch mit Gott, dem barmherzigen Vater, durch das man die Erlösung erfleht, die sein eingeborener Sohn uns erworben hat. So kann der Mensch jenen Keim der Trübung und der Verneinung des Friedens besiegen, der die Sünde in all ihren Formen ist: Egoismus und Gewalt, Habgier, Machtstreben und Herrschsucht, Intoleranz, Hass und ungerechte Strukturen“.
Soweit Wort und Mahnung des Papstes. Was aber lesen die Medien und auch mehr oder weniger bedeutende Vertreter des öffentlichen Lebens und der Politik? „Der Papst: Homoehe ist eine Verletzung der Person“ oder „Ehe unter Homosexuellen? Eine Wunde im Leib der Gerechtigkeit und des Friedens“. Weltweit wurde nur von einem geredet – das der Papst aber nicht gesagt hatte. Entfesselte Kommentatoren und wütende Twitterer stürzten sich auf Benedikt XVI., seinen „Krieg“ gegen die Homosexuellen, seine Verletzung der Menschenrechte, bis hin zu einer (kleinen) Demonstration auf dem Petersplatz während des Angelusgebets am dritten Adventssonntag, den 16. Dezember.
Sogar die ansonsten so säkulare britische Zeitung The Guardian hatte es bemerkt, dass da anscheinend jemand ist, der die Aussagen Benedikts XVI. bewusst verdreht: „Ja, der Papst ist katholisch. Aber er sagte nicht, dass die Homoehe die Menschheit bedroht“. Und diese lügenhaften Verdrehungen geschehen nicht zum ersten Mal.
Seit dem „Unfall“ mit der Ansprache an der Universität Regenburg im Jahr 2006 ist es wohl nicht übertrieben, von einem „Regensburg-Syndrom“ bei der Auseinandersetzung mit den Worten Benedikts XVI. zu sprechen. Der Papst sprach damals in einer der wichtigsten Reden des Pontifikats von Glaube und Vernunft und bot eine Geschichte der Entfaltung des Denkens in der Neuzeit. Kern: Das Christentum ist eine Religion des Logos. Was – damals gesteuert von italienischen Medien – „rüberkam", war: der Papst ist gegen den Islam. Der Papst – der neue Kreuzritter. Fanatisierte Jugendliche und alte Frauen verbrannten in Islamabad Bilder eines Mannes, von dem sie bis vor kurzer Zeit nicht wussten, dass es ihn gibt und was er sagt.
Dann entwickelte der Papst während seines Fluges nach Afrika im Jahr 2009 andeutungsweise einen Gedanken zum Gebrauch von Präservativen im Problemfeld der AIDS-Krankheit und redete von verantwortlicher Sexualität. Ein Aufschrei ging durch die Welt, und es fehlte nicht an unqualifizierten Äußerungen – gerade auch im Bereich der Politik –, die den Papst für die Ausbreitung von AIDS verantwortlich machen wollten. Und viele andere ähnlich gelagerte Situationen könnten erwähnt werden, von der Rolle der Medien im Jahr 2008 beim „Williamson-Skandal“ bis hin zum „annus horribilis“ 2010 und der medialen Aufbereitung des Verbrechens des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Mitglieder des Klerus.
Man kommt nicht umhin, sich die Frage zu stellen: Was steckt hinter diesen von Medien gesteuerten irrationalen und gegen die Fakten stehenden Hysterien? Zweifellos kann man sich nur über die Arbeit derjenigen wundern, die mit der vatikanischen Information betraut sind. So gibt es seit sechs Monaten einen „spin doctor“, der an und für sich dafür zuständig wäre, dem Vatikan den „Dreh“ zu zeigen, wie eine Botschaft richtig vermittelt wird. Wenig oder nichts - und wenn, dann zu spät - war von diesem besonderen „Dreh“ gerade im Zuge der Veröffentlichung der Botschaft zum Weltfriedenstag 2013 zu spüren.
Dazu kommt dann ein immer „sprungbereiter Hass“, der darauf aus ist, das Wirken Benedikts XVI. zu verzerren, zu beeinträchtigen. Oder sollte die These der italienischen Journalisten Andrea Tornielli und Paolo Rodari zutreffen? Handelt es sich um einen von verschiedenen Lobbys gesteuerten „Angriff auf Ratzinger“? Was geht in einem Journalisten vor, der die Worte des Papstes verdreht, verfälscht, ins Gegenteil wendet, lügt, damit hausieren geht und Erfolg hat? Unfähigkeit oder böse Absicht? Von allem etwas wahrscheinlich.
Wieder einmal wurde deutlich: ein Reich der Lügen wurde ausgebreitet, indem man etwas kommentierte, das nie gesagt wurde, mit dem Ziel, den Papst und die Kirche zu diskreditieren und ein eingefleischtes antikatholisches Vorurteil voranzubringen. Es bleibt zu hoffen, dass es die ihre Freiheit liebenden Menschen – ob katholisch oder nicht – immer mehr satt bekommen, mit dem dummen Schlamm von Verballhornungen besudelt und so eben ihrer Freiheit und des Rechts auf wirkliche Meinungsbildung beraubt werden.
Die Botschaft des Heiligen Vaters zur Feier des 46. Weltfriedenstags 2013 im Wortlaut
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