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Christentum auf Kaffeekränzchen- und Seelentrösterchen-Niveau?

6. Dezember 2012 in Kommentar, 10 Lesermeinungen
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Gelobt wird, wenn im Gottesdienst die Kirchenmusik stimmt und die Predigt nicht wehtut. Wollen wir in unserer Kultur überhaupt noch ein Christentum, das fähig ist, seinen Finger auf die Wunden unserer Zeit zu legen? Von Petra Lorleberg


Basel (kath.net/pl) „Eine Predigt voller Wärme – ohne sprödes Bibel-Blabla“. Unter diesem Titel berichtete Michael Rockenbach vergangene Woche in der „TagesWoche“ online über einen Gottesdienst der Basler Christkatholiken (so heißen die Altkatholiken in der Schweiz). Der Artikel ist zweifellos wohlmeinend und anerkennend geschrieben. Nachdenklich macht aber das Idealbild des gezähmten und an die Gesellschaft angepassten Christentums.

In der kleinen Gemeinschaft dieser Christkatholiken „kennt man sich“, beschreibt der Beitrag, „ein warmer Händedruck hier, ein paar Küsschen dort. Und so geht es in der Messe weiter – menschlich, auch bei der Predigt“, in der die Gottesdienstbesucher „nicht mit Bibel-Blabla gelangweilt“ würden und „sich erst recht nicht abkanzeln lassen“ müssten. Denn: es „spricht ein Mensch zu ihnen. Einer, der nicht perfekt ist, aber gut sein will, als Christ und als Mensch“. Das Predigtthema war der Apokalypse entnommen, und aus der Predigt war zu lernen, „dass Gott nicht direkt in die Geschichte eingreift, dass er das Böse nicht aufhält.“ „Die Hauptbotschaft dieser mit Bibelzitaten und aktuellen Bezügen angereicherten Predigt“, berichtete Rockenbach, sei gewesen, Gott habe „ein Gegenkonzept geschaffen und lebendig werden lassen: Jesus, der Wahrhafte, der Furcht- und Selbstlose. Ein perfektes Vorbild für uns Menschen, die für ihre vielen Schwächen nur allzu rasch eine Ausrede parat haben.“ Dies habe man zwar alles schon auch mal gehört, „nur nicht unbedingt so freundlich, so überzeugend ehrlich, so interessant auch“.


Was wird durch diese Botschaft, was wird durch den guten Menschen Jesus nun verändert, möchte sich der Leser des Artikels fragen. Die Zuhörer selbst? Nehmen sie den Impuls mit, sich großherziger und egoismusfreier für unsere Gesellschaft zu engagieren? Gibt die Predigtbotschaft die Kraft, gegenwärtige Unbill zu ertragen? Oder spornt eine solche Predigt dazu an, sich in voller menschlicher Freiheit vor das Geheimnis Gottes zu stellen, mit allem, was dies an Wagnissen mit sich bringen kann?

Doch diese Fragen stellten sich im Gottesdienst möglicherweise schon gar nicht mehr. Vielmehr wird beobachtet: „Diese inhaltliche Wärme [der Predigt] scheint sich auf das Kirchenvolk zu übertragen. Hier singen die meisten noch richtig mit, mit voller Stimme. Schön auch die Orgelbegleitung wie überhaupt die ganze Ambiance in dieser Kirche, die in ihrer Ungekünsteltheit schon fast protestantisch wirkt“, was im protestantisch geprägten Basel als Lob zu verstehen ist.

Nicht protestantisch wirke die „Zeremonie“, so Rockenbach, womit er wohl die Liturgie meinte. Sie sei „weder spröde, noch verkopft (wie zum Teil bei den Protestanten), gleichzeitig aber auch überhaupt nicht weihrauchgetränkt und überladen (wie zum Teil bei den Katholiken)“.

Der Artikel gibt Anlass, einmal ganz unbefangen zu fragen: Wie stellen sich Teile unserer Gesellschaft eigentlich gelingendes Christentum vor? Soll das Christentum auf einem Kaffeekränzchen- und Seelentrösterchen-Niveau vor sich hinvegetieren?

Wollen wir in unserer Kultur überhaupt noch ein Christentum mit Biss und Verantwortungsbereitschaft? Ein Christentum, das fähig ist, seinen Finger auf die Wunden unserer Zeit zu legen, und das menschenverändernde Kraft hat?


Foto Petra Lorleberg (c) Paul Badde


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