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Warten wir wirklich und sind wir bereit?

15. November 2012 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Der Messias ist bei seinem ersten Kommen total anders gekommen, wie es sich die Menschen vorstellten. Wird es bei der Wiederkunft Christi auch so sein? Ein Kommentar zum Sonntagsevangelium von P. Bernhard Sirch


Illschwang (kath.net) B - 33. So.i.Jk.: Fest der „Wiederkunft des Herrn“. 1. Ls.: Dan 12, 1-3,
2. Ls.: Hebr. 10, 11-14.18; Ev.: Mk 13, 24-32

Wir stehen wieder am Ende eines Kirchenjahres. Es ist eine Zeit des Innehaltens und der Besinnung. Sind wir nur ein Jahr älter geworden und haben eine große Arbeitslast bewältigt? Was bleibt übrig von unserer Arbeit, wenn alles Sichtbare zerstört wird? Die vielen Meldungen in den Medien über Zerstörungen der Lebensgrundlagen von Menschen, die sich mühevoll ein Zuhause aufgebaut haben, lassen uns nachdenklich werden. Kriege und Naturkatastrophen stürzen die Menschen in Verzweiflung. In der heutigen ersten Lesung ist die Rede von einer "Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt" (Dan 12,1). Christus beschreibt ebenfalls die Endzeit im Evangelium: "Nach der großen Not, wird sich die Sonne verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden" (Mk 13, 24.25). Die Erdbeben lassen erahnen, welche Kräfte im Innern der Erde verborgen sind. "Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles eintrifft. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen" (Mk 13,30.31).

Den Jüngern, die nicht ansehen wollen, dass Christus leiden muss, sagt Jesus: "Wie würde dann aber die Schrift erfüllt, nach der es so geschehen muss?" (Mt 26, 54). Manche Menschen erleben bereits jetzt, dass sich in ihrem Leben "die Sonne verfinstert" und dass die "Sterne vom Himmel" fallen und sie vor den Scherben des eigenen Glückes durch eigenes oder fremdes Verschulden stehen.

In der Endzeit, wo die Sonne verfinstert ist und selbst der Mond nicht mehr scheint: "Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken kommen sehen" (Mk 13,26). Es ist ein Geheimnis, dass Menschen schon jetzt in einer Zeit der tiefen Not, in Ölbergstunden, die Verheißung haben: Christus wird in Herrlichkeit wiederkommen. "Jesus Christus wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels" (Mk 13, 27). Das Buch Daniel drückt es so aus: "Doch dein Volk wird in jener Zeit gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist. Die Verständigen werden strahlen, wie der Himmel strahlt; und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, werden immer und ewig wie die Sterne leuchten" (Dan 12,1.3).


"Denn durch ein einziges Opfer hat Jesus Christus die, die geheiligt werden, für immer zu Vollendung geführt" (Hebr 10, 14). Es gibt jedoch nicht nur Auserwählte: "Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu" (Dan 12,2).

Das Leben der ersten Christen war erfüllt von der Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn. Nach der Wandlung bei der hl. Messe beten wir: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit". Um diese Hoffnung in uns lebendig zu halten, verkünden wir immer wieder den Tod des Herrn und preisen seine Auferstehung. Es ist eine ständige Wachsamkeit geboten, denn "jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater" (Mk 13,32). Wir müssen in ständiger Bereitschaft leben. Diese Haltung birgt eine gewisse Unruhe in sich.

Wir können uns fragen, entspricht die in der Heiligen Schrift geschilderte Wiederkunft Christi unseren Vorstellungen? Es besteht die Gefahr, wie das Volk Israel die 1. Ankunft nicht wahrnahm, dass auch wir für die Wiederkunft Christi blind sind. Der Messias ist bei seinem ersten Kommen total anders gekommen, wie es sich die Menschen vorstellten. Wird es bei der Wiederkunft Christi auch so sein? Warten wir wirklich und sind wir bereit?

Der 33. Sonntag im Jahreskreis ist gleichsam das Fest „Wiederkunft des Herrn“. Dieses Fest muss es geben, um auf dieses Ereignis, auf die Wiederkunft Christi, genügend hinzuweisen. Nach dem Vaterunser beten wir: „Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen und bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten“.

Das Christkönigsfest am nächsten Sonntag ist eine Fortführung der Texte des heutigen Sonntags: "Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn... Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben" (1. Lesung: Dan 7,13.14). Deutlich wird aber auch: "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt" (Evangelium: Joh 18,36).

Die darauf folgende Adventszeit soll in uns das Warten auf den Herrn ins Herz schreiben und verlebendigen. Für unseren Alltag als Christen kann unser Herz das heutige Tagesgebet sprechen: "Gott, du Urheber alles Guten, du bist unser Herr. Lass uns begreifen, dass wir frei werden, wenn wir uns deinem Willen unterwerfen, und dass wir die vollkommene Freude finden, wenn wir in deinem Dienst treu bleiben".

Wir dürfen uns nicht von der gegenwärtigen Lage in Verwirrung bringen lassen, sondern wir müssen ausharren, dass wir zur wahren Freiheit gelangen, "wenn wir uns deinem Willen unterwerfen, und dass wir die vollkommene Freude finden, wenn wir in deinem Dienst treu bleiben".

Wir haben einen Hinweis, dass wir zur wahren Freiheit gelangen, "wenn wir uns deinem Willen unterwerfen".

So lehrt uns Christus im Vaterunser beten: "dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden". Der Wille Gott-Vaters soll nicht nur hier auf Erden geschehen, sondern auch im Himmel, wo wir ja gar keinen Einblick haben. Gewiss, der "Himmel" ist unser Ziel. Schauen wir auf Jesus, er musste sich, wenn wir auf das Geschehen auf Golgota schauen, auch "dem Willen Gottes unterwerfen". Christus betete im Garten von Getsemani: "Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst" (Mk 14, 32-40). Auch Maria sprach zum Engel, als sie nicht wusste, wie sich die Botschaft des Engels verwirklichen sollte: "Es geschehe Dein Wille".

Der Vers: "dein Wille geschehe" soll in unserem Beten die absolute Priorität haben. All unseren Bitten bei Gott muss die Bitte "dein Wille geschehe" vorangestellt werden. Bisweilen fordert Gott von uns eine Haltung, wo wir mit Jesus bitten: "Nimm diesen Kelch von mir". Das Ertragen von körperlichen Schmerzen kann bisweilen unerträglich werden. Jesus hat im Wissen um seinen Weg nach Golgatha aus Angst sogar Blut geschwitzt. Wir wissen, dass sich beim Menschen aus Angst Schweiß bilden kann, bei übergroßer Angst sogar Blut. Sein Leiden vor Augen bat Jesus seinen Vater: "Nimm diesen Kelch von mir". Es gibt immer wieder Christen, z.B. Pater Pio oder die Resl von Konnersreuth, die mit Jesus sein Leiden in einer Stigmatisation erdulden müssen. Es gibt auch eine geistige Stigmatisation durch Verdemütigungen, durch das Durchleben einer aussichts-losen Lage. Ohne einen seelischen Schaden zu nehmen, kann ein Mensch diese Lage nur im Blick auf Christus durchleben. Es ist eine besondere Prüfung, die ein Jünger des Herrn durchstehen muss, selbst wenn er das immerwährende Gebet im Herzen hat, bei dem die Verheißung gilt: "Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?" (Lk 18,7).

Wir beten im heutigen Tagesgebet weiter:
"dass wir die vollkommene Freude finden,
wenn wir in deinem Dienst treu bleiben".

Wer im zwischenmenschlichen Bereich fähig ist zu sprechen: “Dein Wille geschehe", der lernt auch hinzuhören, sich in die Lage des anderen einzufühlen, so dass sich der andere verstanden weiß; er lernt vor allem: auf Gott hinzuhören.

Wollen wir nicht — bisweilen wie kleine Kinder - mit innerer Gewalttätigkeit und Geschrei unseren Willen durchsetzen? Wenn wir beten: »Dein Wille geschehe", müssten wir sogar generell unser Wollen, unser ganzes Streben nach Besitz und Macht neu überdenken. Wird angesichts des neuen Reiches, das Christus uns verkündet und vorgelebt hat, unser Wollen nicht lächerlich?

Gott gibt uns für unser Leben seine Gebote, die wir nicht so sehr als "Verbote" sondern als Hilfen für ein glückliches, menschliches Leben schon hier auf Erden sehen sollten. Unser falsch verstandener Freiheitsbegriff und die Verherrlichung der menschlichen Freiheit verstellen uns den Blick auf Güter außerhalb unserer Ich-Beschränktheit; er hindert uns daran, auf das Glück eines anderen Menschen einzugehen.

Freiheit bedeutet aber nicht nur dass ich

a) machen kann, was ich will als läge das Ziel des Menschen nur bei sich selber, sondern auch
b) dass ich nicht alles machen muss, was ich kann bzw. wozu ich die Möglichkeit habe.

Der Mensch ist nicht frei, wenn er z.B. unbedingt rauchen muss, wenn er nur immer sein Glück vor Augen hat, das er mit allen Mitteln zu erreichen sucht. Der Mensch muss auch verzichten können, ohne eine schlechte Laune zu bekommen; nur dann steht er über der Sache und ist tatsächlich frei.

Nicht die Verwirklichung des eigenen Willens, sondern die Verwirklichung des Willens anderer, das Wohl der Gemeinschaft, das sich im Willen Gottes und der Mitmenschen, besonders des Ehepartners kundtut, bringen dem Menschen das Glück. Die Aussagen "Dein Wille geschehe" im Vaterunser und die Weisungen Gottes in den Geboten zielen darauf, dass jeder Frieden und Geborgenheit findet im Wissen um das neue Reich, das wir alle erwarten.
"Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit" (1 Joh 2,17).

www.pater-bernhard.de


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Lesermeinungen

  15. November 2012 
 

Wachsam die Wiederkunft des Herrn erwarten :-)

Einfach super wie immer Danke:-)

Gott segne Sie lieber
Pater Bernhard Sirch:-)


0
 

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