13 November 2012, 11:00
Die katholische Kirche und die Kulturkämpfe
 
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Der Mut eines alternativen Denkens - Von Lucetta Scaraffia / Os

Vatikanstadt (kath.net/OsservatoreRomano/) In Spanien wurde das Gesetz bestätigt, das die Ehe zwischen Homosexuellen erlaubt; in Frankreich hat der Ministerrat die gleichgeschlechtliche Ehe und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare gebilligt. Dieselbe Möglichkeit gibt es in Maryland und Maine. Man könnte sagen, daß die Kirche zumindest auf diesem Gebiet zur Niederlage verurteilt ist.

Aber dem ist nicht so. Während in Spanien die Kirche im Augenblick der Entscheidung energisch Einspruch erhoben hat, allerdings ohne Resultate, sieht heute die Situation ganz anders aus in den Ländern, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe kürzlich gesetzliche Anerkennung erlangt hat oder dabei ist, dies zu erreichen. In der öffentlichen Diskussion bahnen sich gegenteilige Meinungen einen Weg, auch bei Journalisten und Intellektuellen, die der Kirche nicht nahe stehen. Und vielleicht war die Bemühung der Katholiken nicht nutzlos, wenn sie diesen Widerspruch mit ausgelöst haben, indem sie über die Situation nachgedacht und ihre Argumentation verfeinert haben.

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Beispielhaft ist hier der Fall Großbritanniens, wo die katholischen Adoptionsagenturen einen langen und harten Kampf vor Gericht ausgefochten haben, um ihr Recht anerkannt zu sehen, homosexuellen Paaren keine Adoption zu gewähren. Nachdem sie verloren hatten, haben sie lieber geschlossen, als sich diesem Zwang zu unterwerfen, was Polemik, aber auch Bewunderung ausgelöst hat, wie dies immer geschieht bei denen, die für die Freiheit kämpfen. Und ihr Kampf hat allen klargemacht, daß es sich nicht um Fortschritt handelt, sondern vielmehr um einen Konflikt, der in diesen Fällen die Niederlage einer der konstitutiven Freiheiten des modernen Staates erlebt, nämlich der Religionsfreiheit.

Eine Situation, die auch von der Kirche in den Vereinigten Staaten hervorgehoben wurde, als Obamas Reform des Gesundheitswesens die katholischen Institutionen gezwungen hat, Versicherungsschutz bei Empfängnisverhütung und Abtreibung zu gewähren. Die Religionsfreiheit in einem Land einzuschränken, das gerade von Siedlern gegründet wurde, die sich dorthin geflüchtet haben, um ihren Glauben frei praktizieren zu können, ist in der Tat ein gefährlicher Widerspruch.

Die Katholiken spielen daher heute eine wichtige Rolle als Wächter der Religions- und Gedankenfreiheit. Denn sie sind die einzigen, die den Mut und die Kraft haben, sich einer Ideologie zu widersetzen, die auf politische Korrektheit gegründet ist und in alle Kulturen der Welt eindringt, auch dank der Unterstützung, die sie von den Vereinten Nationen erhält. Ende Oktober wurde die katholische Kirche in einer beratenden Sitzung der UN Women [UN Frauen] beschuldigt, die Befreiung der Frauen aufzuhalten, die für viele Verantwortliche der Vereinten Nationen mit dem »Recht auf reproduktive Gesundheit« identisch ist oder, um es deutlicher zu sagen, mit dem Recht auf Abtreibung. Eine gefährliche Verflachung des Feminismus, eine Reduzierung der Frau auf ihren Körper und ihr biologisches Schicksal, und dazu eine Sünde gegen das Leben.

Die Kirche ist die einzige Institution, die darauf aufmerksam macht, daß – während es unzweifelhaft unrecht ist, Homosexuelle zu verfolgen – der Widerspruch gegen die Ehe zwischen Personen gleichen Geschlechts keine beleidigende Geste ist, sondern ein Standpunkt, der respektiert werden muß. Und das gilt genauso für die Ablehnung der Abtreibung. Es handelt sich nicht um einen Angriff auf die Menschenrechte, sondern um die Verteidigung einer sozialen Struktur – der heterosexuellen Familie –, die bis heute die Grundlage aller menschlichen Gesellschaften war.

Die Kirche erweist sich so als der einzige kritische Blick auf die Moderne, der einzige »Aufhalter«– das katèchon aus dem Zweiten Brief an die Thessalonicher – des Auseinanderfallens der anthropologischen Struktur, auf die sich die menschliche Gesellschaft gegründet hat. Das heißt als die einzige Institution, die den Mut hat, der Wahrheit treu zu bleiben und die sich weigert mit dem Schleier der Ideologie eine eindeutige natürliche Wirklichkeit zu verdunkeln, denn ihre Größe liegt in der Weigerung, die Menschen in die Irre zu führen.

In Frankreich ist die Debatte eröffnet, und es ist nicht allein die Kirche, die Zweifel und Widerspruch angesichts des vom Ministerrat gebilligten Gesetzes äußert. Das haben neben den Politikern aller Richtung ganz offen auch Philosophen, Psychoanalytiker und Juristen getan: vor der Verwirklichung dieser anthropologischen Revolution, deren Konsequenzen nicht absehbar sind, sollten wir noch nachdenken, diskutieren.

Und jetzt erscheint die Kirche nicht mehr in der Gestalt der Gegnerin der Moderne – auf die viele sie festlegen wollen –, sondern als Verteidigerin des Menschlichen und in der Lage, die Menschen vor falschen Entscheidungen zu warnen. Denn der christliche Glaube ist Fleisch geworden in der Geschichte, und an der Geschichte hat er Anteil in der Form einer beständigen Beurteilung der Welt.

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