12 November 2012, 11:30
'Obama'-Jubel und fragwürdige Thesen des Theologen Kurt Remele
 
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Der Theologieprofessor der Universität Graz hält die Wiederwahl Obamas für eine ‚Niederlage der Bischöfe’ und behauptet, dass die klare Ablehnung von Abtreibung und Homo-Ehe eine ‚Engführung’ sei. Ein Kommentar von Johannes Graf

Wien (kath.net/KAP/jg)
Die Wiederwahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA sei auch eine „Niederlage der Bischöfe“, behauptet der Grazer Theologieprofessor Kurt Remele. Er wirft ihnen eine „Engführung“ der Lehre vor, die behaupte, katholisch bedeute vor allem, Abtreibung und Homo-Ehe abzulehnen.

Als Beispiel führt der Theologe Bischof David Ricken an, der der Diözese von Green Bay in Wisconsin vorsteht. Ricken hat in einem Hirtenbrief unter anderem Abtreibung und die Homo-Ehe als „intrinsisch schlecht“ bezeichnet, und die Gläubigen aufgefordert, keinen Kandidaten zu wählen, der diese Anliegen unterstützt. Diese Linie hätten auch andere Bischöfe vertreten, sagt Remele. Sie habe der Politik der Republikaner und ihres Kandidaten Mitt Romney entsprochen.

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Da es bei den angesprochenen Themen um in sich schlechte Handlungen geht, kann kein Katholik guten Gewissens einen Kandidaten wählen, der diese unterstützt. Es gibt Dinge, die nicht verhandelbar sind. Dazu gehören Abtreibung und Homo-Ehe, wie ein Leitfaden für katholische Wähler bekräftigt. Wer das herausstreicht, macht sich keiner „Engführung“ schuldig, sondern sagt nur, welche Mindeststandards ein Kandidat erfüllen muss, um für einen Katholiken wählbar zu sein. Das ist keine Sonderlehre der amerikanischen Bischöfe, das verlangt auch die Lehrmäßige Note der Glaubenskongregation zum Einsatz und dem Verhalten der Katholiken im politischen Leben.

Wenn Remele, wie er behauptet, über die Wiederwahl Obamas erfreut ist, muss er sich die Frage gefallen lassen, wie er es als katholischer Theologe damit hält.

Remele versucht, seine Position dadurch akzeptabler zu machen, indem er darauf verweist, auch Obama sei gegen Abtreibung. Er halte nur das Strafrecht nicht für das geeignete Mittel zur Reduktion von Abtreibungen. Obama hat sich tatsächlich dazu bekannt, die Zahl der vorgeburtlichen Kindstötungen durch bessere Aufklärung und Sozialhilfe sowie Adoptionsmöglichkeiten verringern zu wollen. Gleichzeitig hält er aber daran fest, dass jede Frau die Möglichkeit haben solle, ihr Kind legal abtreiben zu lassen. Hier ist die Lehre der Kirche eindeutig. Obamas Position ist damit nicht vereinbar. Bei der Abtreibung handelt es sich um „ein abscheuliches Verbrechen“ (Gaudium et spes 51). Sie ist eine jener Materien, „die keine Abweichungen, Ausnahmen oder Kompromisse irgendwelcher Art zulassen“, da hier „der Kern der moralischen Ordnung auf dem Spiel steht, der das Gesamtwohl der Person betrifft“ (Lehrmäßige Note zum Einsatz und dem Verhalten der Katholiken im politischen Leben, Nr. 4). Analog ist übrigens der Schutz und die Förderung der Familie zu sehen, „die auf der monogamen Ehe zwischen Personen verschiedenen Geschlechts gründet“ (ebd.) Als Professor für Ethik und katholische Soziallehre sollte Remele diese Position nicht fremd sein.

Die Gläubigen der USA würden den Bischöfen in der von ihm kritisierten politischen Linie nicht folgen, behauptet er. Die Mehrheit der Katholiken hätte Obama gewählt. Bei genauerer Analyse stellt sich heraus, dass die praktizierenden Katholiken, also jene die ein- oder mehrmals pro Woche einen Gottesdienst besuchen, mit deutlicher Mehrheit Romney gewählt haben. Siehe dazu diese Analyse auf kath.net.

Das von Obama durchgesetzte Krankenversicherungssystem hält Remele für einen großen Erfolg. Das obwohl eine Verordnung der Gesundheitsministerin von allen Arbeitgebern verlangt, ihren Angestellten über die Versicherung Zugang zu Verhütung, die abtreibende „Pille danach“ und Sterilisation zu gewähren. Das wurde nicht nur von den US-Bischöfen, sondern auch vom Vatikan kritisiert.

Remele traut Obama in seiner zweiten Amtszeit weitere „Erfolge“ zu, da dieser nun nicht mehr auf seine Wiederwahl Rücksicht nehmen müsse. Man darf gespannt sein. Ein Theologieprofessor, der sich über die Erfolge Obamas freut und Bischöfe kritisiert, die die Lehre der Kirche vertreten, müsste sich fragen, ob er an einer katholischen Fakultät an der richtigen Stelle ist.

Link zum Dokument der Glaubenskongregation:
Lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben







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