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Wien: Symposion zeigt religiöse Dimension im Werk Peter Handkes

6. November 2012 in Österreich, 1 Lesermeinung
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Theologen veranstalten interdisziplinäre Tagung in Wien - Dogmatiker Tück: Literaturwissenschaft oft "blind" für religiöse Bezugnahmen


Wien (kath.net/KAP) Die von der Literaturwissenschaft oft "sträflich vernachlässigte" religiöse Dimension im Werk des österreichischen Schriftstellers Peter Handke steht im Mittelpunkt eines zweitägigen Symposions am Donnerstag und Freitag im Wiener Schottenstift. Veranstalter sind die Wiener Theologen Jan-Heiner Tück und Andreas Bieringer, die auch selbst Vorträge vor allem über die vielfältigen Bezugnahmen Handkes zur Liturgie halten. Den Festvortrag am Donnerstagabend hält der kulturversierte Grazer Bischof Egon Kapellari (19.30 Uhr), zu Wort kommen aber auch renommierte Germanisten wie Prof. Hans Höller (Salzburg) und der im Rom lehrende Benediktiner Elmar Salmann.

Den Titel der Tagung "Verwandeln allein durch Erzählen" verdeutlichte der Wiener Dogmatikprofessor Tück gegenüber "Kathpress" mit einem vielsagenden Handke-Zitat aus einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" (2010): "Wenn jemand nur sagt, er sei religiös, geht mir das auf die Nerven. Wenn er nicht erzählt, was das ist. Das Erzählen ist das Entscheidende. Wenn ich an der heiligen Messe teilnehme, ist das für mich ein Reinigungsmoment sondergleichen. Wenn ich die Worte der Heiligen Schrift höre, die Lesung, die Apostelbriefe, die Evangelien, die Wandlung miterlebe, die Kommunion und den Segen am Schluss 'Gehet hin in Frieden!', dann denke ich, dass ich an den Gottesdienst glaube. Ich weiß nicht, ob ich an Gott glaube, aber an den Gottesdienst glaube ich."


Tück bedauerte, dass die Literaturwissenschaft, aber auch das Feuilleton oft "blind" für das Religiöse nicht nur im Werk des literarischen "Jahresregenten" - Handke wird am 6. Dezember 70 Jahre alt - seien. Allerdings habe auch die Theologie oft wenig Achtsamkeit dafür, was Schriftsteller an religiös relevanten "Zeichen der Zeit" zur Sprache bringen. Peter Handke sei zweifellos einer jener Autoren, der immer wieder produktiv an die Sinnpotenziale von Religion anknüpfe. Diese habe sich gerade in ihren Riten häufig als "säkularisierungsresistent" (Habermas) erwiesen, meinte der Wiener Dogmatikprofessor.

Handkes Werk weise zwar viele für die Gegenwartsliteratur typische Züge von "Gebrochenheit" auf und dürfe nicht "theologisch vereinnahmt" werden. Aber, so Tück, es sei auch offenkundig, dass der in Frankreich lebende Autor immer wieder auf Motive der Eucharistie und der Bibel eingehe sowie in seinen Erzählungen und Journalen mehrfach Besuche in Kirchen oder Gottesdiensten schildere. In seinem Buch "Die Lehre der Sainte-Victoire" (1980) etwa bezeichnete Handke die eucharistische Wandlung als das "Allerwirklichste". Tück vermutet, dass Handke selbst eine theologische "Ausweitung" des wissenschaftlichen Blicks auf sein Schaffen schätze.

Das Symposion im Prälatensaal des Wiener Schottenstifts (Freyung 6, 1010 Wien) beginnt am Donnerstag um 10 Uhr, bis Freitagabend stehen nicht weniger als elf Vorträge und eine abschließende Podiumsdiskussion auf dem Programm.

Copyright 2012 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten.

Foto Plakakt der Veranstaltung: (c) Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien


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