
Frankfurt (kath.net/KNA) Der iranische Reform-Theologe Abdolkarim Soroush (Foto) warnt vor einem Sieg des politischen Islam in den Ländern des «Arabischen Frühlings». «Das ist eine berechtigte Sorge», sagte er der «Frankfurter Rundschau» (Mittwoch). Er sei sehr froh, dass sich dort der «Ruf der Jugend nach Bürgerrechten» erstmals Bahn gebrochen habe. Wichtig sei nun aber eine starke Justiz zum Schutz der Gesetzgebung und zur Kontrolle der Legislative. Das islamische Recht, die Scharia, eigne sich dazu nicht, da sie einseitig auf die Pflichten des Menschen ausgerichtet sei. «In den islamischen Ländern aber wird der Gedanke der individuellen Rechte geradezu bekämpft», so Soroush.
Die Demokratie könne durchaus auf der Basis des Islam funktionieren. «Gewaltenteilung, Machtbegrenzung, freie Wahlen - all das ist völlig vereinbar mit dem Islam», sagte Soroush. Nötig sei dafür aber eine zeitgemäße Interpretation des Koran. Die Idee, durch eine wörtliche Auslegung zu den vermeintlichen Ursprüngen der Religion zu gelangen, sei «immer eine ganz schlechte». Islamische Fundamentalisten vermischten dabei stets eigene Ideen mit dem Text des Koran und ignorierten 1.400 Jahre historische Entwicklung mit neuen religiösen Erfahrungen und Deutungen.
Abdolkarim Soroush, geboren 1945, gehört zu den führenden Reform-Denkern des Islam und wird gelegentlich als der «iranische Luther» bezeichnet. Vom prominentesten intellektuellen Unterstützer der «iranischen Revolution» unter Ajatollah Khomeini wandelte er sich zu einem scharfen Regimekritiker. Derzeit ist er Fellow am neuen «Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research» in Duisburg, das am Dienstag mit einem Festakt eröffnet wurde.
(C) 2012 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
Tweet
Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben



Tippfehler melden
Druckversion



Anderswo...
Top Artikel der letzten 7 Tage

