
Hamburg (kath.net/peh) Erzbischof Werner Thissen (Foto) hat dazu aufgerufen, Zeichen von Judenhass in der Gesellschaft nicht einfach hinzunehmen. Auch heute bestehe «bei manchen Gruppen ein zumindest latenter Antisemitismus», sagte er am Montagabend in Kiel. «An die Polizeiposten und Schranken, die Sicherheitskameras und hohen Zäune um jüdische Einrichtungen herum dürfen wir uns nicht gewöhnen.» Die Sicherheitsvorkehrungen seien Ausdruck dafür, dass der Alltag in den jüdischen Familien und Gemeinden in Deutschland auch heute nicht frei von Anfeindungen sei. «Wir müssen diese Wunden benennen. Denn nur dann können sie bewältigt werden», unterstrich Thissen.
Er äußerte sich bei der Eröffnung der Fotodokumentation «Juden in Deutschland heute» von Edward Serotta in der katholischen Propsteikirche St. Nikolaus, in der katholischen City-Pastoral «Kirchen-Kai» und in der evangelischen Kirche St. Nikolai.
Thissen zeigte sich erfreut darüber, dass die jüdischen Gemeinden in Deutschland wachsen. Auch außerhalb der großen Städte werde jüdisches Leben erfahrbar. Davon zeugten etwa das 10-jährige Bestehen der jüdischen Gemeinde Bad Segeberg und die am Sonntag eingeweihte Synagoge in Elmshorn. Dies seien wertvolle Bereicherungen sowie ein Geschenk für den christlich-jüdischen Dialog. Dieser werde durch die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit wachgehalten, die 2012 in Schleswig-Holstein 50-jähriges Bestehen feiert.
Zugleich rief Thissen dazu auf, sich der Vergangenheit zu stellen. Er erinnerte an «Diskriminierung, Hass und Gewalt über viele Jahrhunderte hinweg und aus allen Teilen der Gesellschaft» zwischen 1933 bis 1945. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe vor 50 Jahren festgestellt, dass die Juden «unsere älteren Brüder» seien. «Das gilt für uns Christen ohne Abstriche», betonte Thissen.
Foto Erzbischof Thissen während seiner Rede: (c) Erzbistum Hamburg
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