31 Oktober 2012, 12:01
Papst: Der Glaube ist kein Ergebnis meiner Überlegungen
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Generalaudienz'
Benedikt XVI.: Die Kirche ist die Mutter aller Glaubenden. ‚Niemand kann Gott zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat’. Die Tradition garantiert den Glauben des Ursprungs. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Bei der heutigen 36. Generalaudienz des Jahres 2012 (der 333. seit Beginn des Pontifikats), die aufgrund der großen Zahl von Pilgern trotz Regen und Kälte auf dem Petersplatz stattfand, setzte Papst Benedikt XVI. seine Katechesenreihe zum Glauben – Geschenk Gottes und Antwort des Menschen – fort. Dabei ging der Papst von den Fragen aus, ob der Glaube nur etwas Persönliches und Individuelles ist und ihn der Christ allein lebt.

Ein Akt des Glaubens, der Richtungsänderung und Umkehr im Leben des Menschen zum Ausdruck bringe, „ist sicher etwas sehr Persönliches“, so Benedikt XVI. Doch der Glaube, der in der Taufliturgie mit den Worten „Ich glaube“ bekannt werde, „ist nicht das Ergebnis eigener Überlegungen. Ich kann meinen Glauben nicht auf das private Gespräch mit dem Herrn reduzieren, sondern: Ich glaube in und mit der Kirche, der Glaube führt mich in die Gemeinschaft hinein“. Die heute verbreitete Tendenz, den Glauben in die Privatsphäre zu verweisen, widerspreche seinem Wesen.

Werbung
romwallf


Der Glaube könne nur dann wirklich persönlich werden, wenn er zugleich gemeinschaftlich ist: „Nur wenn wir im Wir der Kirche glauben, wird er auch so recht mein Glaube“. In diesem Zusammenhang zitierte der Papst den Katechismus der Katholischen Kirche, wo es heißt: „‚Glauben’ ist ein kirchlicher Akt. Der Glaube der Kirche geht unserem Glauben voraus, zeugt, trägt und nährt ihn. Die Kirche ist die Mutter aller Glaubenden. ‚Niemand kann Gott zum Vater haben, der die Kirche nicht zur Mutter hat’ (Cyprian, unit. eccl.)“ (KKK, 181).

So „beginnt der Glaube in der Kirche, er führt sie und lebt in ihr“. Die Kirche sei dabei auch der Ort seiner Weitergabe: „Es gibt ein ununterbrochenes Band des kirchlichen Lebens, der Verkündigung des Wortes Gottes und der Feier der Sakramente, das von den Aposteln bis zu uns reicht und das wir ‚Tradition’ nennen“, so Benedikt XVI. weiter. Die Tradition sei daher die Garantie, „dass wir wirklich den Glauben des Ursprungs, den Glauben der Apostel glauben, so wie sie ihn vom Herrn selbst empfangen haben und so in dieser großen Gemeinschaft stehen, die Himmel und Erde und alle Orte und Zeiten umfasst, und damit wirklich Gott anrühren dürfen im Glauben“. Der Glaube „ist eine theologale Tugend, von Gott geschenkt, doch weitergegeben von der Kirche entlang ihrer Geschichte“.

Der Mensch bedürfe der Kirche, um seinen Glauben bestätigt zu sehen und die Erfahrung der Geschenke Gottes zu machen: seines Wortes, der Sakramente, der Unterstützung durch die Gnade und des Zeugnisses des Liebe. In einer Welt, in der „der Individualismus die Beziehungen unter den Menschen zu regeln scheint und sie immer zerbrechlicher macht“, rufe der Glaube dazu auf, Kirche zu sein, „Überbringer der Liebe und der Gemeinschaft Gottes für das ganze Menschengeschlecht“.

Benedikt XVI. betonte, dass die Gemeinschaft der Gläubigen keine rein soziologische Größe sei, „sondern in der ewigen Liebe Gottes wurzelt“. So sei der Glaube Frucht einer Beziehung, eines Dialogs mit Christus, „der mich aus meiner Verschlossenheit in mich selbst herausgehen lässt, um mich für die Liebe des Vaters zu öffnen“.

In dieser Perspektive sei der christliche Glaube wie eine „neue Geburt, in der ich mich nicht nur mit Jesus vereint entdecke, sondern mit all jenen, die denselben Weg gegangen sind und gehen“. Wie das II. Vatikanische Konzil lehre, sei die Kirche ein „Volk“, ein „katholisches Volk“, „das neue Sprachen spricht, universal offen ist für die Aufnahme aller, jenseits aller Grenzen, indem es alle Schranken abbricht“.


Die Pilger und Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Heilige Vater mit den folgenden Worten:

Mit Freude begrüße ich alle deutschsprachigen Pilger und Besucher. Unsere Welt ist oft vom Individualismus bestimmt, der uns in uns selbst einhaust. Gerade so ist es um so wichtiger, daß der Glaube uns auftut für den anderen, füreinander, von Gott her uns zueinander bringt und öffnet. Bitten wir Gott, daß er uns hilft, immer mehr in und mit der Kirche zu glauben und so selbst Kirche lebendig zu gestalten. Wir haben am Anfang schon die Bläser gehört. Wenn sie uns noch ein kleines Stück geben wollen, freuen wir uns alle.


kathTube: Audienz als Video








Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Oberster römischer Exorzist: Papst hat einen Exorzismus vollzogen (64)

Der Exorzismus des Papstes (51)

Sexueller Missbrauch: Wie pädophilenfreundlich waren die Grünen? (42)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Qui tacet, consentire videtur? (32)

Streit über Meisners Kritik an deutscher Familienpolitik (29)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (29)

Kardinal Meisner: Der neue Papst ist kein Reformer (26)

'Christ & Welt', (k)ein Adelsexperte und kein 1. April-Scherz (23)

Direktor der Vatikanischen Museen kritisiert modernen Kirchenbau (20)