29 Oktober 2012, 11:30
Ägypten: Droht eine islamische Diktatur?
 
Legionaere
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Ägypten'
Befindet sich Ägypten auf dem Weg in eine islamische Diktatur? Über eine zunehmende Islamisierung des Landes unter dem seit vier Monaten amtierenden Präsidenten Mohammed Mursi (Foto) berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Hamburg/Kairo (kath.net/idea) Befindet sich Ägypten auf dem Weg in eine islamische Diktatur? Über eine zunehmende Islamisierung des Landes unter dem seit vier Monaten amtierenden Präsidenten Mohammed Mursi berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Hamburg) in seiner am 29. Oktober erschienen Ausgabe.

Werbung
Messstipendien


Islamisten versuchten, dem Land eine religiöse Verfassung aufzudrücken. Ein vom Parlament einberufener Verfassungsrat mache sich dafür stark, dass die „Regeln der Scharia“ – des islamischen Rechtssystems – Grundlage der Gesetzgebung werden. Beherrscht werde das Gremium von Muslimbrüdern und radikal-islamischen Salafisten. Säkulare Kräfte und Christen hätten das Gremium unter Protest verlassen. „Mit solchen Gesetzen landen wir im Mittelalter, damit schaffen wir den zivilen Staat ab“, zitiert das Magazin den Anwalt Ahmed al-Burai.

Dem Bericht zufolge kommt es in Teilen des Landes zu Übergriffen durch radikale Muslime. So habe eine Lehrerin in der oberägyptischen Provinz vor kurzem zwei zwölfjährigen Schülerinnen im Unterricht die Haare abgeschnitten. Sie hätten sich geweigert, Kopftücher zu tragen. Die Lehrerin sei nach Protesten versetzt worden. In einem weiteren Fall habe sich ein Christ in einem Vorort von Kairo ein Bier bestellen wollen. Daraufhin sei der Kellner handgreiflich geworden. Der Konsum von Alkohol solle, so heißt es, künftig massiv eingeschränkt werden: „Auch Vertreter der christlichen Minderheit dürften das zu spüren bekommen.“

Tausende Christen wollen ausreisen

Besonders in Oberägypten und in Alexandria, wo es bereits unter dem früheren Machthaber Husni Mubarak religiöse Spannungen gab, sollen Tausende Christen Visa-Anträge für die USA und europäische Länder gestellt haben, so der Bericht.

Im Blick auf den Präsidenten Mursi heißt es, er tue wenig, seine Kritiker einzubinden. Er hatte zu Beginn seiner Präsidentschaft angekündigt, Vertreter der koptisch-christlichen Minderheit in hohe Regierungsämter zu hieven: „Daraus wurde bislang nichts.“

Mursi – ein Muslimbruder – sei auf dem besten Weg, „eine Einheitspartei zu schaffen, ganz so wie unter Mubarak“, zitiert das Magazin den Kairoer Politologen Amr Hamsawi. In der vergangenen Woche habe Mursi in einer Fernsehansprache eine neue religiöse Kampagne angekündigt. Ein Heer von Predigern solle durch die Lande ziehen und „unter den Menschen das rechte Wort verbreiten“. Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind 90 Prozent Muslime und etwa zehn Prozent Christen, meist Kopten.

Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung auf ein Konto in Ö, D oder der CH oder via Kreditkarte/Paypal!










Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 
App play store iTunes app store Jetzt kostenlos herunterladen! mehr Infos Instagram
meist kommentierte Artikel

286-PS-Autos für die Limburger Bischöfe (109)

Kardinal Pell bleibt weiter in Haft (71)

Das Sexleben sollte in der Ehe Priorität haben (32)

„Das also ist die Toleranz von Vertreterinnen von ‚Maria 2.0‘!“ (31)

Causa Pell bleibt weiterhin rätselhaft (30)

„Was wir von Forst lernen können“ (26)

Klimawandel auch in der Kirche? (23)

Konflikt um Institut Johannes Paul II. eskaliert weiter (21)

Eucharistischer Segen für ungeborene Kinder? (18)

Erzbischof Paglia und die Zerstörung des Instituts Johannes Pauls II. (16)

Mädchen wollte in Knabenchor: Klage abgelehnt (16)

Ein Mensch auf den Knien ist mächtiger als die Welt (14)

Australische Pfarrerin: Abtreibung kann ‚moralisch gut’ sein (14)

Pell-Nachfolger in Melbourne: schwierige Wahrheitssuche (14)

Raus mit denen, aber hurtig? (13)