
Münster (kath.net/KNA) Die Beschneidungsdebatte zeigt nach Einschätzung von Schriftsteller Navid Kermani «die eigentlichen Konfliktlinien» in religionspolitischen Fragen auf. «Sie verlaufen nicht zwischen den einzelnen Religionen, sondern zwischen den Religionen insgesamt und einer zunehmend aggressiv auftretenden antireligiösen Haltung in der Gesellschaft», sagte der Orientalist am Wochenende in Münster. Diese Haltung stelle die generelle religiöse Begründung von Handeln, Bekenntnissen und Motiven grundsätzlich in Frage. «Wenn metaphysische Begründungen, die nicht aus dem Hier und Jetzt rühren, gesellschaftlich nicht mehr als relevant wahrgenommen werden, betrifft das nicht nur Islam und Judentum, sondern es werden auch christliche Traditionen bald massiv infragegestellt», so Kermani.
Auch die liberale Rabbinerin Elisa Klapheck aus Frankfurt/Main
sprach von einer «antireligiösen Stimmung», die die Beschneidungsdebatte offenbart habe. Die deutsche Gesellschaft sei auf die «multireligiöse Wirklichkeit» noch nicht vorbereitet. Darauf hätten sich die religiösen Traditionen in den kommenden Jahren einzustellen. Als Beispiel nannte die Rabbinerin Erfahrungen mit Medienvertretern, die kaum etwas über jüdische Traditionen und Feste wüssten. Das sei etwa in den Niederlanden anders, obwohl dort auch nur wenige Juden lebten. Denkbar sei ein Handbuch für hiesige Journalisten, das ihnen den Umgang mit fremden Religionen erleichtere.
Kermani und Klapheck äußerten sich auf einer Podiumsdiskussion über «Blasphemie und Beschneidung» des Exzellenzclusters «Religion und Politik» der Uni Münster.
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