
Wien (kath.net) Das „Netzwerk katholischer Priester“ ist jetzt auch in Österreich tätig. Sprecher für Österreich ist der Wiener Pfarrer Christian Sieberer. Das Priesternetzwerk will Priestern Hilfestellung geben, die gerade wegen ihrer lehramts- und kirchenrechtstreuen Amtsführung in Schwierigkeiten geraten sind. Diese Probleme reichen „vom Mobbing in den Pfarreien und Kooperationsverbänden bis hin zu ungerechtfertigten Sanktionierungen durch Ordinariate oder einzelne Vorgesetzte“, wie die Gründer der Initiative im Interview sagen.
Herr Pfarrer Rodheudt, Herr Pfarrer Jolie und Herr Pfarrer Winkel, wie kommt es, dass Sie nun auch in Österreich aktiv werden?
Von 17. bis 18. Oktober 2012 fand unser Bundestreffen in der Nähe von Aschaffenburg statt, zu dem wir den Apostolischen Nuntius für Deutschland, Erzbischof Dr. Jean-Claude Périsset, eingeladen hatten, der die gesamte Zeit anwesend war und einen Vortrag zum Thema „Wie kann man unter den heutigen Begebenheiten als Priester bzw. Diakon papst- und lehramtstreu seinen Dienst tun?” gehalten hat.
Seine Anwesenheit und der intensive Gedankenaustausch haben uns in unserem Anliegen gestärkt, Priester miteinander zu verbinden, die ihren Dienst in Gehorsam und Treue gegenüber der Glaubenslehre und Ordnung der Kirche ausüben wollen.
Bei dem Treffen war auch Pfarrer Christian Sieberer aus Österreich anwesend, und da es in unserem Nachbarland sehr ähnliche Schwierigkeiten gibt wie in Deutschland, haben wir beschlossen, das Priesternetzwerk zu erweitern. Wir sprechen also mit einer Stimme für die von vielen Seiten angefeindeten Priester. Konkrete Beratung und Unterstützung der Mitbrüder kann natürlich am besten vor Ort geleistet werden. Wir haben deshalb Herrn Pfarrer Sieberer unser besonderes Vertrauen ausgesprochen und ihn gebeten, unser Ansprechpartner für die österreichischen Mitbrüder zu sein.
Herr Pfarrer Sieberer, warum schließen Sie sich nun dem Priesternetzwerk an?
Ich habe schon seit mehreren Jahren eine große Wertschätzung für das Priesternetzwerk, das zum größten Teil aus eher jungen, in der Pfarrseelsorge tätigen Priestern besteht.
Schon vor zwei Jahren habe ich Pfarrer Jolie kontaktiert, und wir haben uns mehrmals über die Probleme in der Seelsorge und eine Erweiterung der Initiative auf Österreich unterhalten.
Der konkrete Anlass, mich nun dem Netzwerk anzuschließen und als Kontaktperson für Österreich zur Verfügung zu stehen, ist der geplante radikale Strukturprozesses in der Erzdiözese Wien, der bei vielen Priestern und Gläubigen für Angst und Unsicherheit sorgt.
In diesem Zusammenhang ist ein Zitat von Papst Benedikt XVI. von großer Bedeutung, der den deutschen Bischöfen anlässlich ihres Ad-Limina-Besuchs am 18. November 2006 im Vatikan gesagt hat:
„Natürlich muss in der Kirche auch institutionell und strukturell geplant werden. Kirchliche Institutionen, Pastoralpläne und andere rechtliche Strukturierungen sind bis zu einem gewissen Grad schlichtweg notwendig. Aber gelegentlich werden sie als das Wesentliche ausgegeben und verstellen so den Blick auf das wirklich Wesentliche. Sie werden jedoch nur dann ihrer eigentlichen Bedeutung gerecht, wenn sie am Maßstab der Glaubenswahrheit gemessen und danach ausgerichtet werden. […]
Angesichts der augenblicklich abnehmenden Zahl der Priester, wie leider auch der (sonntäglichen) Gottesdienstbesucher, kommen in verschiedenen deutschsprachigen Diözesen Modelle der Um- und Neustrukturierung der Seelsorge zur Anwendung, bei denen das Bild des Pfarrers, das heißt des Priesters, der als Mann Gottes und der Kirche eine Pfarrgemeinde leitet, zu verschwimmen droht. […]
Vor allem werdet Ihr nur solchen strukturellen Reformen Eure Zustimmung geben, die voll und ganz mit der Lehre der Kirche über das Priestertum und den rechtlichen Normen im Einklang stehen und bei deren Umsetzung die Anziehungskraft des Priesterberufs nicht gemindert wird.”
In Österreich werden wir sehr deutlich unsere Stimme erheben, wenn diese Vorgaben des kirchlichen Lehramts relativiert oder gar ignoriert werden.
Herr Pfarrer Rodheudt, Herr Pfarrer Jolie und Herr Pfarrer Winkel, können Sie unseren Lesern beschreiben, was das Priesternetzwerk ist?
Das Netzwerk katholischer Priester steht mit Hilfestellungen grundsätzlich allen, aber speziell auch solchen Mitbrüdern zur Seite, die wegen ihrer konsequenten Amtsführung in Schwierigkeiten geraten sind. Die Problemfelder sind hier vielfältig. Sie reichen vom Mobbing in den Pfarreien und Kooperationsverbänden bis hin zu ungerechtfertigten Sanktionierungen durch Ordinariate oder einzelne Vorgesetzte.
Wir verstehen uns auch als Notwehrgemeinschaft, denn es geschieht nicht selten, dass ein Priester – obwohl oder gerade weil er in Übereinstimmung mit Lehre, Recht und Ordnung der Kirche handelt – in einen Konflikt geraten ist, dessen Ausweg nur noch eine, der Notwehr verwandte Haltung sein kann. Diese Beschreibung der Notwehrgemeinschaft stellt klar, dass das Netzwerk katholischer Priester Konflikte nicht heraufbeschwören will, sondern vielmehr Konflikte zugunsten unschuldiger Priester lösen helfen will.
Um die rechtliche Stellung des Priesters zu sichern und konkrete Hilfen anzubieten, steht das Priesternetzwerk mit Rat und Tat zur Seite. Hauptsäulen unseres Engagements sind dabei: Informations- und Erfahrungsaustausch, kirchenrechtliche Beratung und Vermittlung juristischer Hilfe sowie Akte der Solidarisierung verschiedener Mitbrüder
Dabei gilt es jedoch darauf hinzuweisen, dass wir keine gewerkschaftlichen Funktionen ausüben können. Allein die Hilfe zur Selbsthilfe ist der Schwerpunkt des Engagements. Absolute Diskretion ist auf Wunsch eine Selbstverständlichkeit.
Regionale und überregionale Versammlungen, Exerzitien und Wallfahrten sowie die Teilnahme an theologischen Akademien und Liturgischen Tagungen gehören zu den konstituierenden Momenten des Netzwerks katholischer Priester.
Beim Priesternetzwerk handelt es sich nicht um eine Vereinigung im strengen Sinne, sondern um eine möglichst unkompliziert organisierte Gesinnungsgenossenschaft, weshalb es auch keine ausgesprochene Mitgliedschaft gibt. Nicht das Handeln des Netzwerkes in der Öffentlichkeit ist das erste Ziel seiner Gründung, sondern die Hilfe zum Handeln des einzelnen in der Krisensituation der Kirche durch mitbrüderlichen Austausch und durch Vernetzung von glaubenstreuen katholischen Geistlichen. Daher leitet sich auch der Namen der Initiative ab.
Katholische Priester, die Interesse an unserer Initiative haben, können sich umfassend informieren und uns kontaktieren auf: www.priesternetzwerk.net
Danke für das Gespräch!
Foto: (c) www.priesternetzwerk.net
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