
Wien-Rom (kath.net/KAP) Genau 1.700 Jahre nach dem Triumph Kaiser Konstantins über seinen Konkurrenten Maxentius wird am kommenden Wochenende in Rom die historische Schlacht an der Milvischen Brücke nachgestellt. Mit dem Sieg am "Ponte Milvio" am 28. Oktober 312, den der Kaiser seinem neuem Glauben "im Zeichen des Kreuzes" zuschrieb, wurde Konstantin zum Alleinherrscher im westlichen Teil des Römischen Reiches und legte einen der Grundsteine zur Geburt eines christlichen Europas im Mittelalter. Die folgende "Konstantinische Wende" mit dem Aufstieg des Christentums zur Staatsreligion war maßgeblich für das Verhältnis von Kirche und Staat in ganz Europa bis zur Französischen Revolution von 1789.
Die Römer können am 27. und 28. Oktober in Saxa Rubra im nördlichen Hauptstadtbezirk Grottarossa das nachgebaute Militärlager der Schlacht an der Tiberbrücke, samt Zelten und Kriegsgerät, besichtigen. Bei Lesungen werden Überlieferungen und historische Berichte zu den Ereignissen rund um die Schlacht vorgetragen, bevor Sonntagmittag unter der Leitung von Wissenschaftlern der Kampf nachgestellt wird.
Konstantin (284/85-337), Sohn des Heerführers und späteren Kaisers Konstantius I. und dessen Konkubine Helena, wurde in Naissus (heute: Nis in Serbien) geboren und kam 293 im Alter von acht Jahren an den Hof von Kaiser Diokletian in Nikomedia. Er wurde dort als Geisel gehalten, eine Maßnahme, durch die das Gleichgewicht unter den damals drei römischen Herrschern hergestellt werden sollte.
305 flüchtete Konstantin zu seinem Vater, der 306 in einer Schlacht gegen die Pikten in Eboracum - dem heutigen York in England - starb. Konstantin ließ sich von den Truppen zum Kaiser ausrufen und wurde neben Severus II. zum Mitherrscher im Westen des römischen Reiches. Er erhielt den Titel "Caesar" und residierte in Gallien. 307 heiratete er Fausta, die Tochter des Kaisers Maximinian.
Im Kampf um die Oberherrschaft zog Konstantin nach Rom und errang dort am 29. Oktober des Jahres 312 an der Milvischen Brücke einen Sieg über Konkurrenten Maxentius. Am Tag danach verweigerte Konstantin das übliche Siegesopfer für den römischen Gott Jupiter.
Die Legende lässt dem schon in Gallien und dann wiederholt in Rom im Traum das Christus-Monogramm mit den Worten "in hoc signo vinces" ("in diesem Zeichen wirst du siegen") erscheinen, worauf Konstantin dies auf die Feldzeichen habe schreiben lassen und damit tatsächlich den Kampf siegreich beendete.
Schon im April 311 hatte Kaiser Galerius in Nikomedia (heute: Izmit) in Bithynien (Nordwesttürkei) das Toleranzedikt veröffentlicht, mit dem die Christenverfolgung im Osten des Römischen Reichs endete. Durch das Edikt wurde das Christentum zur "erlaubten Religion"; zugleich wurden die Christen angewiesen, für den Kaiser und das öffentliche Wohl zu beten.
Doch es war die Schlacht an der Milvischen Brücke, die dann Anstoß zum Mailänder Edikt von Februar 313 werden sollte. Die Vereinbarung zwischen den Kaisern Konstantin und Licinius brachte allen Bewohnern des damaligen Römischen Reiches Religionsfreiheit.
Als Religion des Kaisers erfuhr das Christentum regen Zulauf, wie der Wiener Kirchenhistoriker Thomas Prügl in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" schildert. Der Kaiser gab den Christen beschlagnahmten Besitz zurück, befreite den Klerus von der Steuer und ließ repäsentative Kirchen errichten.
"Gesetzgebung, öffentliches Leben und Kultur gerieten zunehmend unter die gestaltende Hand des Christentums", so der Ordinarius für Kirchengeschichte an der Universität Wien.
321 setzte Konstantin den Sonntag als wöchentlichen Feiertag fest. Nachdem er 324 auch die Herrschaft über das oströmische Reich übernommen hatte, ließ er die alte griechische Kolonie Byzanz großzügig ausbauen und benannte sie in Konstantinopel um.
Trotz Konstantins Förderung des Christentums war die auf das Fünffache der ursprünglichen Größe ausgebaute Stadt keine rein christliche Gründung. Dies zeigen u.a. die Überführung des einst aus Troja geraubten Palladions aus Rom, die Renovierung der Tempel und der Vollzug heidnischer Riten bei der Einweihung des Kaiserlichen Bezirks am 11. Mai 330. Die Stadt war somit nicht als "christliches Rom" geplant, auch wenn spätere Quellen dies teils behaupten.
Erst im Jahre 380 erklärte der aus Spanien stammende Kaiser Theodosius I. das Christentum zur Staatsreligion im Römischen Reich. Unter Theodosius setzte sich Konstantinopel auch endgültig gegen Antiochia als Hauptresidenz des Ostens durch.
Ebenfalls 380 erhielt der Bischof von Konstantinopel, der sein Amt auf den Apostel Andreas zurückführte, seine herausgehobene Stellung. Auf kaiserlichen Beschluss hin war er fortan nur dem Bischof von Rom nachgeordnet.
"Konstantinische Ära" war auch Zeit der Volkskirche
Im Blick auf Kaiser Theodosius und die späteren Herrscher betonte Thomas Prügl, dass Kirche und Macht "eine enge Verbindung eingingen, von der beide profitierten". Die Kaiser nach Konstantin hätten in der Kirche einen "Garanten für das Wohl und die Einheit des Staates" gesehen: "Daher intervenierten sie wie selbstverständlich bei innerkirchlichen Auseinandersetzungen: Sie beriefen die Konzilien ein und publizierten deren Beschlüsse als Reichsgesetze, sie vollzogen Kirchenstrafen und gingen schließlich auch gegen das Heidentum vor."
Mit dem Ende der "Konstantinischen Ära" verliere die Religion heute zunehmend ihre identitätsstiftende Rolle für Staat und Gesellschaft. "Neben Vorstellungen einer 'Einheit von Thron und Altar' verbindet man mit der 'Konstantinischen Ära' auch die selbstverständliche Dominanz einer Volkskirche, die ebenfalls seit geraumer Zeit der Vergangenheit angehört", analysierte Prügl. Die Kirche sollte diesen Vorgang aber nicht beklagen, hält der Kirchenhistoriker im "Sonntag"-Interview fest, "sondern sich selbstbewusst der Freiheit und neuen Verantwortung inne werden, die diese Entwicklung birgt".
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