26 Oktober 2012, 16:30
Katholische Jugend: Bausteine zum Gottesdienst-Basteln
 
Hildegard13
 
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Die Katholische Jugend Oberösterreich hat ein Materialpaket zur Gestaltung des Jugendsonntags veröffentlicht. Die meisten Vorschläge sind für eine heilige Messe ungeeignet. Ein Kommentar von Johannes Graf.

Linz (kath.net/jg)
Die Katholische Jugend Oberösterreich (KJ OÖ) hat ein Materialpaket für den Jugendsonntag 2012 herausgebracht. Es enthält sogenannte „Gottesdienst-Bausteine“, die bei Jugendgottesdiensten am Sonntag vor dem 1. Adventsonntag eingesetzt werden sollen. Die Gruppenleiter sollen mit ihren Jugendgruppen den Gottesdienst mitgestalten. Einige der Vorschläge sind nicht mit den liturgischen Vorschriften für die römisch-katholische Messliturgie vereinbar.

„Gott hört auf...“ lautet das Motto der KJ OÖ für den diesjährigen Jugendsonntag. Gott hört auf uns und wir sollen auf Gott hören, wird der Satz in der Begrüßung erklärt. Gleich darauf nehmen die Autoren auf das 50-Jahr Jubiläum der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils Bezug. „Man hörte auf die Zeichen der Zeit und auf die Stimmen der Menschen hier und heute. Man hörte damit auf, alte Muster herunter zu beten und nur auf der Stelle zu treten. Und man hörte auf den heiligen Geist, der wie ein frischer Wind durch die Räume und Köpfe in Rom wehte“, ist dort zu lesen. Das soll nun auf den Jugendsonntag angewendet werden. Mit Bezug auf das Konzil sei „Aggiornamento“ das Stichwort zu dem gewählten Motto „Aufhören“. Konkret bedeute das, „Aufzuhören mit verstaubten Gebetsformeln und Glaubenssätzen. Auf die Zeichen der Zeit zu hören. Und zu versuchen, auf Gott zu hören.“

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Gottesdienst-Bausteine

In der Folge werden eine ganze Reihe von „Gottesdienst-Bausteinen“ vorgestellt, mit denen die Jugendlichen an der Liturgie mitbasteln sollen. Manche Teile seien nur „in Jugendgottesdiensten oder im kleinen Kreis“ möglich, heißt es vorsichtig gleich zu Beginn. Die Jugendlichen sollten sich „inspirieren“ lassen und das umsetzen, „was euch anspricht und in eurer Pfarre (mit eurer/eurem GottesdienstleiterIn) möglich ist“.

Auf der nächsten Seite wird ein liturgisches Ablaufschema für die heilige Messe gezeigt. Dort ist dargestellt, wo welche „Gottesdienst-Bausteine“ eingebaut werden können. Man solle sich aber nicht zu viel vornehmen, warnen die Autoren, denn es sei wichtig, „dass ein Gemeindegottesdienst nicht länger als 50 Minuten dauern sollte.“

Statt dem Bußakt wird ein Rollenspiel vorgeschlagen. Zwei Jugendliche entdecken dabei, dass sie zu viel Zeit mit technischen Geräten wie Computern und Smartphones verbringen und zu wenig Zeit mit Gott. Das ist zwar von der Idee geeignet, eine schauspielerische Darstellung einzelner ist aber für eine Liturgie unpassend. Das Schuldbekenntnis ist „von allen gemeinsam“ zu vollziehen und wird „durch die vom Priester gesprochene Bitte um Vergebung abgeschlossen“, heißt es in der Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch.

An Stelle des Kyrie wird vorgeschlagen, mit den Sitznachbarn ins Gespräch zu treten. „Wie geht es ihm oder wie war ihr Weg zur Kirche. Was beschäftigt deine Mitfeiernden gerade?“ lauten die Themenvorschläge. Wie und warum Gespräche der Gläubigen untereinander die gemeinsame Anrufung Gottes um Erbarmen ersetzen soll, bleibt hier offen.

Auch für die Predigt gibt es einen „Baustein“. Die Jugendlichen sollen ihre „eigene Meinung zum Evangelium ausarbeiten und sprechen“. Dies kann auch durch einen sogenannten Plakatdialog geschehen. Zwei Personen kommunizieren über Plakate miteinander, die für alle gut sichtbar sein sollen. Als dritte Variante wird vorgeschlagen, die Gläubigen einzuladen, ihre Gedanken auf vorher ausgeteilte Kärtchen zu schreiben. Wichtig ist auch hier die persönliche Erfahrung: „Was löst diese Bibelstelle in uns aus?“. Dann wird vorgeschlagen, das Evangelium noch einmal vorzulesen, allerdings aus der „Volxbibel“. Dies wurde von Papst Benedikt XVI. abgelehnt. Er sehe keine Möglichkeit, die Volxbibel in der katholischen Kirche einzusetzen, sagte er laut einem kath.net Bericht bereits 2007. Im Anschluss an die Messe sollen sich die Gläubigen über ihre Erfahrungen austauschen: „Diese Kärtchen nehmen wir dann mit hinaus, um nach dem Gottesdienst darüber zu sprechen“, heißt es in der Materialsammlung.

Rufzeichen

Bei den Vorschlägen zur Predigt ist ein Rufzeichen eingezeichnet. In der Materialsammlung zeigt es an, dass „ein Gottesdienstelement eine sehr offene Pfarrgemeinde und Gottesdienstleitung braucht.“ Sie müssen daher „unbedingt sehr gut mit eurer/m GottesdienstleiterIn abgesprochen werden“, heißt es wörtlich. Die Predigt ist im römischen Ritus dem Priester und dem Diakon vorbehalten. Laien ist sie untersagt. Das darf auch kein Priester ändern.

Das Glaubensbekenntnis und das Vater unser können jeweils durch „dialogische Formen“ ersetzt werden, schlägt die KJ OÖ vor. Ein Beispiel dazu. Aus „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige Katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen“ wird in der dialogischen Form:
„Ich glaube an den Heiligen Geist, den Frieden auf Erden, die heilige Gemeinschaft aller Menschen. Gemeinsam mit der katholischen Kirche und allen anderen Religionen. Ich glaube an das Gute in jeder und jedem von uns, und die Gemeinschaft der Heiligen mit allen Menschen.“ Der Sinn wird durch die Einfügungen verfälscht. Das Glaubensbekenntnis fasst die wesentlichen Inhalte des katholischen Glaubens zusammen. Wenn es in der Liturgie gebetet wird, bekennt sich die feiernde Gemeinde dazu. Hier handelt es sich nicht nur um eine andere Form des Glaubensbekenntnisses, sondern um ein anderes Glaubensbekenntnis.

Beim Vater unser Dialog soll eine „Gottstimme“ auf die einzelnen Bitten antworten und diese erläutern. „Eine weibliche ‚Gottstimme’ lädt zum Nachdenken über traditionelle Gottesbilder ein“, ist in den ergänzenden Informationen zu lesen. Die Textvorschläge sind zwar durchaus zur Vertiefung geeignet, allerdings erscheint eine Lesung mit verteilten Rollen während der Messe nicht sinnvoll. An dieser Stelle der Liturgie geht es um das gemeinsame Gebet, nicht um eine Katechese.

Während der Eucharistiefeier gebe es nicht viele Möglichkeiten zur Gestaltung, schreiben die Autoren. Sie schlagen vor, die Jugendlichen sollten nach dem Sanctus bewusst stehen bleiben. Sie sollten damit zum Ausdruck bringen, „dass manche Gesten und Haltungen für uns nicht passend sind.“ Dann soll der Priester oder „jemand aus dem Vorbereitungsteam“ fragen, warum sie sich nicht niedergekniet haben. Darauf antworten die Jugendlichen gemeinsam mit Sätzen wie: „Ich stehe, weil ich an einen Gott glaube der liebt und nicht erniedrigt.“ Auch hier ist wie bei der Predigt ein Rufzeichen eingezeichnet.

Ein weiteres Rufzeichen findet sich am Ende bei einem Segenstext. Dieser lautet: „Wenn wir Jugendlichen gemeinsam feiern, erbitten wir nicht nur den Segen Gottes, sondern segnen uns auch gerne gegenseitig. Weil wir Segen für unsere Mitmenschen sind und sein wollen. Deswegen möchte ich euch bitten, ein kleines Kreuz auf die Stirn eurer Nachbarn zu machen und dem nachzuspüren, was Segen bedeutet.“ Die KJ OÖ ist offenbar der Ansicht, der Segen Gottes ist noch nicht genug.

Die „Gottesdienst-Bausteine“ der KJ OÖ scheinen eher dazu geeignet zu sein, Jugendliche während der heiligen Messe zu präsentieren, als die Verehrung Gottes zu vertiefen. Viele der Bausteine sind nichts anderes als eine Aufforderung, die liturgischen Vorschriften zu missachten.






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