26 Oktober 2012, 10:30
Warum sind viele Menschen so humorlos und missmutig?
 
Hildegard13
 
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Die heutigen Messtexte wollen uns aus der Spirale des Missmutes herausholen. Ein Kommentar zum Sonntagsevangelium von P. Bernhard Sirch

Illschwang (kath.net) B - 30. Sonntag im Jahreskreis, Betrachtung zur 1.Ls: Jer 31, 7-9 und 2.Ls: Hebr. 5, 1-6; Ev. Mk 10,46-52

Warum sind viele Menschen so humorlos und missmutig? Ich habe mir einmal Zeit genommen am Stachus in München die vorbeihastenden Menschen zu beobachten: kaum ein freundliches, abgeklärtes Gesicht! Nur gehetzte Gesichter! Werden wir nicht ununterbrochen zur Hetze getrieben? Hinzu kommt: Werden wir nicht ständig mit Negativmeldungen überfüttert? Auch in unserem privaten Leben sehen Viele eher das Schlechte und übersehen das Gute. Negativ-Analysten sind am Werk und bestimmen unser Leben. Wie schwer tragen Mütter, Kinder und Väter an der gegenseitigen Verurteilung: die kleinen Sticheleien am Arbeitsplatz und in der Schule? Kein Wunder also, wenn diese Dauerberieselung Wirkung zeigt und viele Menschen Vertrauen, ja auch Selbstvertrauen verlieren. Die heutigen Messtexte wollen uns aus der Spirale des Missmutes herausholen.

Jeremia durfte die Trostbotschaft Gottes denen verkünden, die weinend kamen und tröstend geleitet wurden, wobei messianische Erwartungen anklingen, wenn der Prophet den Blinden und Lahmen Hoffnung zuspricht: "So spricht der Herr: Jubelt Jakob voll Freude zu... Verkündet, lobsingt und sagt: Der Herr hat sein Volk gerettet... Seht, ich ... sammle sie von den Enden der Erde, darunter Blinde und Lahme, Schwangere und Wöchnerinnen; als große Gemeinde kehren sie hierher zurück. Weinend kommen sie, und tröstend geleite ich sie. Ich führe sie an wasserführende Bäche, auf einen ebenen Weg, wo sie nicht straucheln. Denn ich bin Israels Vater" (Jer 31, 7-9).

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Wir können ausdrücklich lesen: "Denn ich bin Israels Vater" (Jer 31, 9). Von Jesus wird immer wieder seine enge, intensive Beziehung zum Vater betont; sein Vater ist der absolute Anker im Leben Jesu. Auf Grund dieser Beziehung zu seinem Vater lehrt Jesus uns auch beten: Vaterunser. Es ist schön, wenn wir erleben, wie Kinder von den Vätern und Müttern jene Liebe erfahren, von der Jesus und die Prophet geprägt waren.

Wir erleben aber auch das Gegenteil. Zu meinem großen Erstaunen schrieb ein Kind bei einem Kindergottesdienst auf die Klagemauer: "Lieber Gott ich habe manchmal das Gefühl, daß niemand mir zuhört. Papa ist den ganzen Tag nicht da, und Mama ist immer beschäftigt. Jeder hat viel zu tun. Keiner hört mir wirklich zu. Nur Du, lieber Gott, bist immer da. Ich danke Dir dafür!" Vor allem Kinder, aber auch Jugendliche, brauchen für ihren Glauben eine Vaterfigur, sie brauchen eine Mutter, die Zeit hat und zu der die Kinder jederzeit kommen dürfen und zu der sie auch aufschauen können. Auch wir Erwachsene, unsere Welt, brauchen für den Glauben Vaterfiguren. Für viele Christen, ja für viele Menschen waren Papst Johannes XXIII., aber auch Johannes Paul I. und II., und ist Papst Benedikt XVI. eine Vaterfigur, die Güte und Verständnis ausstrahlen. In den Medien können wir erleben, wie Menschen geschlagen, ja zerschlagen werden wie das Volk Israel beim Untergang der beiden Reiche Israel und Juda. Die ganze Welt sehnt sich nach einer Vaterfigur, wie wir es in der heutigen Lesung gehört haben: "Denn ich bin Israels Vater" (Jer 31, 9).

Von dieser Sehnsucht, die gleichzeitig Freude verbreitet, ist auch der Antwortpsalm geprägt: "Als der Herr das Los der Gefangenschaft wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel. Da sagte man...: Der Herr hat an ihnen Großes getan. Ja, Großes hat der Herr an uns getan. Da waren wir fröhlich... Die mit Tränen sähen, werden mit Jubel ernten" (Ps 126 (125)).

Dieses Vaterbild wird im Evangelium auf Jesus übertragen. Der blinde Bartimäus ruft Jesus zu, ja, wie der Blinde seine Ohnmacht spürte, "schrie er noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir" (Mk 10, 47f). Der Blinde durfte das tröstende Wort hören: "Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich" (Mk 10, 49).

Jesus ruft auch heute denen zu, die keinen Weg mehr sehen, der weiterführt, die wie in einer Sackgasse keinen Ausweg mehr finden. Wie tröstlich ist das Wort: "Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich" (Mk 10, 49). Viel Trost und Mut kann ein Mensch schöpfen, wenn er spürt: Gott ruft mich, Gott sieht mein Elend und hat Mitleid und spendet seine Nähe. Auch das erwähnte Kind im Kindergottesdienst weiß: "Keiner hört mir wirklich zu. Nur Du, lieber Gott, bist immer da. Ich danke Dir dafür!"

In der zweiten Lesung wird uns die Gewißheit gegeben: wir haben einen Hohenpriester, Jesus Christus, "für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott, um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen. Er ist fähig, für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen, da auch er der Schwachheit unterworfen ist" (Hebr 5,1.2).

Von dieser Gesinnung muß auch unser heutiges Priesterbild geprägt sein: der Priester, der Bischof muß Vater sein, wie es uns Christus in dem Gleichnis vom gütigen Vater vorlegt, so daß die Menschen aus ihren Nöten ebenso aufbrechen können wie der nach Hilfe rufende Sohn, der in seiner Verzweiflung "gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt hätte, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon... Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen... Dann brach er auf und ging zu seinem Vater". Und nun kommt eine wunderbare Stelle, wie die Heimkehr des Sohnes geschildert wird. Es heißt nicht einfach, daß der Sohn in das Haus seines Vaters kam, sondern: "Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küßte ihn (Lk, 15, 16-20). Der Vater läßt also den Sohn nicht erst in kühler Zurückhaltung herankommen, noch weniger weist er ihn mit Zorn und Empörung ab, sondern von Liebe und Mitleid überwältigt eilt er seinem Sohn entgegen. Das ist auch die frohe Botschaft Jesu an uns. So dürfen wir uns freuen, wie uns im Eröffnungsvers zugerufen wird: "Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen. Sucht den Herrn und seine Macht, sucht sein Antlitz allezeit" (Ps 105, 3-4).

Gehen wir zurück zum Evangelium, zum "blinden Bettler, Bartimäus, den Sohn des Timäus" (Mk 10, 46). Dieser Bartimäus hatte ein solches Vertrauen in Jesus, dass er rief: "Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!" (Mk 10, 47). "Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!" (Mk 10, 48).

Bartimäus ließ sich nicht abbringen, er wußte: nur einer kann ihm helfen: Jesus. Und nun geschah das Unerwartete: "Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich" (Mk 10, 49). Wir müssen uns einmal in die aussichtslose Lage des Bartimäus hineinversetzen. Voller Erwartung, sofort "warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu" (Mk 10, 50). Bartimäus sieht sich am Ziel seiner Erwartungen und Wünsche.

"Und Jesus fragte ihn: Was soll ich dir tun? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte wieder sehen können" (Mk 10, 51). Hier wird deutlich, Bartimäus war nicht von Geburt an blind, deswegen sagt Bartimäus: "ich möchte wieder sehen können" (Mk 10, 51). "Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir gehol-fen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen" (Mk 10, 52). Hier zeigt es sich, Bartimäus ging nicht unvorbereitet zu Jesus, sondern er war der festen Überzeugung: nur Jesus kann ihm noch helfen. So kann Jesus sagen: "Dein Glaube hat dir geholfen" (Mk 10, 52). Jesus anerkennt die Mithilfe des Bartimäus bei dem "Wunder": dieser Bartimäus glaubt an Jesus. - Wir können uns fragen, gerade im Jahr des Glaubens, wie steht es um unseren Glauben? Sind wir wirklich überzeugt: nur Jesus ist mein Retter! Weil Bartimäus dieses absolu-te Vertrauen in Jesus hatte, "sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dir geholfen. Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen" (Mk 10, 52).

Wir können uns auch fragen: sehen wir die "Wunder" um uns, die sich immer wieder ereignen, oder sind wir blind wie Bartimäus? Alljährlich beeindrucken uns die Vielfalt und der köstliche Geschmack der Gaben Gottes, die uns die Natur zuteil werden lässt und für die wir uns am Erntedankfest bedanken. Dieses sich wiederholende Wunder sollen wir als Geschenk Gottes an uns Menschen verstehen und begreifen. Denken wir auch an das Wunder eines neu geborenen Kindes, das ein Sonnenstrahl vom lieben Gott an die Eltern ist. Bei diesem "Wunder" müssen wir unser Gewissen überprüfen: Wie gehen wir, wie geht unsere Gesellschaft mit diesem "Wunder" um! Je weiter wir uns von Gott entfernen, umso weniger ist das "Leben", auch das Leben von Menschen wert und wird sogar getötet!

Die Heilung des Bartimäus ist eine Seite, die Reaktion des Bartimäus ist die andere Seite. Sind wir auch bereit wie Bartimäus zu antworten: "und er folgte Jesus auf seinem Weg" (Mk 10, 52). Unsere Überzeugung, unser Glaube muß sich zeigen, indem wir den Fußspuren Jesu folgen. Jesus drückt das Verhalten des Bartimäus so aus: "Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt... Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut" (Mt 7, 21.24.25).

Der Kern unseres Glaubens ist eine persönliche und lebendige Beziehung zu Jesus und die Erfahrung, dass er die Kraft hat, mein Leben zu verändern. So lenkt das Tagesgebet unser Verlangen nach dem, "was Gott uns verheißen hat": "Allmächtiger, ewiger Gott, mehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Gib uns die Gnade, zu lieben, was du gebietest, damit wir erlangen, was du verheißen hast". Auch das Schlussgebet lenkt unser Streben auf die "unverhüllte Wirklichkeit": "Herr, unser Gott, gib, dass deine Sakramente in uns das Heil wirken, das sie enthalten, damit wir einst als unverhüllte Wirklichkeit empfangen, was wir jetzt in heiligen Zeichen begehen".

Ich wünsche Ihnen, dass Jesus, dass Gott auch zu Ihnen spricht: "Geh! Dein Glaube hat dir geholfen" (Mk 10, 52). - Papst Johannes Paul II., eine Vaterfigur des Glaubens, hat Faustina Kowalska heiliggesprochen. Diese Heilige ließ das Bild malen, wie sie Jesus gesehen hat und wie Jesus ihr aufgetragen dieses Bild malen zu lassen mit der Unterschrift: "Jesus, auf dich vertraue ich".

www.pater-bernhard.de






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