24 Oktober 2012, 12:00
Christus in der Mitte und Gemeinschaft mit dem Petrusnachfolger
 
Hildegard13
 
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Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller, äußert sich im Interview mit Adrienne Suvada über aktuelle Fragen der Kirche.

Vatikanstadt (kath.net/pbb) „Wenn wir uns vom Heiligen Geist leiten lassen, Christus in die Mitte stellen und in Gemeinschaft mit dem Petrusnachfolger stehen, bleiben wir im uns offenbarten Glauben geeint. Daran muss die Kongregation immer wieder erinnern, auch in den strittigen Fragen.“ Dies sagte Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, im Interview mit der Kommunikationsbeauftragten des Bistums Basel, Adrienne Suvada, im Rahmen der Bischofssynode in Rom.


Adrienne Suvada: Exzellenz, die jetzige Bischofssynode befasst sich mit einem äusserst wichtigen Thema für die Kirche. Was erwarten Sie von der Synode?

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller:
Die Bischofssynode, die nach dem II. Vatikanischen Konzil von Papst Paul VI. eingerichtet wurde, bietet ein offizielles Forum, auf dem die Bischöfe über Freuden und Sorgen der Kirche sprechen können. Dieser Austausch ist wichtig, weil die Bischöfe – in Gemeinschaft mit dem Papst – für die ganze Kirche Verantwortung tragen. Ich hoffe, dass diese Synode nicht nur eine Analyse über die gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Glaubensweitergabe bietet, sondern auch Hinweise dafür gibt, wie wir die vielen suchenden Menschen unserer Tage zu Christus führen, wie wir ihnen die Perle des Glaubens nahe bringen können. Christus, der Erlöser, ist nämlich die eigentliche Antwort auf die Sehnsucht und auf die Fragen der Menschen.

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Suvada: Wo liegen die Schwierigkeiten in der Neuevangelisierung?

Erzbischof Müller:
Ein paar Stichworte: das säkulare Denken ist weithin vorherrschend; viele Menschen leben praktisch ohne Gott; das Gottesbild ist sehr verschwommen, deistisch; die Sünde wird verharmlost und die Notwendigkeit der Erlösung kaum noch verstanden; innerhalb der Kirche gibt es vielerorts eine gewisse Müdigkeit und Trägheit; innerkirchliche Auseinandersetzungen rauben viele Kräfte, die für die Evangelisierung dringend notwendig wären; es fehlt mancherorts an Mut, an Einheit, an Freude im Glauben. Wenn aber das Herz nicht brennt, kann der Funke des Glaubens nicht überspringen.

Suvada: Das Thema ist zwar weltweit aktuell, dennoch gibt es regionale Unterschiede. Wie kann man eine Neuevangelisierung vorantreiben, und dennoch die Eigenheiten der jeweiligen Länder respektieren?

Erzbischof Müller:
Die grundsätzlichen Herausforderungen sind, trotz der gewiss vorhandenen regionalen und nationalen Unterschiede, überall dieselben. Denn durch die Globalisierung ist die Welt zu einem grossen Dorf geworden. Und der Glaube der Kirche ist auch überall derselbe. Zudem haben gerade junge Katholiken ein echtes Gespür für die Grösse der weltumspannenden Kirche. Freilich ist es wichtig, in der Art der Verkündigung und der Evangelisierung auf die Besonderheiten in den jeweiligen Regionen einzugehen. Das ist die besondere Verantwortung der Bischöfe, Priester und pastoralen Mitarbeiter in den einzelnen Ländern.

Suvada: Sie sind Präfekt einer der wichtigsten Kongregationen und haben die schwierige Aufgabe, die Einheit der Glaubenslehre zu wahren. Gerade in der Schweiz gibt es diesbezüglich Probleme durch verschiedene Ansichten. Was tut die Kongregation, um diese Einheit zu bewahren?

Erzbischof Müller:
Mich tröstet das Wort des Herrn: „Der Heilige Geist... wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26). Und ebenso die Verheissung Jesu an Petrus: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Wenn wir uns vom Heiligen Geist leiten lassen, Christus in die Mitte stellen und in Gemeinschaft mit dem Petrusnachfolger stehen, bleiben wir im uns offenbarten Glauben geeint. Daran muss die Kongregation immer wieder erinnern, auch in den strittigen Fragen.

Suvada: Gibt es bei einer Neuevangelisierung auch Anpassungen der Glaubenslehre?

Erzbischof Müller:
Es gibt eine Vielfalt in der Theologie, in der Liturgie (verschiedene Riten) und in der Art der Verkündigung, nicht aber in der Glaubenslehre. Paulus schreibt sehr deutlich: „Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist“ (Eph 4,4-6). Zur Einheit der Kirche gehört wesentlich die Einheit in der Glaubenslehre.

Suvada: In vielen Ländern gibt es das Problem, dass der Glaube nicht mehr richtig vermittelt wird. Weder in der Familie noch in der Schule gibt es Möglichkeiten, den Glauben richtig kennen lernen zu können. Was kann man tun, um die Katechese erfolgreicher zu gestalten?

Erzbischof Müller:
Das ist eine brennende pastorale Frage, zu der wir uns alle Gedanken machten müssen. Mir scheint, wir sollten versuchen, den dafür offenen Familien Hilfen anzubieten, damit der Glaube dort gelebt, gefeiert und vermittelt wird: eine grosse Herausforderung für die Ehevorbereitung und die Familienpastoral. Es wäre auch gut, die Chancen zu nützen, die uns in der Schule geboten werden: überzeugte Religionslehrer, die mit ihrer ganzen Person zum Glauben der Kirche stehen, können auch heute viel bewirken. Sehr wichtig scheint mir, dass wir in Pfarreien, Gemeinschaften und kirchlichen Bewegungen Zellen des Glaubens schaffen, wo die Menschen erfahren können, was es bedeutet, gläubig zu leben. Das Zeugnis jedes einzelnen ist gefragt.

Suvada: Wo sehen Sie die grössten Schwierigkeiten in Ihrer Arbeit?

Erzbischof Müller:
Ich bin momentan dabei, mich in die vielfältigen Aufgaben des Präfekten der Glaubenskongregation einzuarbeiten. Eine grosse Herausforderung steht mir schon jetzt klar vor Augen: Wir werden ständig mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert. Dabei ist es wichtig, sich nicht zu sehr mit nebensächlichen Angelegenheiten zu beschäftigen, sondern die grosse Sendung der Kongregation zu sehen, nämlich die gesunde Glaubenslehre zu fördern und zu schützen.

Suvada: Was wünschen Sie den Bischöfen in den Diözesen für die Zukunft?

Erzbischof Müller:
Dass sie Zeugen der Auferstehung sind, die den Menschen von Christus her Mut und Hoffnung geben. Dass sie die Gläubigen und Priester in ihren Diözesen als gute Hirten im Glauben und in der Liebe zusammenhalten und führe. Und dass die Verbundenheit ihrer Diözesen mit dem Papst und der Weltkirche sicherstellen.






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