22 Oktober 2012, 13:00
Meisner: 'Wir müssen ganz schlicht bei dem Einzelnen anfangen'
 
Hildegard13
 
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Der Kölner Kardinal Meiser äußert sich im Interview über seine aktuellen Eindrücke von der römischen Bischofssynode über die Neuangelisierung. Von Adrienne Suvada / Bistum Basel

Vatikanstadt (kath.net/pbb) Im Rahmen der Bischofssynode in Rom, konnte die Kommunikationsverantwortliche des Bistums Basel, Frau Adrienne Suvada, mit dem Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, sprechen.

Adrienne Suvada: Eminenz, diese Bischofssynode befasst sich mit einem wichtigen Thema. Was erwarten Sie persönlich von dieser Synode?

Kardinal Meisner:
Das Thema ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber wir vergessen oft Selbstverständlichkeiten, weil wir uns mit Spezialitäten befassen. Und diese Selbstverständlichkeit der Evangelisierung, ich habe das in der Synode schon betont, setzt die Aufgabe der Selbstsäkularisation voraus und, dass wir beginnen, mit wirklicher Evangelisation an uns selbst und auf dem Feld, das uns anvertraut ist. Und das erwarte ich, dass wir darin bestärkt werden und, dass wir eine neue Energie entwickeln.

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Suvada: Wo liegen die Schwierigkeiten in dieser Neuevangelisierung?

Meisner:
Also man muss natürlich ganz nüchtern sagen, wir leben in einer so genannten säkularisierten Umwelt, in der oft der Sensus für Gott und für das Metaphysische völlig weg ist. Aber wir dürfen uns auch nicht täuschen, der Mensch ist Ebenbild Gottes, das heisst er trägt die Ebenbildschaft Gottes in sich und damit die Sehnsucht über sich selbst hinauskommen zu wollen. Und deswegen brauchen wir, im Grunde genommen, den Gottesglauben den Menschen nicht einreden. Den tragen sie in sich.

Wir müssen uns selber die eigene Haut abziehen, wenn man diese Sehnsucht nach dem Transzendenten, nach Gott verlieren wollten. Weil wir uns nicht selbst gemacht haben, wir sind auch nicht vom Himmel gefallen. Wir sind als Ebenbild Gottes geschaffen und darum tragen wir das in uns. Deswegen meine ich, ist der Mensch auf allen Längen- und Breitengraden dieser Erde in der natürlichen Verkündigung des Evangeliums. Wir müssen nur diese Sehnsucht entbinden, wecken.

Suvada: Der Glaube wir nicht mehr richtig vermittelt, weder in der Schule, noch in der Familie. Wie kann man trotzdem diesen Glauben, im Rahmen der Neuevangelisierung, vermitteln?

Meisner:
Wir müssen ganz schlicht bei dem Einzelnen anfangen. Als das Christentum die Freiheit bekommen hat, da gab es auch keine christlichen Familien und christlichen Schulen. Da fing man vom Punkt Null an und auf so einem Punkt scheinen wir jetzt wieder zu sein. Und wir müssen einfach die Faszination des Evangeliums an die Menschen herantragen, dass man sagt „also mir fehlt die Lebensqualität schlechthin, wenn ich nicht an Gott glaube, wenn ich nicht weiss, dass ich Kind Gottes und Bruder und Schwester Jesu Christi bin“. Dafür sind wir ja da, um das zu beraten. Letztlich ist das aber nicht von uns aus zu machen. Da muss uns der Heilige Geist wirklich helfen. Wir kommen auch in einer geistlichen Armut und sagen „Vater aller Armut, hilf uns, dass wir das überzeugend rüberbringen“.

Suvada: Was wünschen Sie den Bischöfen und auch den Diözesen für die Zukunft?

Meisner:
Also ich wünsche wirklich einen Berge versetzenden Glauben, dass wir vor lauter Problemen nicht den grossen Anlass unserer Hoffnung verlieren. Das ist nämlich Jesus Christus, der derselbe gestern und heute und in Ewigkeit ist. Man kann sich von den Tagesschwierigkeiten so zudecken lassen, dass man gar nicht mehr den Himmel über der Erde sieht. Und, dass wir also immer den Blick auf den Himmel bewahren, um der Erde willen.

Foto Kardinal Meisner: © Bistum Basel






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