
Augsburg (kath.net/KNA) Auch in der katholischen Diözese Augsburg gibt es jetzt eine "Reforminitiative" von Priestern. Am Freitag traten 43 Welt- und Ordenspriester mit einer namentlich unterzeichneten Erklärung an die Öffentlichkeit und warben für Reformen. «Die verweigerte Erneuerung bringt unsere Verkündigung in Misskredit.» Mit ihrem Schritt wollten sie vor allem diejenigen ermutigen, «die sich kaum mehr in der jetzigen Form der Kirche beheimatet sehen».
Die Priester bekennen sich dazu, dass sie wiederverheiratet Geschiedenen in ihren Gemeinden die Kommunion reichen und auch konfessionsverschiedene Ehepaare dazu einladen. Das ist nach dem katholischen Kirchenrecht nicht erlaubt. In ähnlicher Weise hatten Anfang Juni mehr als 100 Freiburger Diözesanpriester öffentlich gemacht, dass sie in ihrer Praxis von den geltenden Normen abweichen. Auch in den Erzdiözesen Köln und München gibt es ähnliche Initiativen. Von der Augsburger Bistumsleitung war am Freitagnachmittag keine Stellungnahme mehr zu erhalten.
Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965) sei die Kluft zwischen dem Lehramt und «der gelebten Wirklichkeit in unseren Gemeinden» gewachsen, begründen die Augsburger Priester ihre Haltung. Grund sei der «Mangel an synodalen Strukturen» in der katholischen Kirche. Sie als Seelsorger seien, «geleitet von der Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit des Erlösers Jesus», zu eigenverantwortlichem Handeln herausgefordert.
Die Geistlichen verstehen ihre Initiative als Beitrag zum Dialogprozess der katholischen Kirche in Deutschland. Sie wollten niemanden anklagen, sondern vielmehr ihre Erfahrungen als langjährige Pfarrer und Seelsorger einbringen. Den Brief der deutschen Bischöfe vom 25. September hätten sie «aufmerksam zur Kenntnis genommen». Sie fühlten sich «in der Bewertung der kirchlichen Situation verstanden» und seien dankbar für das damit verbundene Gesprächsangebot. Das «freimütige Wort» dürfe «in aller kirchlichen Loyalität» dabei nicht zu kurz kommen.
Der Augsburger Klinikpfarrer Michael Saurler erklärte auf Anfrage, die Gruppe habe sich bisher über keine weiteren Aktionen verständigt, hoffe aber auf ein Gespräch mit Diözesanbischof Konrad Zdarsa. Auch hätten sich noch nicht alle Unterzeichner miteinander getroffen. Am kommenden Montag solle eine Internetseite freigeschaltet werden, über die sich andere Seelsorger der Initiative anschließen könnten. Bis auf weiteres sei diese auf Priester beschränkt. Man wolle Solidarität üben untereinander und mit anderen Initiativen im In- und Ausland.
Zu den Unterstützern der Augsburger Initiative zählen sechs aktive Dekane und Regionaldekane sowie der in Brasilien lehrende bekannte Befreiungstheologe Paulo Süss. Ein gutes Drittel der Unterzeichner sind Ruhestandspfarrer. Saurler sagte, die jüngere Priestergeneration sei in der Initiative bisher noch nicht angemessen vertreten.
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Foto Mariendom Augsburg: (c) Bistum Augsburg
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