
Vatikanstadt (kath.net/KNA) 8.30 Uhr vor der Audienzhalle des Vatikan. Die Weltkirche fährt vor: Einige Bischöfe kommen alleine mit Chauffeur, andere als Fahrgemeinschaft, bisweilen steigen bis zu drei Bischöfe aus einem Kleinwagen. Eine Gruppe bringt ein Reisebus mit vatikanischem Kennzeichen, die Übrigen legen das letzte Wegstück zu Fuß zurück. Es ist Bischofssynode.
Im Schatten des Petersdoms beraten noch bis zum 28. Oktober Kardinäle und Bischöfe aus allen Kontinenten darüber, was zu tun ist, um mit ihrer Botschaft «besser anzukommen». Wie kann die katholische Kirche einen Menschen für Jesus Christus begeistern, dessen letzter Kontakt mit ihr die Taufe kurz nach der Geburt war? «Neuevangelisierung» heißt das in den Worten der Theologen.
Es ist ein Rekord. 262 Bischöfe und Kardinäle waren als Teilnehmer der Synode benannt, so viele wie noch nie für eine solche Zusammenkunft. Eine Zahl, die auch für das Zentrum der katholischen Christenheit durchaus beachtlich ist. Mehr hohe kirchliche Würdenträger kamen in den vergangenen Jahren nur zur Beerdigung von Papst Johannes Paul II. 2005 sowie zu dessen Seligsprechung 2011 zusammen. Das macht sich auch im römischen Stadtbild bemerkbar: In den Restaurants sieht man abends häufiger Bischöfe, die sich bei Frascati und Pasta von den Priesteramtskandidaten ihrer Diözese über deren Studienfortschritte informieren lassen.
Zurück zur Audienzhalle: Rechts ist der Eingang für Bischöfe und Kardinäle, links der für Laien. Rechts stehen zwei Schweizergardisten in schmucker Uniform und weißen Handschuhen, links vatikanische Gendarmen im dunklen Anzug - und ein Metalldetektor. Sobald ein Kardinal oder Bischof den Eingang passiert, salutieren die Schweizergardisten. Wer nicht die Anrede «Eminenz» oder «Exzellenz» für sich beanspruchen darf, ist ein Fall für die Sicherheitskontrolle.
Im Foyer der Audienzhalle ist ein großer Büchertisch aufgebaut, Lektüre zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Auf der gegenüberliegenden Seite geht es profaner zu: Die Vatikanbank IOR bietet ihre Dienste an. Dahinter wird Kunst präsentiert. Unter anderem sind es die Relikte eines Sarkophags des vierten Jahrhunderts, der aus den Vatikanischen Museen stammt. Die Darstellungen zeigen Jesus als «guten Hirten».
Wie es in der Synodenaula während den Beratungen zugeht, erfährt die Öffentlichkeit nur durch die Teilnehmer. Auswärtige Journalisten müssen den Raum vor Beginn der Beratungen verlassen. Die holzvertäfelte Aula liegt neben der großen Audienzhalle, in der Benedikt XVI. bei schlechtem Wetter mittwochs seine Generalaudienzen abhält. Sie wirkt mit ihren abfallenden Sitzreihen wie ein Vorlesungssaal. Alle Sitze sind belegt, jeder hat seinen festen Platz: In den ersten drei Reihen die Kardinäle, es folgen die Erzbischöfe und in den oberen Reihen die Bischöfe. Auf dem Podium sitzen der Papst und das Präsidium der Synode. Sonst zählt innerhalb der Blöcke allein das bischöfliche Weihealter.
Erzbischof Robert Zollitsch wurde am 9. Juli 2003 geweiht, etwa zur selben Zeit wie sein Sitznachbar, der Weihbischof von Bagdad, Shlemon Warduni. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner scherzt, es sei immer mehr «abwärtsgegangen» mit ihm. Als Erfurter Weihbischof habe er in den 70er Jahren noch ganz oben in den hinteren Reihen der Synodenaula gesessen. Als Kardinal sei er mittlerweile in der Sitzordnung ganz nach unten vorgerückt.
Ob Kardinal oder Bischof: Die Redezeit ist begrenzt. Fünf Minuten sind es für jeden Beitrag, in den anschließenden freien Debatten sind es drei Minuten. Die digitale Uhr läuft rückwärts, unübersehbar für alle auf einer Großleinwand, die den jeweiligen Redner zeigt. Vertretern der römischen Kurie wie Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone bleibt die Stoppuhr allerdings erspart. Und der Papst? Benedikt XVI. kam zu fast allen Plenumssitzungen und eröffnete sie um 9 Uhr mit dem Stundengebet, der Terz. Dann hörte er zu.
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Foto: Rome Reports (Screenshot)
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