19 Oktober 2012, 10:15
Kirche der Zukunft wird sich ihrer eigenen Mission mehr bewusst sein
 
Hildegard13
 
WEITERE ARTIKEL ZUM THEMA 'Neuevangelisierung'
Die Kirche wird „viel williger sein, das Evangelium anderen zu bringen“. Teil 2 des Interviews mit Kurienerzbischof Salvatore Fisichella. Von Adrienne Suvada / Bistum Basel

Vatikanstadt (kath.net/pbb)
Die Kirche der Zukunft „wird eine Kirche sein, die die eigene Mission viel mehr bewusst ist und sie wird viel williger sein, das Evangelium anderen zu bringen. Es wird sicherlich eine missionarische Kirche sein.“ Dies sagte Kurienerzbischof Salvatore Fisichella (Foto), der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, am Rand der aktuell tagenden Weltbischofssynode zur Neuevangelisierung im Interview mit der Kommunikationsverantwortlichen des Bistums Basel, Adrienne Suvada.

Adrienne Suvada: Die Situation in der Katholischen Kirche ist nicht überall gleich. Wie muss man die Neuevangelisierung den diversen Gegebenheiten anpassen?

Werbung
romwallf

Kurienerzbischof Salvatore Fisichella: Ich denke, dass diese Frage sehr wichtig ist. Die Neuevangelisierung muss ein Projekt sein, das von der ganzen Kirche geteilt wird, es bleibt aber ein pastorales Projekt. Das bedeutet, dass die Kirche sich selber in der Mission engagiert, die sie schon seit 2000 Jahren verfolgt, nämlich das Evangelium näherzubringen.

Es ist klar, dass die Neuevangelisierung nicht überall auf der Welt in der gleichen Weise realisiert werden kann. Wir müssen versuchen eine gemeinsame Basis zu finden, die sich mit dem Zusätzlichen verbindet. Dieser Zusatz ist ein Reichtum. Es ist keine Armut. Dies ist sehr wichtig, weil wir auch die Verschiedenheiten der Kulturen respektieren müssen, sowie auch die Verschiedenheiten der diversen kirchlichen Traditionen. Auch, weil es Situationen gibt, die sehr unterschiedlich sind. Die Neuevangelisierung in Italien, Spanien kann nicht gleich derjenigen sein, die man in der Schweiz, in Frankreich oder in Deutschland macht.

Wir müssen verstehen, die Einheit zu verbinden, das heisst nicht Gleichförmigkeit. Einheit heisst, dass wir alle als Kirche, die in der ganzen Welt verstreut ist, das gleiche Projekt teilen. Die Einheit muss man mit dem Zusätzlichen verbinden, also die Fähigkeit finden, Sprachen und Instrumente zu finden und einen anderen Zugang zu den Kulturen zu finden, damit die Reichhaltigkeit des Evangeliums wirklich von allen in der Welt gelebt und geteilt werden kann, auch wenn es verschiedene Empfindlichkeiten gibt.

Suvada: Was sind Ihrer Meinung nach, die grössten Schwierigkeiten in der Neuevangelisierung?

Fisichella:
Es gibt eine grosse Schwierigkeit aufgrund des modernen Atheismus. Der heutige Atheismus ist nicht gleich wie der Atheismus der Vergangenheit. Meine Generation ist daran gewöhnt, sich mit einem ideellen Atheismus auseinanderzusetzen. Aber diesen Atheismus gibt es heute nicht mehr. Ich weiss nicht, ob man hier leider oder zum Glück sagen soll.

Heute gibt es eine andere Form von Atheismus. Es ist ein Atheismus, der sich die Form der Gleichgültigkeit gibt. Ein Atheismus, der die Abwesenheit Gottes, nicht als Abwesenheit oder Fehlen sieht. Wenn Sie mit den Jugendlichen sprechen und ihnen von Gott erzählen, dann werden Sie hören, dass sie antworten: „tja… das interessiert mich nicht, mir geht es gut, so wie ich bin“. Und viele antworten auf diese Weise.

Es gibt eine grosse Illusion, die sich in der heutigen Welt mit dieser Form des Atheismus geschaffen hat, und es ist die Suche nach einer kurzlebigen Freiheit. Eine Freiheit, die wenige Tage oder Stunden dauern und die keine richtige Zufriedenheit geben kann. Es ist also ein Lauf hin zur Illusion und nicht dorthin das Leben ernst zu nehmen. Dies beunruhigt mich sehr. Ich glaube, dass dies die grosse Schwierigkeit ist, weil diese Art von Atheismus nicht mehr sieht, dass Jesus und das Evangelium die wahre Neuheit unseres Lebens sind. Also das, was wir uns selbst nicht geben können, das aber uns gegeben wird. Und es ist dieses Glück, diese Freude, diesen Sinn des Lebens, den wir nirgends sonst finden.

Suvada: Exzellenz, es ist nicht einfach die Zukunft vorauszusehen. Dennoch, wie könnte die Katholische Kirche in zehn Jahren aussehen?

Fisichella:
Es stimmt, man kann die Zukunft nicht voraussagen, aber es gibt Zeichen, die uns zu verstehen geben, wie die Kirche in den nächsten zehn Jahren aussehen wird. Ich glaube es wird eine Kirche sein, die die eigene Mission viel mehr bewusst ist und sie wird viel williger sein, das Evangelium anderen zu bringen. Es wird sicherlich eine missionarische Kirche sein. Eine Kirche die, die Evangelisierung als grosse Möglichkeit wiederentdeckt. Ich glaube und sehe eine Kirche mit einem grossen Enthusiasmus von Männern und Frauen, die ihren Beitrag zur Kirche leisten möchten.

Suvada: Was kann jeder von uns tun, um zur Neuevangelisierung beizutragen?

Fisichella:
Glauben. Wir müssen glauben, weil die grosse Herausforderung in unserem Leben ist, Gläubige zu sein. Ich glaube aber, dass wir auch eine grosse Verantwortung haben, nämlich den Glauben zu vermitteln. Ich sehe eine grosse Verantwortung gerade den Jugendlichen die Reichhaltigkeit unseres Glaubens zu vermitteln, die reich ist an Glauben, Kultur, Enthusiasmus, Einsatz und Lebensstil.

Ich denke auch an die grosse Verantwortung der Grosseltern, weil sie mehr Zeit und mehr Nähe zu den Kindern haben. Die Eltern sind, aufgrund der finanziellen Umstände, gezwungen, dass beide arbeiten. Die Grosseltern haben eine grosse Verantwortung den Glauben zu vermitteln, sowie die Bedeutung der Familie und vor allem die Freude Christen zu sein.

Zum Teil 1 dieses Interviews: Kurienerzbischof Fisichella: „Eine Antwort, die voll von Freiheit ist“






Lesermeinungen zu diesem Artikel anzeigen und Kommentar schreiben

Sie können nur die Lesermeinungen der letzten sieben Tage einsehen.

 

meist kommentierte Artikel

Der Exorzismus des Papstes (52)

Oberster römischer Exorzist: Papst hat einen Exorzismus vollzogen (50)

Sich nicht in das Leben des Anderen einmischen! (41)

Sexueller Missbrauch: Wie pädophilenfreundlich waren die Grünen? (40)

Selbstherrlicher Ungehorsam begründet keine ‚Kommunio‘ (30)

Streit über Meisners Kritik an deutscher Familienpolitik (28)

Britischer Lokalpolitiker fordert Tötung behinderter Kinder (28)

Kardinal Meisner: Der neue Papst ist kein Reformer (26)

Cohn-Bendit wird von Missbrauchsbeauftragten scharf kritisiert (26)

Qui tacet, consentire videtur? (26)