20 Oktober 2012, 10:00
Hunde werden nicht zu Priestern berufen!
 
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Koptischer Bischof Damian und Prof. Obiora Ike begeistern bei Heiligenkreuzer Tagung über Christenverfolgung die Teilnehmer und erinnern an das schwere Schicksal der Christen in Ägypten und Nigeria

Heiligenkreuz (kath.net/rn) "Verfolgte und Verfolger - Gewalt und Gottesbilder". So lautete das Thema einer Tagung über Christenverfolgung im Stift Heiligenkreuz. Veranstalter waren das Institut für Ethik und Sozialwissenschaften der Hochschule Benedikt XVI., die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste und die CSI Österreich. Zur Einführung erinnerte Pater Karl Wallner daran, dass es heute weltweit viele Menschen gibt, die wegen ihres religiösen Bekenntnisses verfolgt oder diskriminiert werden und dass bei den verfolgten Gruppen bis zu 70 Prozent Christen seien. Am Donnerstag, den ersten Tag der Tagung, referierte Prof. Michael Ernst über das Thema "Nützt es dir, Gott, dass Du Gewalt verübst?" Ernst thematisierte in seinem Referat das Thema "Gewalt in der Bibel" und erinnerte daran, dass am Beginn der Menschheitsgeschichte eine Gewalttat stand, als Kain den Abel erschlug. Das Volk Gottes war immer wieder von Gewalt begleitet und hatte auch Gewalt verübt. So erschlug Mose einen Ägypter, Kriege und Gewalt begleiteten die Landnahmen.

Bei der Geschichte von Kain und Abel gehe es laut Ernst darum, dass Gott Kain warnte und dieser trotzdem seinen Bruder erschlägt. Nicht die Tat, sondern die Folgen der Tat stünden im Mittelpunkt. "Es folgt die Lüge, die Aufkündigung der Verantwortung. Kain muss unstet und flüchtig leben. Keine Strafe, sondern die Folge der Tat, stehe im Mittelpunkt. Gott garantiere den Zusammenhang von Tat und jede Gewalt hat Folgen. Jahwe sei aber auch derjenige, der den Zusammenhang durchbrechen könne. "Wir wollen uns mit Kain identifizieren, nicht aber mit Abel", betonte Ernst und verwies darauf, dass dieser später ein Kainsmal bekam. Dies sei ein "Auferstehungssymbol". "Gott garantiert hier Leben. Kai bleibt auch nach seiner Tat Gesprächspartner Gottes. Jahwe wendet sich nicht ab von ihm. Wir alle könnten Kain sein", so Ernst.

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Der Heiligenkreuzer Uni-Professor thematisierte im weiteren Teil des Referats dann das Thema "Gewalt in der Sicht des Neuen Testaments" und ging davon aus, dass es im Neuen Testament einen unbedingten Aufruf zum Gewaltverzicht gäbe. "Gewaltverzicht und Reich Gottes haben etwas miteinander zu tun." Auch gebe es im Neuen Testament keine doppelte Ethik. Christliche Ethik sei immer auch Gemeindeethik. Mit der Bergpredigt könne man aber auch keine Politik machen.

Bischof Anba Damian: Die koptische Kirche ist eine Märtyrerkirche

Für Begeisterung und lang anhaltenden Applaus sorgte am Freitag der Vortrag des koptischen Bischofs Anba Damian. Im Gegensatz zu den sehr theoretischen Vorträgen einiger anderer Referenten sprach er zutiefst aus der Praxis und erinnerte an das Schicksal der Kopten in Ägypten. "Wir sind Ägypter und keine Araber. Uns als Araber zu bezeichnen, ist fast eine Beleidigung", stellte der Bischof klar und erinnerte auch daran, dass im Alten Testament 480 Mal das Wort "Ägypten" vorkommt. "Wir haben die Heilige Familie in unserem Land aufgenommen. Wir haben der Heiligen Familie das Asylrecht gewährt." Bischof Damian erzählte dann in einer fesselnden Art, dass die koptische Kirche eine Märtyrerkirche sei. "Keine andere Kirche auf der Erde hat so viele Opfer wie die koptische Kirche gebracht. Unter Diokletian wurden mehr als eine Million Kopten umgebracht und später unter islamischer Herrschaft noch einmal eine Million", so der Bischof. Heute sind in Ägypten noch etwa 20 Prozent Kopten, die allerdings als Bürger zweiter oder dritter Klasse leben müssten. Das Kirchenoberhaupt erzählte dann auch, dass 2010 bei einem Terroranschlag auf eine Kirche der Staat Ägypten involviert war. Man hatte die große Hoffnung, dass die Facebook-Generation Demokratie ins Land bringen würde und die Menschen besser miteinander leben könnten. Diese kleine, zarte Pflanze wurde aber schnell zum Ersticken gebracht. Seit 2010 gibt es eine ununterbrochene Serie von Gewalt, und bis heute gab es keinen Prozess, wo ein Muslim bestraft wurde, wenn das Opfer ein Christ war.

Das Schlimmste ist für Bischof Damian die Entführung von Menschen und vor allem von minderjährigen Frauen. Diese Praxis hat in letzter Zeit enorm zugenommen. Die derzeitige Regierung in Ägypten sei nicht besonders koptenfreundlich, alle wichtigen Stellen wurden von Muslimen übernommen. "Es ist eine eindeutige Verschlechterung für die Christen im Heimatland Ägypten. Ich bekomme viele Anrufe von Menschen, die auf dem Reisekoffer sitzen und ins Ausland wollen."

Der Bischof berichtete dann von der ungleichen Behandlung von Christen und Muslimen in Deutschland bzw. Ägypten. Für eine Moschee in Duisburg wurden sogar 3,2 Millionen Euro an Zuschüssen von öffentlichen Stellen gewährt. In Ägypten wolle man gar keine öffentlichen Zuschüsse für Kirchen. "Wir erwarten in Ägypten keine öffentlichen Mittel, aber wir wollen in Frieden unsere Religion ausüben", betonte Bischof Damian und forderte dann von den Christen in der ganzen Welt die Verpflichtung ein, sich hier Gedanken zu machen, denn "wenn ein Organ leidet, leidet der ganze Körper".

Obiora Ike: Drei europäische Armutserscheinungen

Das Highlight der Tagung in Heiligenkreuz war schließlich der Vortrag des bekannten nigerianischen Universitätsprofessors Obiora Ike über die Christenverfolgung in Afrika. Ähnlich wie Bischof Damian zuvor beeindruckte der Generalvikar einer Diözese im bevölkerungsreichen Nigeria (170 Millionen Einwohner) mit seiner afrikanischen Fröhlichkeit und Zuversicht und dies trotz großer Schwierigkeiten in seinem Heimatland, in dem sowohl der Islam, aber auch das Christentum äußerst stark ist.

In Nigeria wurde inzwischen in 12 Bundesstaaten die Scharia eingeführt, in den letzten Jahren gab es 22.000 Opfer durch Attentate, mehr als 330 Kirchen wurden (teilweise) zerstört, viele Anschläge wurden und werden immer wieder durch eine radikal islamische Gruppierung durchgeführt. Die Schwierigkeiten bestehen auch darin, dass in den islamisch geprägten Bundesstaaten Christen keine Arbeit mehr bekommen oder beim Kauf von Grundstücken diskriminiert werden. Die Bischöfe haben inzwischen dazu aufgerufen, sich zu verteidigen, etwas, was in Europa völlig unverständlich klinge. Trotz der schwierigen Lage gibt es derzeit jedes Jahr 700 Priesterweihen und über 1300 Professen von Ordensfrauen. Die afrikanische Mentalität ist voller Zuversicht. Eine Kirche, die zerstört werde, werde oft innerhalb kürzeste Zeit auch wieder aufgebaut.

In Europa ortete der Professor drei Armuterscheinungen. Die erste sei die "Armut an Moral". "Je unmoralischer eine Gesellschaft wird, desto lauter schreit sie nach dem Staat, desto teurer wird dieser und desto weniger kann sie für den einzelnen auch tun", so Ike.

Des weiteren gäbe es in Europa eine "Armut an Kindern". Immer wieder werde er gefragt, warum es denn in Afrika so viele Priester gebe. Seine Antwort angesichts der niedrigen Geburtenrate: "Hunde werden nicht zu Priestern berufen!"

Der afrikanische Priester ortete dann auch eine "Armut an Glauben". "Afrika braucht nicht auf Europa zu schauen. Unser Schicksal liegt in unserer eigenen Hand und in Jesus Christus. Wenn wir Glauben suchen, gehen wir in eine Kirche." Er habe immer wieder erlebt, wie er in deutschsprachigen Ländern, wo er predigten durfte, schon vorher vom jeweiligen Pfarrer die Anweisung bekam, dass die Predigt nur so und so viele Minuten dauern dürfe, damit man nachher kein zeitliches Problem mit dem Mittagessen habe. "Vor der Messe zwischen dem Willen des Pfarrers und dem des Heiligen Geistes zu entscheiden", sei heftig, meinte er schmunzelnd.

Demnächst im KATHSHOP: Die Vorträge von Prof. Obioara Ike und Bischof Damian in einer Spezial-Edition im KATHSHOP. Mit dem Kauf der DVD unterstützen Sie u.a. die Christen in Nigeria und die Kopten in Ägypten!

Demnächst auf kathTube/kath.net: Exklusiv-Interview mit Bischof Damian!

KATH.NET- Interview mit Prof. Obiora Ike





KATH.NET-Interview mit Bischof Damian




KATH.NET-Interview mit Dr. Kuhn, Chef von "Christian Solidarity International"





Foto: (c) kath.net


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