18 Oktober 2012, 15:00
'Eine Antwort, die voll von Freiheit ist'
 
Hildegard13
 
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Die Kirche hat „eine grosse Chance, die darin besteht dem heutigen Menschen eine Antwort“ zu geben. Teil 1 des Interviews mit Kurienerzbischof Salvatore Fisichella. Von Adrienne Suvada / Bistum Basel

Vatikanstadt (kath.net/pbb) Die Kirche hat „eine grosse Chance, die darin besteht dem heutigen Menschen eine Antwort“ zu geben, „diese Antwort ist das Evangelium, also eine Antwort, die dem Leben der Menschen einen Sinn gibt. Es ist eine Antwort, die voll von Freiheit ist. Es ist aber auch eine Antwort, die verpflichtet.“ Dies sagte Kurienerzbischof Salvatore Fisichella (Foto), der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, am Rand der aktuell tagenden Weltbischofssynode zur Neuevangelisierung im Interview mit der Kommunikationsverantwortlichen des Bistums Basel, Adrienne Suvada.

Adrienne Suvada: Exzellenz, diese Bischofssynode behandelt ein fundamentales Thema, das für die ganze Welt von Bedeutung ist. Wie sollte sich die Neuevangelisierung für die Katholische Kirche präsentieren?

Kurienerzbischof Salvatore Fisichella:
Die Neuevangelisierung ist vor allem eine grosse Herausforderung. Es ist eine grosse Herausforderung, weil sie die Kirche zwingt, über sich selbst nachzudenken und über das was ihr am wichtigsten ist, wie die Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus. Es ist nicht nur eine Herausforderung, es ist auch eine grosse Chance, die der Kirche in diesem Moment geboten wird, weil wir in einer kulturellen Situation leben, die von einer grossen Krise geprägt ist.

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Die Kirche hat, in dieser Situation, auch eine grosse Chance, die darin besteht dem heutigen Menschen eine Antwort zu geben, die er erwartet. Diese Antwort ist das Evangelium, also eine Antwort, die dem Leben der Menschen einen Sinn gibt. Es ist eine Antwort, die voll von Freiheit ist. Es ist aber auch eine Antwort, die verpflichtet. Jeder, der sie bekommt, muss sich auf die Suche begeben, zu sich selbst und hin zur Wahrheit über sich selbst.

Aus diesem Blickwinkel gesehen, würde ich sagen, dass die Neuevangelisierung neu ist, aufgrund der Bedingungen die herrschen. Sie bleibt aber immer noch die gleiche unveränderte Mission der Kirche.

Adrienne Suvada: Was erwarten Sie von dieser Synode und wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für die Neuevangelisierung?

Fisichella:
Zunächst stelle ich aus den Beiträgen der Synodenväter ein grosses Interesse für die Neuevangelisierung fest. Johannes Paul II. sagte, dass die Neuevangelisierung neuen Enthusiasmus braucht. Als erstes fällt mir in dieser Synode der grosse Enthusiasmus auf, der die Synodenväter und die anderen Synodenteilnehmer belebt. Es gibt einen grossen Enthusiasmus und es gibt ein grosses Interesse. Mir scheint also, dass die erste Charakteristik, die Johannes Paul II. der Neuevangelisierung gegeben hat, hier schon gut realisiert worden ist.

Des Weiteren denke ich, dass wir die Fülle der Beiträge dieser Tage sehr gut studieren und analysieren müssen, weil sie, vor allem für unser Dikasterium, ein Instrument werden müssen, um mehr an die Verpflichtung der Zukunft zu denken. Die Beiträge sind eine grosse Hilfe und wir müssen versuchen, die verschiedenen Beiträge in einer systematischen Art und Weise zusammenzubringen.

Adrienne Suvada: Ein grosses Problem, auch in der Schweiz, ist die Vermittlung des Glaubens. Der Religionsunterricht in den Schulen ist nicht mehr nur katholisch. Was könnte man tun, um den Glauben besser zu vermitteln? Sind die neuen Kommunikationsmittel eine Hilfe?

Fisichella:
Sicherlich sind die neuen Kommunikationsmittel eine grosse Hilfe, auch weil sie eine neue Kultur in der Welt der Jugendlichen bilden. Persönlich denke ich bei der Kommunikation nie an Mittel. Eine Maschine ist ein Mittel, das Video ist ein Mittel. Die Kommunikation hingegen wurde zu einer Kultur, sie wurde zu einer neuen Kultur, was bedeutet, dass sie eine neue Sprache spricht und eine neue Art hat, die Realität zu sehen. Ich denke, dass wir fähig sein müssen in das Innere dieser Kultur zu kommen. Zunächst müssen wir sie verstehen, weil unsere Sprache sehr oft weit entfernt ist von der Sprache, die die Kommunikation verwendet. Ich bin aber überzeugt, dass es nicht nur Information sein kann. Die Kommunikation ist weit mehr, als nur Information. Die Kommunikation bedeutet, in eine Beziehung zu treten und so denke ich, dass die Kommunikationsmittel, die Kultur der Kommunikation sehr wichtig sind. Die Kirche kennt aber schon seit jeher ihr Instrument und das ist das Instrument des zwischenmenschlichen Treffens.

Ich denke, dass alles was wir für die Verkündigung des Evangeliums benützen können, wirksam ist. Trotzdem bleibt für uns, in einer besonderen Weise, als erster Punkt das zwischenmenschliche Treffen. Ganz klar, verlangt das viel Zeit. Es verlangt, dass wir aus diesem Treffen nicht nur eine Kommunikation der Katechese aus Formeln oder Inhalten machen. Die Katechese muss wirklich ein Treffen zwischen den Personen werden.

Adrienne Suvada: Exzellenz, Sie sind Präsident des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Wie präsentiert sich Ihre Arbeit und was macht dieser Päpstliche Rat konkret?

Fisichella:
In dieser Zeit sind wir noch jung, wir existieren erst seit zwei Jahren und dies diente uns vor allem dazu, uns auf die Synode vorzubereiten. Aber wir haben die Hände nicht in den Schoss gelegt, wie man so schön sagt. Trotzdem, dass wir so jung sind, haben wir sehr viel gemacht. Zunächst haben wir viele Bischofskonferenzen besucht. Wir waren sehr oft, also die verschiedenen Mitglieder, der Präsident, Sekretär, Untersekretär und die Mitarbeiter, in den lokalen Kirchen präsent, weil es ein grosses Interesse für die Neuevangelisierung gab, das auch heute noch andauert.

Wir haben aber auch sehr viele Priester, Diözesen und Seminaristen empfangen, die zu uns gekommen sind, um zu verstehen worin die Neuheit dieses neuen Dikasteriums bestand. Wir haben auch versucht die Neuevangelisierung zu studieren, damit es nicht nur bei einer schönen, aber abstrakten, Formulierung bleibt. Sie muss mit Inhalten gefüllt werden, über das haben wir nachgedacht und wollten nun unsere Arbeit mit den Synodenteilnehmern teilen.

Es gab bereits auch positive Erfahrungen. Vor allem haben wir in Rekordzeit das Enchiridion für die Neuevangelisierung realisiert, diesen grossen Band mit rund 1400 Seiten. Ich glaube, dass wir damit ein Instrument von einem hohen Wert für alle geschaffen haben, weil es erlaubt die Bereiche der Neuevangelisierung zu kontrollieren, sowie auch die Instrumente, die für die Neuevangelisierung zur Verfügung stehen und in welcher Art und Weise sie realisiert wird.

Des Weiteren konnten wir mit dem Projekt „Missione Metropoli“ Erfahrungen sammeln. Wir haben 12 grosse europäische Städte, Metropolen also, angefragt, ob sie bereit wären einen Weg zusammenzugehen. Ich muss sagen, dass dieses Projekt sehr gut herausgekommen ist, wie man auch anhand der Teilnahme und der Zeugnisse während der Synode sehen kann. Da dieses Projekt so gut herausgekommen ist, hoffen wir, dass wir es auch 2014 weiterführen können, vielleicht mit 72 Metropolen, grossen Städten. Wir beginnen auch in den Vereinigten Staaten mit 12 und in Lateinamerika zunächst mit 12 und dann mit 72 Städten.

- Fortsetzung folgt -

Foto Kurienerzbischof Fisichella: © Bistum Basel






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