18 Oktober 2012, 10:00
'Die, die was weiterbringen und reformieren, sind die Heiligen!'
 
Hildegard13
 
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P. Andreas Schöggl, Ordensprovinzial der Legionäre Christi, bei "Theologie vom Fass"-Veranstaltung in Linz über „Petrus Reloaded“: Keine Berufungskrise, sondern eine Antwortkrise. „Wir haben eine Gläubigenkrise, genau so wie eine Priesterkrise“

Linz (kath.net/rn)
"Petrus Reloaded – Ist der Papst auf verlorenen Posten?" Zu diesem Thema hielt P. Andreas Schöggl, der Ordensprovinzial der Legionäre Christi, am Mittwochabend einen spannenden Vortrag in Linz im Rahmen der Serie "Theologie vom Fass". In einem mit mehr als 100 Menschen völlig überfüllten Linzer Innenstadtlokal berichtete der Priester, der jahrelang Mitarbeiter in der deutschsprachigen Abteilung des Staatssekretariats war, dass Papst Benedikt sehr viele und immer wieder auch sehr merkwürdige Zuschriften bekomme. So gebe es beispielsweise Briefe, in denen jemand berichte, dass ihm die Muttergottes erschienen sei und diese dem Papst sagen wolle, dass er dies und jenes tun sollte. Auch gebe es immer wieder Bitten an den Papst, dass ein Pfarrer versetzt werde sollte oder dass er sich um die Pinguine in der Antarktis kümmern sollte usw. Man sollte vom Papst aber nicht Dinge erwarten, die nicht seine Aufgaben seien, erklärte P. Andreas. Autogrammwünsche an den Papst kommen übrigens in den "Rundordner", gemeint ist der Mülleimer.

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"Der Papst ist auf verlorenem Posten, weil wir ihn irgendwo hindrängen, wo er nicht sein soll. Was ist wirklich seine Aufgabe? Es geht darum, Jesus zu bezeugen! Der Papst hat seine Bücher über Jesus geschrieben.“, stellte der Ordensprovinzial klar. Es gehe darum, dass wir durch einen gläubigen Menschen den Glauben erfahren können und dass es Zeugen gibt, die für den Glauben einstehen.

Die eigentliche Aufgabe des Heiligen Vaters sei laut Schöggl das Glaubenszeugnis, das Stiften von Einheit und die Verkündigung des Glaubens. Allerdings stehe der Papst auch da zum Teil auf verlorenen Posten.

„Der Glaube hat mit Freiheit zu tun. Das ist ein Erlebnis, das der Papst oft macht. Er ist ganz abhängig von der Freiheit und gutem Willen der Menschen. Er kann ermutigen, aber dann sind ihm die Hände gebunden“. Was ihm dann noch bleibe, sei das Gebet. „Der Papst ist daher auf verlorenem Posten, wenn jemand nicht will“, so der Priester.

Zum immer wieder gebrachten Einwand, dass in anderen Firmen nicht wenige Priester schon längst rausgeflogen wären, meinte Schöggl, dass die Kirche eben keine Firma sei und der Papst auch kein Generaldirektor einer großen Firma. „Würden Sie aus Ihrer Familie einfach jemand so rauswerfen? In der Kirche kann man leider viel weiter gehen als in einer Firma, weil es eben nicht nur um einen Arbeitsplatz geht, sondern um das Herz einer Person. Darum gibt es auch viel mehr Geduld, viel mehr Nachgehen und noch viel mehr Ermutigung“. Es gehe nicht einfach darum, das Dienstrecht durchzusetzen.

Immer wieder bekomme er heute die Frage gestellt, an was man sich noch halten könne und was denn nun gelte. Die Antwort ist für Schöggl klar: „Der Papst ist eine gute Quelle, wo ich mich festhalten und wo ich mich finden kann.“ Seine Abteilung im Staatssekretariat bekomme auch immer wieder Zuschriften, in denen Menschen schreiben, dass sie durch die Worte oder durch die Bücher von Papst Benedikt zum Glauben gefunden haben.

Der Papst habe auch kein Ozonlochjahr, sondern ein „Jahr des Glaubens“ ausgerufen, da dies im Zentrum stehe. Abschließend appellierte P. Andreas dann: „Die, die was weiterbringen und reformieren, sind die Heiligen!“

Bei der abschließenden Fragestunde gab es die Frage, ob der Vatikan eine schlechte Pressearbeit habe. Dies stimme höchstens zum Teil, stellte Schöggl klar. Das Grundproblem liege einfach in der Botschaft selber, das hat schon bei Jesus begonnen. P.R.-Agenturen verursachen vor allem auch eine dicke Rechnung. Zu einer Frage nach Gebet und Aktion stelle Schöggl klar, dass Gebet nie den Einsatz ersetzen könne. „Das Gebet ersetzt nie unseren Einsatz“, „beides gehört zusammen“. Auf die Frage, ob beim jetzigen Papst auch echte Wunder passieren, erzählte Schöggl dann, dass er dies vor allem beim früheren Papst Johannes Paul II. mitbekommen habe. Hier seien nach der Generalaudienz sogar Menschen vom Rollstuhl aufgestanden, es kam auch immer wieder zu unerklärlichen Heilungen. Er persönlich kenne sogar zwei Fälle. Der jetzige Papst sei aber alles andere als wundersüchtig.

Auch das Thema „Vatileaks“ wurde beantwortet. Er habe den verurteilten Butler auch gekannt. Ihm sei nichts aufgefallen. Auch er habe ihm vertraut. Auch für die menschlichen Schwächen sei eben im Vatikan Platz, dafür gäbe es sogar eine gewisse Tradition. Schöggl erklärte aber auch, dass der Butler die allerwichtigsten Dokumente nicht erwischt habe.

Auch die Frage nach dem Priestermangel wurde gestellt. P. Andreas erklärte dazu, dass man im deutschsprachigen Raum jahrelang sehr verwöhnt wurde. In der mexikanischen Provinz Yucatan, wo die Legionäre Christi ein Missionsgebiet bekamen, gäbe es beispielsweise nur ein Viertel der Priester, die es in der Diözese Linz gäbe, obwohl das Gebiet von der Gläubigenzahl ähnlich groß sei. Der weltweite Normalfall sei völlig anders. Eine Kirche werde es auch nie ohne Priester geben. „Wir haben keine Berufungskrise, wir haben eine Antwortkrise. Es gebe zu wenige, die antworten und zu wenige, die ermutigt werden, zu antworten! Wir haben eine Gläubigenkrise genauso wie eine Priesterkrise", so Schöggl. Bei der letzten Frage ging es dann um die Unfehlbarkeit des Papstes. Der Priester erklärte hier, dass viele Entscheidungen des Papstes – wie eben auch eine Bischofsernennung – nicht unfehlbar seien.

Der ganze Vortrag auf kathTube: P. Andreas Schöggl LC - Petrus Reloaded - Der Papst auf verlorenem Posten?




Foto P. Andreas Schöggl: (c) kath.net






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