
Betlehem (kath.net) „Es gibt Menschen, die keinen Lärm machen, die nicht in den Schlagzeilen der Tageszeitungen stehen, und doch hinterlassen sie eine Leuchtspur in unserer oft so dunklen Welt.“ Mit dieser Biographie stellt Karl-Heinz Fleckenstein die Frau vor, die das Karmelitinnenkloster von Betlehem, gegründet von der seligen „kleinen Araberin“ Mirjam Baouardy, 19 Jahre lang als Priorin geleitet hat: Mutter Saint Joseph (1927-1998).
In zahlreichen Begegnungen und Gesprächen mit ihr durfte Karl-Heinz Fleckenstein sie als eine Persönlichkeit erleben, die niemals einen Menschen abwertete, sondern jeden, der ihr begegnete aufwertete. Durch ihr spirituelles Testament ist sie bis heute für viele in schwierigen Situationen zu einem Wegweiser in Richtung der Liebe Gottes geworden.
Karl-Heinz Fleckenstein ist katholischer Theologe, Archäologe und gemeinsam mit seiner Frau Louisa Reiseleiter durch Israel. Er lebt in Jerusalem.
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VORWORT
Es gibt Menschen, die keinen Lärm machen, die nicht in den Schlagzeilen der Tageszeitungen stehen, und doch hinterlassen sie eine Leuchtspur in unserer oft so dunklen Welt. Mutter Saint Joseph war eine von ihnen. Obwohl sie sich für ein Leben hinter Klostermauern im Karmel von Betlehem entschieden hatte, war ihr Geist offen für die aktuellen Geschehnisse in Kirche und Welt. Ihr Gebet für den Frieden im Heilige Land und für die Einheit aller Christen drang ganz gewiss durch die dicken Klostermauern an das Ohr Gottes.
Für die Mitglieder ihres Konvents war sie als Priorin nicht so sehr eine Vorgesetzte, sondern vielmehr eine „große Schwester“, bereit, jeden Schmerz aus der liebenden Hand Gottes anzunehmen, in Freude umzuwandeln und diese Freude weiter zu schenken.
Obwohl sie sich als Nonne für die Ehelosigkeit entschieden hatte, wurde sie mit ihrem mütterlichen Herzen durch Rat und Tat für viele eine echte Mutter.
Ihr Lächeln, das aus einer tiefen, inneren Beziehung mit ihrem Herrn kam, spiegelte etwas von der Menschenfreundlichkeit und Liebenswürdigkeit Gottes wider.
In zahlreichen Begegnungen und Gesprächen mit ihr durfte ich in Mutter Saint Joseph eine Persönlichkeit erleben, die im anderen eine Ikone Jesu erkannte, als eine Gott geweihte Frau, die niemals einen Menschen abwertete, sondern jeden, der ihr begegnete aufwertete. In dieser positiven Haltung wurde sie für viele in schwierigen Situationen zu einem Wegweiser in Richtung der Liebe Gottes, die jede Dunkelheit besiegt.
Wollte man ihr Leben mit einem Leitsatz überschreiben, dann würde wohl kein Zitat besser passen als die Stelle aus dem Johannesevangelium „Eine größere Liebe hat niemand, als die, dass er sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh15,13).
Auch wenn vielleicht Mutter Saint Joseph niemals offiziell zu den Ehren der Altäre erhoben wird, so habe ich sie mit meiner Familie und mit vielen anderen Menschen im Herzen schon längst selig gesprochen. Es ist, als würde sie uns von „drüben“ zurufen: „Gott ist Liebe. Bleibt mit mir in der Liebe verbunden. Und da ich jetzt bei Gott bin, bin ich euch noch näher als vorher. Weil die Liebe und die Seele nie unter gehen.
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Jeden Menschen von ganzem Herzen als liebenswert beurteilen
17. 08. 1983 (Von Mutter Saint Joseph)
Was ist das Gütezeichen der brüderlichen Liebe im Hinblick auf die Seligsprechung unserer kleinen Schwester Mirjam? Der Evangelist Johannes gibt uns ein wirksames Rezept dazu, wenn er schreibt: „Wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?" ( 1 Joh 4,20). Damit wir in der Lage sind, in brüderlicher Liebe und in der Einheit zu wachsen, so sollten wir aus unseren Herzen die Wurzel des Stolzes ausreißen und den anderen höher einschätzen als uns selbst, so wie der Apostel Paulus die Philipper ermahnt (Phil 2,3).
Jesus hat seine Apostel nicht aufgrund ihrer charakterlichen Stärke oder ihrer Verdienste für seine Botschaft ausgewählt. Er hat sie geliebt, nicht nur trotz ihrer Fehler, sondern auch wegen ihrer Fehler. Auch nicht, weil sie manchmal nett oder gut waren. Er verströmte an sie seine Liebe, weil er gut war im Verschenken seines Herzens, auf dass sie geheiligt und von ihm gerettet würden.
Bei uns Menschen geht der Kopf oft dem Herzen voraus. Jesus aber beurteilte jeden Menschen von ganzem Herzen als liebenswert.
Und wir? Manchmal genügt nur eine Geste und wir reagieren beleidigt, hören auf, freundlich zu sein. Weil der Kopf dem Herzen keinen Raum lässt und alle Hochschätzung dem anderen gegenüber ausradiert.
Wie können wir diese bedingungslose Liebe am Leben unserer Gemeinschaft testen und üben, die Jesus uns als sein Vermächtnis hinterlassen hat? Als seine persönliche Gabe an jede einzelne von uns? Durch kleine Zeichen der Nächstenliebe, durch positives Denken über unsere Mitschwestern. Das ist unser Geschenk an ihn.
Die brüderliche Liebe bedeutet eine heilige Pflicht für unser geistliches Leben. Sie ist ein sicherer Weg zur Kontemplation.
Die Kleine Theresia vom Kinde Jesu schrieb einmal:" Oh Herr, ich weiß, du verlangst nichts Unmögliches von mir. Du kennst meine Schwächen und Unvollkommenheiten. Ich weiß, es wird mir nie gelingen, meine Mitschwestern so zu lieben, wie du sie liebst. Und doch, Jesus, möchte ich sie von ganzem Herzen lieben.
Und wenn es mir manchmal gelingt, dann bist du es, der in mir handelt. Und je mehr ich mit dir vereint bin, desto mehr vermag ich meinen Schwestern in Liebe zu begegnen."
In der Tat, je mehr wir im Gebet und in der Kontemplation mit Jesus verbunden sind, um so mehr werden wir fähig im Verständnis für die anderen und der Ausübung der brüderlichen Liebe. Darin besteht das Geheimnis der Vereinigung mit Jesus. Der Heiligen Geist, der uns mit dem Schöpfer und untereinander verbindet, wird uns die Schönheit einer jeden Seele entdecken lassen.
Karl-Heinz Fleckenstein
Mère Saint Joseph
Das Herz einer Mutter
100 Seiten
United P. C. Verlag 2012
ISBN 978-84-9015-397-0
16.90 EUR
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